Mein ...,
nun ist es soweit und ich kann dir endlich richtig sagen, wie es mir geht. Da das nicht so leicht ist und für mich sehr unangenehm, dass es mir so geht, schreibe ich es auf. So gehe ich sicher, dass ich die richtigen Worte finde. Danach können wir darüber sprechen.
Ich fühle mich innerlich absolut leer. Ich fühle kaum etwas. Jede Entscheidung überfordert mich. Ich würde gerade einfach am liebsten alles von mir abstreifen und alle Aufgaben, Termine, Verpflichtungen, einfach alles wegschieben und nichts müssen. Einfach nur Schlafen, Laufen, Baden und wieder ins Bett gehen. Ich habe zu nichts Lust.
Gleichzeitig ist mein Kopf unaufhaltsam. Er bewertet alles, dreht sich im Kreis. Zerdenkt alles! Aber er kommt zu keinem Ergebnis. Sei es das Studium, ja nein vielleicht. Sei es ein „richtiger“ Job, ja nein vielleicht. Sei es … Mein Vision Board und alles in der Zukunft kommt mir wie eine Bedrohung und wie ein Druck vor, etwas was mich unter Druck setzt. Gleichzeitig will ich voran kommen, aber ich trete auf der Stelle, laufe immer wieder gegen die gleiche Wand. Entscheidungen knocken mich total aus. Gleichzeitig versuche ich sie zu treffen, dann zerdenke ich wieder alles und so geht es ununterbrochen weiter.
Du weißt ja, dass es mit ... langer Krankheit langsam losging, ich dann vor Weihnachten so unschlüssig war… durch die Auszeit konnte ich nochmal so viel nachdenken und hatte den Anspruch an mich wieder in eine positive Energie zu kommen, weiter Energie und Aufmerksamkeit in unsere Beziehung zu bringen und das Leben leichter zu gestalten, damit es uns allen besser geht.
Ich habe überlegt, was von unserer Beziehung wäre noch da, wenn wir nicht den Alltag hätten? Die Pflichtaufgaben, die To-dos, die Probleme und das Lösen derer? Was wäre da noch? Bzw. was ist da noch? Ich wünsche mir, dass wir das beide mal betrachten. Und ich wünsche mir auch, dass wir unsere Beziehung auf Platz eins setzen.
Ich merke auch, dass ich das derzeit gar nicht kann, weil es mir gerade so schlecht geht, ich mich so leer fühle und das fühlt sich einfach ganz schrecklich an! Ich habe richtig Angst und fühle mich hilflos und allein. Und ich erinnere mich, dass es mir in regelmäßigen Abständen schon mal so ging. Ich schäme mich auch so sehr! Lieber hätte ich ein gebrochenes Bein oder Arm oder etwas Handfestes.
Die Wochenbett Depression mit ... in ..., die Zeit in der ... Ausbildung im Sommer, als ich ... abstillte, die Zeit vor und nach den Treffen mit dem AM in ..., als ... Ängste bekam, zuletzt fing es wieder ganz schleichend an, als ... über sechs Wochen krank war.
Und ich schäme mich so. Ich wäre am liebsten weg, ich würde gern vor mir selbst weglaufen und gleichzeitig will ich es annehmen und angehen, aber das ist so schwer und so schrecklich.
Ich habe auch das Gefühl keine eigenständige Person zu sein. Keine Identität zu haben. Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus?
Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin nicht das, was gefühlsmäßig innen drinnen in mir los ist. Dass ich fremdgesteuert werde, aber raus aus meiner Haut kann ich auch nicht. Ich weiß, dass richtiggehende Persönlichkeitsveränderungen an mir erarbeitet werden müssten. Und das überfordert mich gerade so. Vielleicht muss es auch eine Familienaufstellung oder eine körpertherapeutische Sitzung sein, damit ich den ganzen Schmerz durchfühle und dann ablegen kann. Aber egal, was ich denke, es ist zu viel für mich. Ich kann gerade nur Nebel sehen und wenn ich meine Hand ausstrecke, sehe ich sie nicht mal mehr vor meinen Augen. Ich kann nur ganz kleine Schritte machen.
Ich wollte dir sagen, dass mir klar ist, dass die Sache mit dem AM ein Muster ist. Es gibt Menschen die das Gefühl benötigen sich anstrengen zu müssen, um geliebt und begehrt zu werden. Dazu gehöre ich. Ich will mich immer anstrengen und deshalb ist auch alles so anstrengend für mich. Ich selbst liebe mich vermutlich nicht aufrichtig genug. Ich brauche also den Kontakt zu AM, um mich immer anstrengen zu können. Mein Kopf weiß das, mein Herz macht das irgendwie ganz automatisch. Es ist, als könne ich mir von außen zugucken. Ich weiß, dass ich dir damit immer wehgetan habe. Und ich wollte dir sagen, dass ich das nicht wollte und nicht mehr will! Es tut mir sehr leid! Ich will dir nicht wehtun. Ich habe die Nummer wieder aus meinem Handy gelöscht und mir fest vorgenommen den Kontakt nicht zu suchen, keinen Status zu gucken und mich darauf zu besinnen, dass es nur dieses Muster ist.
Ich habe mir die ganze Zeit so gewünscht, dass es wieder leichter wird zwischen uns. Und es gab so schöne Momente, die mir Hoffnung gegeben haben. Gerade weiß ich nicht, wie ich mich selbst wiederfinden kann. Ich habe das Gefühl, ich müsse mich darauf konzentrieren. Ich würde es gern mit dir gemeinsam schaffen. Ich wünsche mir das auch sehr! Gerade weiß ich nur nicht wie...
Herr... hat so recht und du auch, mein Rucksack ist so schwer.