Lieber Silos,
versteh mich bitte jetzt nicht falsch, aber wenn du dich dich gegen alle Optionen, die du hast, sperrst und weiter an den Optionen, die dich in Jahren nicht weiter gebracht haben, klammerst, kann es nicht besser werden.
Bildlich gesprochen: Du hast einen nekrotischen Zeh jahrelang mit Globuli behandelt, obwohl er hätte amputiert werden müssen. Mittlerweile ist das Bein bis zur Wade abgestorben, aber du hoffst immer noch, wenn du nur dick genug Betaisodona drauf schmierst, lässt sich der Vorgang umkehren, weil eine Amputation keine Option für dich ist.
Du willst dies nicht, du willst das nicht, du willst jenes nicht. Deine Liste an Ausreden ist lang, nur um nicht ins Handeln zu kommen. Das sagt mir: Du willst gar nichts ändern. Du willst nicht loslassen, was dich kaputt macht.
Vielleicht aus Angst vor der Veränderung. Vielleicht aus Angst vor dem, was ans Tageslicht kommt, weil du glaubst, es sei zu schmerzhaft. Vielleicht weil du glaubst, wenn du loslässt, bist du ganz allein.
Nur, du "musst" begreifen, wenn du dich weiterhin weigerst, hinzusehen, wovor du Angst hast, was dich lähmt, wird alles so bleiben, wie es ist. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Es ist offensichtlich, dass es nicht um diese Frau an sich geht, sondern dass sie lediglich eine Projektionsfläche ist. Das mag sich für dich nicht so anfühlen, weil dein Hirn dir vorgaukelt, dass die Erfüllung deiner Sehnsüchte an ihr, und ganz allein an ihr, gekoppelt ist. Aber das ist nur eine Fata Morgana, die du aufrecht erhältst, weil du es dir nicht eingestehen willst. Denn dann...ja, was wäre dann?
DA solltest du hinschauen. Und mithilfe von geeigneten Therapeuten erforschen, welche Szenarien aus der Kindheit du mit deinem Nicht-Loslassen wollen immer und immer wiederholst.
Du sagst, am Weggang deines Vaters kann es nicht gelegen haben. Daran allein vielleicht nicht. Aber am folgenden Umgang damit.
Ich spinne das einfach mal weiter. Es muss nicht genau so gewesen sein. Es ist nur ein Beispiel, damit du verstehst, dass nicht die Situation selbst der Grund dafür ist, sondern der Umgang damit: Möglicherweise war deine Mutter nach der Trennung völlig überfordert mit der Erziehung eines Kindes. Hat dich schreien lassen, weil sie in ihrem Schmerz nicht in der Lage war, sich ausreichend um dich zu kümmern. Vielleicht hat sie dir -bewusst oder unbewusst- vermittelt, wenn du dich gewesen wärst, wäre dein Vater nicht gegangen. Vielleicht hatte sie auch die Erwartung, dass du sie nach der Trennung glücklich machst. Aber niemand, und schon gar nicht ein Kind, kann jemanden glücklich machen, wenn man im Inneren ein Fass ohne Boden ist. Vielleicht hat sie dir ein Leben lang aufs Brot geschmiert, dass du genau wie dein Vater bist..
Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die dazu geführt haben könnten, die Muster, die du jetzt zeigst, zu entwickeln. Deine abgrundtiefe Sehnsucht nach Nähe und Liebe, die du bei der völlig falschen Person zu stillen versuchst, hat eine Ursache. Und so lange nicht du nicht erkennst und auch nicht erkennen willst, dass deine Ex nicht der Heilbringer ist, für den du sie hältst, wirst du in dieser Spirale gefangen bleiben.