Ich muss nun einmal die Runde unterbrechen, die Wiener mögen es mir verzeihen.
Ich möchte gerne noch auf einen Post eingehen der, wie ich finde, hier ein wenig untergegangen ist und zu dem mir ein paar Worte einfallen:
Zitat von youmakemesick:... Kann es wirklich sein, dass ich ihm so wenig bedeutet habe? ...
... Das macht mich alles immer noch so traurig ...
... Wie kann ich so lang um jemanden trauern, mit dem ich nur so wenig Zeit verbracht habe? Steigere ich mich zu sehr in die Sache hinein?
Ich meine, ja, ich fühle mich nicht mehr so schlimm wie noch vor einem Monat, aber trotzdem: Mich begleitet immer eine gewisse Grundtraurigkeit, versteht ihr? Ich bin nie richtig glücklich. Es gibt durchaus Tage an denen es mir gut geht, aber im Hinterkopf habe ich immer den Gedanken daran, wie sehr ich ihn vermisse. Das macht mich fertig ...
... Mir graut es schon absolut vor den Feiertagen, aber vor Silvester noch viel mehr ...
Die Frage, wie viel oder wenig dem Expartner man selbst noch wert war wird man i. d. R. nie beantwortet bekommen. Genau aus diesem Grund leiden wir auch so. Man hat noch so viele Fragen, aber es kommen keine Antworten mehr. Sich damit abzufinden ist ein wichtiger, wenn auch sehr schwerer Schritt. Zumal die quälensten Fragen von Schlaf und Nahrung abhalten.
Die notwendige Akzeptanz der Situation fällt nie leicht und wird einfach, wie bei vielen anderen Dingen auch, erst die Zeit mit sich bringen.
Das Gefühl der Traurigkeit ist auch verständlich. Ein wichtiger, wenn nicht sogar
der Bestandteil des Lebens, ist weg. Er fehlt und man wünscht sich das Gewohnte und die damit verbundene Sicherheit zurück. Da es sich nur um ein paar Monate seit der Trennung handelt, denke ich, dass du diese Traurigkeit ruhig noch haben darfst. Dabei spielt es m. M. n. keine Rolle wie lange ihr zusammen wart. Entscheidend sind die dabei vorhandenen Gefühle. Und, auch das ist sicher, die lassen sich nicht von heute auf morgen ändern oder abschütteln. Dir sollte es viel mehr zu denken geben wenn du ihn innerhalb eines Tages vergesssen hättest. Denn genau
dannhättest du die Beziehung auch schon lange nicht mehr wirklich gelebt.
Weihnachten und Silvester empfinde ich auch immer als sehr schwierig. Überall (TV, Radio, Öffentlichkeit etc.) wird einem das Bild einer perfekten Familie oder Beziehung vor Augen geführt. Wie glücklich die Menschen gemeinsam sind und man selbst steht verlassen und in gewisser Weise hilflos daneben. Das schmerzt, keine Frage.
Außerdem kommen die Erinnerungen an das erste gemeinsame Weihnachten (die schönen Tage, die Geschenke ...) und an Silvester (wo man war, der Moment als es 0 Uhr war ..) wieder hoch. Diese Gedanken möchte ich für meinen Teil niemals missen, aber sie kommen einfach wieder hoch und vielleicht ist das auch gut so.
Auch ich kann gerade in den letzten Tagen wieder merken dass sich Emotionen einstellen. Trotzdem glaube ich dass man sich in gewisser Weise seiner Emotionen und Traurigkeit hingeben darf. Manchmal muss das einfach sein. Vielleicht ist es auch ein Problem der Gesellschaft dass Traurigkeit als Schwäche dargestellt wird.
Ich bin der Meinung, dass gerade die Emotionen einen Menschen interessant machen. Es gibt sicherlich genug Menschen die ihre Traurigkeit nie nach außen tragen um nicht schwach zu wirken. Aber mir ist ein Mensch mit all seinen Eigenarten lieber, als jemand der mir nur etwas vorspielt. Der seine Gefühle nie zeigt und dadurch unnahbar wirkt.
Fazit: Vielleicht ist es gut wenn wir in dieser Zeit etwas emotionaler und trauriger sind. Dies zeigt dass wir noch zu Gefühlen fähig sind und uns nicht alles egal ist.
@youmakemesick: Du merkst, du bist mit deinen Gefühlen, Ängsten und Emotionen nicht alleine. Viele andere Menschen machen ähnliches durch.
Und nun noch zwei Erlebnisse die aus meiner Sicht hier gut reinpassen:
1. Letztens gab es im Radio (1live - vielleicht hat es jemand gehört) die Diskussion "Darf ich meine Beziehung kurz vor Weihnachten noch beenden, oder sollte ich bis nach den Feiertagen warten?". Ich muss zugeben dass ich doch ziemlich erschrocken war. Zum einen über diese Diskussion und zum anderen zu den teilweise unglaublichen Einstellungen der Befragten.
Ich für meinen Teile würde eine Beziehung immer dann beenden wenn sie nicht mehr funktioniert. Warum sollte ich an Weihnachten noch so tun als wäre alles in Ordnung um direkt nach den Feiertagen die Wahrheit auszusprechen. Damit schütze ich meinen Partner nicht, sondern belüge ihn. Er weiß doch im Nachhinein auch dass an Weihnachten schon mit der Beziehung geistig abgeschlossen wurde.
Ehrlichkeit, egal in welcher Situation halte ich für angebracht und nicht Theater spielen bis der Moment "günstig" ist - es gibt keinen
richtigen Moment für die zukünftigen Expartner. Die Trennung ist schmerzhaft, daran wird der Tag nichts ändern.
2. Im Imbiss saß eine Frau mit zwei Männern neben mir. Sie waren nur gute Bekannte. Einer der Männer fragte die Frau, wie es mit ihrem Freund läuft.
Darauhin beschwerte sich die Frau über ihren unselbstständigen und etwas faulen Freund. Man merkte, dass sie nicht sehr zufrieden mit ihm ist.
Ihr wurde dann die Frage gestellt, warum sie dann überhaupt noch mit ihm zusammen ist.
Sie entgegnete dass es nicht ganz so einfach ist. Manchmal würde es auch schöne Momente geben. Außerdem würde sie erstmal ihr Studium beenden und wenn sie dann selbst Geld verdienen würde, könnte sie überlegen ob sie noch mit ihm zusammen bleiben will.
Auch bei dieser Aussage war ich sehr enttäuscht. Hier wird eine Beziehung aus Bequemlichkeit und aus Gründen der (scheinbar) finanziellen Sicherheit aufrechterhalten. Ich verstehe nicht wie man einen Partner, den man (mal) geliebt hat, so vorführt, ihn belügt und (scheinbar) ausnutzt. Ich würde so eine Beziehung nicht führen wollen. Es gibt immer kleinere Reibereien, aber eine Beizheung sollte doch "ganz" oder "gar nicht" bedeuten. Es wirkte für mich wie ein warten auf eine bessere Gelegenheit.
Irgendwie ist es traurig dass Menschen so miteinander umgehen.
Was möchte ich damit nun sagen?
Ich glaube dass viele Paare die man in der Öffentlichkeit sieht und nach deren Geborgenheit man sich als Single sehnt, nicht wirklich glücklich sind. Teilweise scheinen es nurnoch Zweckgemeinschaften zu sein und das kann auf Dauer keine Grundlage für eine Beziehung sein.