Jetzt noch ein bisschen für mich selbst, um meine Gedanken zu ordnen.
Zitat von Nachtlicht:Es ist wirklich charmant, dass ihr dem Ergebnis deines Mutes sogar einen Namen verpasst habt.
Der Name war ein Scherz von mir.
Danach fragte er mich übrigens gelegentlich, wer die "Tapferkeitsmedaille" inzwischen bereits gesehen hätte. Es war niemand. Denn ich hatte es ja im Grunde seinetwegen gemacht. Es war auch so eine Art Versprechen an mich selbst, dass nur er das zu sehen bekommt.
Wenn ich jetzt über diese Frage von ihm nachdenke, dann scheint es mir inzwischen ein bisschen so, als habe er sich vergewissern wollen, ob er bei Dienstreisen nach Berlin noch "Zugriff" auf mich hat oder sich 'n anderes Date suchen muss, weil ich womöglich inzwischen einen anderen In*impartner habe. Er kennt mich ja gut und weiß, dass ich zwar mein "Sündenregister" habe, aber im tiefsten Inneren und in einer glücklichen Beziehung Treue für mich kein Thema, sondern selbstverständlich ist.
Zitat von Nachtlicht:Und ich lese auch zwischen den Zeilen, dass du dein Piercing auch ohne ihn noch toll findest und magst.
Ich habe inzwischen schon überlegt, ob ich es entferne. Aber es ist ein Teil von mir. Wenn ich jetzt eine Situation erlebe, die körperlich unangenehm oder gar schmerzhaft ist - Zahnarzt oder so -, dann erinnert es mich daran, dass Piercen im In*imbereich viel stärker weh tut und dass ich Angsthase auch das durchgestanden habe.
Zitat von Nachtlicht:Aber, dir ist schon klar, dass dieser Akt auch deiner Überinterpretation eurer Geschichte geschuldet ist? Wenn man der goldenen Regel folgt, in jemanden nicht mehr zu investieren als dieser in einen selbst investiert, wäre dies auch so ein Punkt gewesen (neben dem mit den Kontaktdaten, z. B., solange du von ihm nichts weißt hätte er halt ein Hotel bezahlen müssen anstatt in deine Wohnung zu dürfen). Es ist ja doch ein Unterschied, ob jemand sich *beep* zeigt und ein bisschen mit seiner Körperbehaarung kokettiert, oder ob man sich piercen lässt um dem anderen zu gefallen.
So habe ich das zugegebenermaßen nicht bedacht. Das mit den Kontaktdaten und seiner Körperbehaarung habe ich einfach akzeptiert und für eine Vertrauensfrage gehalten: Wenn sein Vertrauen zu mir groß genug ist, dann wird er von sich aus ... Denn ich hatte, wie gesagt, mitunter den Eindruck, dass er hinter seiner "Dom-Fassade" ein schüchterner, verletzlicher Mann ist. Also war ich zu ihm bis zuletzt ganz offen, um ihm zu signalisieren, dass er mir vertrauen und sich mir öffnen kann und bei mir absolut geborgen ist.
Zitat von Nachtlicht:auch wenn er letztlich wohl leider zu feige war sich ordentlich zu verabschieden.
Das finde ich eigentlich am schlimmsten: dieses Sich-Davonstehlen, noch dazu in Etappen: erst "ja, wir sind wirklich Kumpel", dann klammheimlich WA-Stati gucken, dann via Internetseite seine letzte Nachricht an mich, dann auf WA verschwinden und dann auf der Internetseite den Kontakt beenden, noch dazu schrittchenweise.
Zitat von Nachtlicht:Oder vielleicht ist das auch einfach nur seine Art, sich da ein Türchen für eine mögliche Rückkehr aufzuhalten, wenn das mit seinen neuen Eroberungen durch ist. Da solltest du dann gut aufpassen, dich nicht wieder einwickeln zu lassen.
Möglich. Ich habe mich am Telefon bei einer alten Freundin ausgeweint. Die war jahrelang Aufnahmeleiterin beim ZDF und hat dort alle möglichen Charaktere und Stories aus nächster Nähe erlebt. Die meinte, diese Geschichte wäre noch nicht zu Ende erzählt. "Der hat nur kalte Füße gekriegt. Bleib locker, mach dein Ding, kein Kontakt von dir zu ihm, aber auch nicht blockieren, denn der meldet sich noch mal."
Auch der Kumpel, der mir über seinen Account ein paar Fakten gezeigt hat, ist dieser Ansicht. Er kennt meinen Liebeskummergrund auch persönlich. Ich habe sie mal einander vorgestellt. Später begegneten sie sich auch mal, ohne dass ich dabei war, und redeten wohl auch über mich. Was genau, weiß ich nicht; aber mein Kumpel sagte jetzt dasselbe wie meine alte Freundin.
Ob ich mich darüber freuen würde? Aus jetziger Sicht wahrscheinlich ja. Aber nahtlos weitermachen könnte ich nicht.