Zitat von HouseOnFire: Gibt es hier jemanden, der ähnliches durchgemacht hatte? Gibt es Erfahrungsberichte? Wie kamt ihr da raus? Was war der "Schlüssel", sich gebraucht/erfüllt zu fühlen?
Phasen der lähemden Unzufriedenheit hatte ich öfters und sie waren mitunter sehr hartnäckig. Mein Leben dümpelte vor sich hin, es gab wenig Anregungen, der Partner altbekannt und nicht mehr spannend, die Beziehung lief auch nur so dahin, beruflich ergaben sich keine Perspektiven und ich sah die nächsten Lebensjahre frustriert vor mir liegen. Das Hobby, das ich mit Leidenschaft betreiben hätte können, hatte ich auch nicht. Ich trat regelrecht auf der Stelle.
Ich überlegte mich zu verändern, evrt. beruflich und/oder auch einen neuen Wohnort zu suchen. Aber etwas in mir hielt mich davon ab. ich merkte, die Änderung der äußerem Lebensumstände wäre im Grund genommen nur Kosmetik, während ich als Mensch mich auch nur wieder mitnehmen müsste. Eine Zeitlang wären diese Frustgefühle überdeckt worden wegen neuer Anforderungen, aber eine Therapie, die das Problem in mir behebt, hätte nicht stattgefunden, Ich hätte die Figur, also mich, nur auf ein anderes Spielfeld gesetzt.
Ich wartete, führte Selbstgepräche, träumte vor mich hin von einem anderen Leben, von Erfüllung und von innrerer Zufriedenheit, die nicht eintraten.
Mein Leben war im Stillstand und ich trat auf der Stelle und fand aus den grauen Gedanken nicht raus. Was sollte ich tun? Mein Leben mein Umfeld ödete mich nur noch an. Ich sagte zu einer Freundin, ich hätte Lust, alles hinzuschmeißen und irgendwie und irgendwo ein neues Leben anzufangen. Ja, toll, und dann? Auch das Wie war mir nicht klar, Die Freundin sagte etwas, was mir lange im Gedächtnis blieb: Es ist alles da, es liegt alles was Du brauchst, vor Dir, aber du siehst es nicht. Eine Ortsveränderung hilft Dir nicht, weil Du mit Dir umzufrieden bist.
Die "Lösung" des Problems ergab sich einige Zeit später in Form einer Affäre. Auf einmal war iweder Leben im Leben, auf einmal war ich wieder voll von Begeistsrung und Hoffnung auf ein anderes Leben. Es war eine tolle Zeit, aber wie lange? Schon nach den ersten drei/vier Monaten spürte ich dass seine Begeisterung leise nachgelassen hatte. Es wurde eine Katastrophe, aber die Langeweile war fraglos verschwunden, denn nun hatte ich ganz andere Sorgen, die mich auf Trag hielten.
Natürlich ging es schief, denn eine Affäre ist nur eine Notlösung, aber keine Lösung. Nun stand ich weniger vor der Situation des Lebensüberdrusses, sondern vor dem Problem des Loslassens, was sich schwierig gestaltete und viel Zeit in Anspruch nahm.
Irgendwann, als die Affäre verarbeitet war und er keine Rolle mehr spielte, wurde mir einiges klar. Ich hatte die Affäre unbewusst benutzt um meine Unzufriedenheit zu überdecken. Er sollte mir das Glück bringen, das ich alleine nicht fand und auch in meiner Ehe nicht fand. Er sollte mein Leben bunt machen damit ich mich wieder lebendig fühlen konnte.
Und vor allem: er sollte mich lieben, damit ich endlich glauben konnte, dass ich liebenswert war. Das Problem dahinter war, dass ich mich selbst nicht mochte, mich unzulänglich fand, unter Versagensängsten litt und einfach nicht n der Lage war, an mich und meinen Wert zu glauben.
Mir wrude damals klar, dass ich viele Dinge aus der Kindheit nie verarbeitet, sondern nur verdrängt hatte, die mir später immer wieder ein Bein stellten. Ich hatte auch unbewusst die Unzufriedenheit meiner Mutter übernommen, die sie mir vorgelebt hatte. Die Probeme mit mir waren uralt und mussten ans Licht. Wenn es gelingt, Defizite auf dei bewusste Ebene zu holöen, dann kann man besser damit umgehen. Man wird nicht mehr so getrieben, sondern ist sich selbst bewusster und das hilft.
Ich lernte, dass idie 1000 Kleinigkeiten, die ich als selbstverständlich ansah, nicht selbstverständlich sind. Ich lernte, achtsamer mit mir umzugehen und versuchte, bewusster zu leben. Heute komme ich mit mir besser klar als früher und lasse mich von meinen unbewussten Blessuren weniger drangsalieren.
Die Freundin damals hatte Recht gehabt. Es ist alles da um ein glückliches Leben zu führen, aber man muss es sehen und es auch beachten.
Die Arbeit liegt immer in Dir, nicht am Umfeld, nicht an anderen Menschen.
Die Hinwendung zur Musik ist sicher gut, denn Du kannst ungeahnte Talente entdecken und wieder Farbe ins Leben bringen. Das hilft, aber das eigentliche Problem bist du selbst. Und da musst Du ansetzen.
Natürlich ist nicht jeder Tag eitel Sonnenschein, aber insgesamt hat sich meine Lebenssituation verbessert. Ich brauche weder umzuziehen noch mich beruflich umzuorientieren noch einen neuen, anderen Partner. Es ist gut wie es ist, vielleicht nicht sehr gut, aber gut.
Es gibt für derlei Prozesse keine "Gebrauchsanweisung'", aber es hilft, sich mit sich zu befassen und zu sich selbst eine bessere Einstellung zu fiinden. Damit sieht man nämlich auch sein unmittelbare Umwelt wieder anders an.