Zitat: Ich lese hier zwischen den Zeilen zumindestens die Frage nach der Qualität der Ehe
Was genau meinst Du damit? Darüber denke ich nämlich zur Zeit auch viel nach.
Was mich zumindest manchmal irritiert ist, dass ich nie richtig in meinen Mann verliebt war. Es war von Anfang an ein sehr schönes, aber auch sehr ruhiges Gefühl. Die Zeit, als wir uns kennengelernt haben, war auch zusammen mit der Zeit mit unserem ersten Neugeborenen die schönste Zeit meines Lebens. Aber Schmetterlinge im Bauch hatte ich keine; er schon. Dabei bin ich schon öfter verliebt gewesen, ich habe mal durchgezählt und bin auf sechs Mal gekommen
🙃 . Davon vier Mal, während ich mit ihm zusammen war.
Eigentlich messe ich diesem Gefühl keine so große Bedeutung bei, ich mag den Zustand, verliebt zu sein, auch nicht besonders (finde es irgendwie zwar sehr schön, aber auch fast krankhaft
😅) und mindestens einer der Männer, in die ich verliebt war, hatte auch einen richtig miesen Charakter und eine Ausstrahlung, mit der ich mich gar nicht wohl gefühlt habe.
Ich hatte mal im Buchladen ein Buch über Partnerschaft in der Hand, da stand im Klappentext "Es muss schon richtig knallen, wenn man den Partner fürs Leben kennenlernt." Ich war so schockiert, dass ich es direkt weggelegt habe. "Muss" es das denn?
Das schöne Gefühl vom Anfang ist leider nicht mehr da. Ich habe aber schon noch Gefühle für meinen Mann und merke auch, dass die besonders dann da sind, wenn wir etwas zusammen machen, wenn ich mich ihm mehr zuwende. Das ist sicher auch sehr zu kurz gekommen in den letzten Jahren mit kleinen Kindern und Hauskauf und viel Arbeit. Den Hauskauf betrachte ich im Nachhinein als Fehler, denn dadurch müssen wir so viel arbeiten, am Haus und für Geld (ich arbeite 30 Stunden pro Woche, mein Mann 40), dass wenig Zeit für uns bleibt. Wir haben auch keine Familie, die uns die Kinder mal abnehmen könnte bzw. wollte.
Was uns auch belastet hat, ist die lange Kinderwunschzeit (ca. sechs Jahre). Natürlich ist das auch fürs Thema entspannter Sex nicht gerade förderlich. Dadurch sind wir relativ spät Eltern geworden und ich habe lange mit dem "Schicksal" gehadert, war also auch allgemein keine gute Zeit.
Ich glaube also, dass noch Luft nach oben ist, dass es möglich ist, wieder mehr zusammen zu kommen.
Zumindest theoretisch habe ich über das Thema Trennung in den letzten Wochen allerdings schon nachgedacht. Aber ich will das nicht. Da sind zuerst mal die Kinder. Bei uns ist keine schlechte Atmosphäre, in der sie unglücklich wären (meine ich zumindest und scheinen Andere auch zu meinen). Ich glaube, dass sie glücklicher aufwachsen, wenn wir zusammen bleiben. Ich selbst würde bei einer Trennung die Basis fast meines kompletten Erwachsenenlebens verlieren. Mein Mann hat vor 10 Jahren, als die Geschichte mit dem anderen Mann war (das war der mit dem miesen Charakter), die Koffer gepackt und ist erst mal weggefahren. Mir war da, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen, es war ungleublich schlimm. Daher glaube ich, dass ich mir im Moment nicht mal ansatzweise vorstellen kann, was eine Trennung wirklich bedeuten würde.
Ich suche deshalb einen anderen Ausweg.
Ehe öffnen kommt für meinen Mann nicht in Frage (hat er selbst vor Kurzem noch thematisiert) und ich befürchte auch, dass das in unserem Fall eher der Anfang vom Ende wäre.
Man sagt ja immer: "Nehmen Sie sich Zeit für sich" (damit meint man dann das Paar). Jetzt wird das langsam überhaupt erst wieder möglich. Dieser Spruch hat mich lange Zeit sehr geärgert. Woher soll ich denn Zeit nehmen, wenn mein Leben einfach nur Plackerei ist und wir ziemlich auf uns allein gestellt sind?
Mit einfach nur Zeit nehmen ist es aber auch nicht getan. Ich würde mir sehr etwas Bewegung von meinem Mann wünschen, fürchte aber, dass da mein Einfluss begrenzt ist.