Zitat von Brennessl: ich kann das alles nicht mehr
Das ist für einen Bindungsängstler selbstverständlich eine Erklärung. Du kannst nicht sagen, Du hättest keine bekommen. Er kann das alles nicht mehr und das ist auch die Wahrheit. Weitere Begründungen brauchst Du doch gar nicht.
Er fühlt sich erdrückt, eingeschränkt, wie im Gefängnis wegen Deiner Beziehungsansprüche und er will sich wieder frei und ungebunden fühlen. Es ist ihm alles über den Kopf gewachsen, er sieht sich nicht mehr aus, er weiß nicht wie er da raus kommt. Also geht er und liefert Dir eine Begründung die Du durchaus verstehen kannst wenn Du Dich mit Bindungsängsten ein wenig auskennst. Er wirft weg was für ihn eine Last ist. Was gibt es daran nicht zu verstehen?
Ich verstehe das schon, was aber nichts daran ändert, dass der passive Part dennoch eiskalt erwischt wird und sich überfahren fühlt, obendrein natürlich weggeworfen und entsorgt. Und während er zunächst befreit aufatment, weil er sich nun wieder frei und ungebunden fühlt. steht der Passive vor dem Scherbenhaufen.
Das Unglück daran ist, dass der Passive ja schon in der Beziehung sehr viel eingesteckt hat und sich oft genug angepasst, wenn nicht verbogen hat. Er hat gewartet, geschwiegen wenn er mal wieder unbedacht verletzende Worte gesagt hat oder sich wieder zu viel rausgenommen hat. Der Passive hat viel mehr in die fragile Bindung eingebracht. Das geht bis zur Selbstaufgabe, weil sich Dein Leben nur noch um ihn und die Beziehung dreht.
Dazwischen mal wieder ein Gefühl von Nähe, eine liebevolle Zuwendung und Du fühlst Dich wieder eingelullt und sagst Dir: er ist nicht so, er ist ja doch lieb, das sehe ich jetzt doch.
Ja, die Wahrheit ist aber auch, er schwankt zwischen seinem Freiheitsdrang und der inneren Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Mal gewinnt die eine Seite, mal die andere.
Wenn er wieder lieb ist, fühlst Du Dich wunderbar und vor allem, Du willst genau das wieder fühlen. Und zwar, weil es nicht selbstverstsändlich ist. Die wundervollen Gefühle von Nähe und Übereinstimmung werden hochstilsiert zu ertwas ganz Besonderem, weil es besonders ist. Es ist eben nicht selbstverständlcih dass Du Dich wohl, getragen und geborgen fühlst. Denn Du spürst oft genug die Ungewissheit. Die Beziehung ist ein Kartenhaus, das jederzeit zusammen krachen kann und wird vom Passiven gehalten und das ist anstrengend und Kräfte raubend. Es ist nichts seblstverständlich in solchen Beziehungen außer der Ungwissheit.
Meiner schrieb mir als Abschied eine Mail mit ganz ähnlichen Worten.
"Ich kann das einfach nicht, ich weß, ich müsste es können, aber es geht nicht!"
Ich nahm seine 'Verzweiflung wahr. Er wollte nur noch weg, weil ihm alles über den Kopf gewachsen war. Er wollte wieder frei sein, ungebunden ohne meine Bemühungen so zu sein wie er mich vermeintlich haben wollte.
Ich war ja nicht mehr Ich, ich war wie eine Marionette oder wie der Hindernisläufer, der vom Trainer, also ihm gnadenlos angetreiben wird. Los, lauf noch eine Runde, renn weiter. In den Wassergraben gstürzt, aufstehen und weiter laufen. Die Hürden umgelaufen, selbst Schuld. Weiter geht`'s und dann noch eine Runde!
Ich fühlte dass die Beziehung total verfahren war, dass ich mich aufgegeben hatte und dass das alles schädlich für mich wahr. Gehen konnte ich nicht, das musste er übernehmen. Denn sonst hätte ich mir immer gedacht, hättest Du Dir noch mehr Mühe gegeben, hätte es vielleicht doch geklappt. Du hast vielleicht zu früh aufgegeben.
Solche Beziehnungen mit einem großen Ungleichgewicht gedeihen nicht und wenn man ehrlich zu sich wäre, weiß man das auch insgeheim, handelt aber doch anders. Ich muss nur warten können, eines T'ages .. da wird er und wir werden ....
Das ist das Credo des Passiven. Ich will nur noch weg, ist das Credo des Aktiven. Wie soll das jemals zusammen gehen?
Der macht es ja mit der Nächsten auch so und er hat es auch vorher schon getan, denn er lebt in seinem inneren Dilemma wie der Passive auch. Zeit, da mal raus zu kommen und sich selbst anzuschauen und die eigenen Mechanismen zu erkennen.
Denn auch der Passive ist ein Wiederholungstäter und gerät leicht in eine Beziehung mit ganz ähnlichen Mustern. Dann heißt es: ich weiß auch nicht, warum, aber ich gerate immer an Männer, die nach einer anfänglichen Phase der Übereinstimmung abdriften und die Beziehung sabotieren. Man wendet sich gerne Partnern zu, die für eine Beziehung eigentlich nicht in Frage kommen. Sie sind zu alt oder zu jung oder befinden sich noch in einer selbstverständlch unbefriedigenden Beziehung oder sind gerade frisch getrannt oder sie haben eigentlich keine Zeit für eine Beziehung, weil alles Andere wichtiger ist.
Der Passive leidet meist auch unter Bindungsängsten, lebt sie aber anders aus. Der will ja unbedingt eine Beziehung und diese auch halten und tut viel dafür, aber wählt sich einen Partner, mit dem das gar nicht langfristig möglich ist. Auch eine Srategie, eine Bindung zu vermeiden. Der brave und solide Norbert, der Dir schöne Augen macht, interessiert Dich leider nciht, aer wenn dann so ein schillerndes Exemplar Deinen Weg kreuzt,dann interessierst Du Dich dafür obwohl schon am Anfang klar ist, dass es nichts wird, zumindest nicht auf Dauer.