Guten Abend alle Zusammen,
ich habe hier so ein bisschen im Thread gelesen und ich lese sehr viel Trauer, Verzweiflung, Wut und Entsetzen.
Ich bin vor 4,5 Monaten getrennt worden. Am Anfang war es die Hölle, ich war so verzweifelt und dachte, es wird nie wieder gut werden. Ich musste mich regelrecht zwingen zu Essen, zu Schlafen, zu Atmen, damit mein Herz nicht stehen bleibt. Ich habe vor allem funktioniert. Dieser Schmerz ist unerträglich und vor allem er hört nie auf, es gibt keine Schmerztablette dagegen, er ist allgegenwärtig. Tag ein, Tag aus. Ich fing an, mich zu zwingen mit Freunden unterschiedliche Dinge zu unternehmen und ich habe immer an sie denken müssen. Es war sehr, sehr schlimm. Ich dachte, ich kann nie wieder jemand anderen lieben, sie war die tollste Frau der Welt.
Aber irgendwann fing ich an Freude an Dingen zu haben auch ohne sie. Sie war auch irgendwann nicht mehr die superduper Idealpartnerin, denn ich fing an, diese Beziehung mit Abstand zu sehen und sie zu reflektieren. Dieser Prozess dauert. Bei dem einem länger als bei dem anderen. Dann kommt es natürlich noch darauf an, ob man direkt ausgetauscht wurde, das war und ist bei mir nicht der Grund gewesen und bis heute noch nicht. Egal wie, es war anscheinend nicht die ideale Partnerschaft, sonst wäre sie nicht auseinander gegangen. Wenn man das irgendwann mal verstanden hat, dann ist es irgendwie anders, man denkt anders. Es gab einen Grund, warum diese "Idealbeziehung" kaputt ging und es gab auch einen Grund, warum der andere nicht mehr um uns kämpft, um diese Beziehung kämpft. Schlicht und ergreifend, hier stimmte etwas nicht. Wir tun uns manchmal schwer, das zu verstehen, aber mit der Zeit wird man erkennen, was so schief lief.
Heute ist es bei mir so, dass meine Partnerin mich wieder haben möchte, es noch mal versuchen möchte, aber ich bin noch nicht oder noch so gar nicht bereit dazu, denn ich habe erkannt, was falsch lief, auch von meiner Seite aus. Ich habe den steinigsten Weg geschafft und sehe wieder relativ positiv der Zukunft entgegen.
Mir fehlt auch etwas in meinem Leben. Ich weiß am Anfang waren immer die Morgenstunden für mich die Hölle und die Wochenenden. Kein gemeinsames Frühstück, kein rumalbern, all die Rituale fehlen. Aber man gewöhnt sich daran. Heute gehe ich, wenn ich mich komisch fühle, Sonntags morgens walken oder treffe mich mit Freunden zum gemeinsamen Frühstück oder bin halt einfach mal alleine und trinke in Ruhe meinen Kaffee und schaue mal hier im Thread vorbei. Man gewöhnt sich irgendwann um.
Dieses Wochenende war sehr schön und ich muss ganz ehrlich sagen, ich glaube, ich habe an diesem Wochenende mal so richtig genossen, keinen Partner zu haben. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Ganz lange im Bett liegen, ohne dass jemand an mir rüttelt: Steh auf, ich habe Frühstück gemacht. Ich konnte nach dem Aufstehen einfach wieder aufs Sofa fallen und lesen oder ich kann fernschauen, zu was auch immer ich Lust habe, oder stundenlang telefonieren. Man ist in Allem viel, viel freier und viel spontaner. Sich spontan entscheiden, mit jemanden ein Eis essen zu gehen oder schwimmen zu gehen, egal was, es ist alles viel spontaner. Und dieses Wochenende habe ich gemerkt ein Singledasein ist gar nicht so schlecht. Zumindest für eine Zeitlang. Und wir trauern eh in den meisten Fällen den Falschen hinterher. Sie haben es gar nicht verdient, das wir monatelang trauern um sie.
Also, Leute, seht auch mal die positiven Dinge und versucht Euch auf Euch zu konzentrieren, was geschehen ist, ist geschehen und natürlich sollte man sich Momente des Trauern einräumen, aber nicht nur.