Zitat von Isely:Viel habe ich ich nicht behalten, nur dass die ganze Affäre im Traum schon 1 1/2 Jahre her war und ich mich gewundert habe warum es mir noch immer nicht besser geht. Ist das ein schlechtes Zeichen?
Pampelmuse, was für eine Frage! Das ist todsicher ein ganz, ganz schlechtes Zeichen! Wie kannst Du das nur in Frage stellen?
Träume können einem durchaus was mitteilen, vor allem, wenn sie in besonderen Zeiten auftreten und man sie sich merken kann.
Da sind sie meiner Ansicht nach deutliche Zeichen aus dem Unterbewusstsein, das mit etwas beschäftigt ist.
Dieser Traum könnte Dir auch sagen, dass es jetzt so lange her ist und es daher an der Zeit ist, innerlich los zu lassen. Das ist ja genau das Thema, das Dich umtreibt, denn immer wieder musst Du die Affäre aufs Tablett bringen. Das ist schon oft zwanghaft, scheint mir. Da Du erkannt hast, dass das oft dann auftritt, wenn Ihr es beide schön hattet, könnte es sich tatsächlich um ein inneres Heimzahlen gehen. So, als ob Du ihm es noch nicht vollumfänglich gönnst, wenn er Spaß und Freude am Leben hat. Du könntest den Spaß auch haben, aber dann drehst Du oft den Spieß um und bestrafst damit ihn, vor allem aber auch Dich selbst, denn das Loch ist tief und schwarz und zieht Dich immer noch weiter runter.
Die ständigen Zweifel sind auch hausgemacht. Du bist innerlich noch immer so verunsichert, dass Du innerlich Unrat witterst und alles abwägst und überprüfst. Selbstverständlich wird das von Dir auch immer negativ interpretiert. Auch wenn Dein Mann diese Affäre hatte, so besteht doch jetzt kein Anlass mehr, alles anzuzweifeln. Noch dazu, weil er wirklich fair und bemüht ist. Und auch ehrlich! Auch wenn Dir eine ehrliche Aussage nicht immer gefällt, so ist sie doch besser als eine Lüge. Du willst ja Ehrlichkeit, aber dann musst Du sie auch aushalten können.
Also stelle solche Fragen, mit deren Antworten Du auch leben kannst. Wahrheit muss man aushalten können, das ist so.
Wie süß von ihm, als er Dich fragte, ob Du denn nicht fühlst, dass er Dich liebt! Das ist so typisch Mann. Die Frau wartet immer auf Worte, die Liebe und Zuneigung eines Mannes aber zeigt sich in Taten. Daher musst Du die Taten anschauen und nicht nach Worten suchen. Männer sind ganz anders als Frauen. Frauen wollen immer über alles reden (ich bin da allerdings eine Ausnahme) und zerreden oft manches, was ein Mann meist nicht verstehen kann. Der fragt sich dann irritiert, merkt sie denn nicht, dass ich ihr und uns was Gutes tun will?
Mein Mann z.B. weckt mich jeden Morgen zuverlässig auf, egal wann ich raus muss. Ich bin ein altes Murmeltier und komme morgens schlecht in die Gänge. Aufstehen ist eine Qual, frühes Aufstehen ist noch schlimmer. Auch wenn ich mal um fünf raus muss, weckt er mich, kocht mir meinen Tee und bäckt mir meine Semmeln auf oder er schneidet mir das Brot. Wenn ich mit dem Zug auf Dienstreise muss, fährt er mich zum Bahnhof. Fraglos. Er müsste das nicht tun, aber er macht es, weil er alles für mich tut. Naja, nicht alles, aber vieles. Da brauche ich keine Liebesschwüre, ich sehe es auch so, dass da ganz viel Liebe und Fürsorge im Spiel ist.
Ich bedanke mich auch oft und sage dann, dass es keinesfalls selbstverständlich ist, dass ein Mann das tut, vor allem wenn er nicht mehr arbeiten muss.
Würdige doch mal seine Bemühungen! Anstatt sie in Zweifel zu ziehen (das tut er garantiert nur, weil er ein schlechtes Gewissen hat, aber ich weiß es besser und durchschaue es!), bemerke sie und bewerte sie positiv. Der Mann strampelt sich ganz schön ab, aber das merkst Du nicht.
Was Deine Therapeutin gesagt hat, hat mir auch mein PT damals gesagt. Wir leben das nach, was wir kennen und die meisten Verhaltensweisen haben ihren Ursprung in der Kindheit. Das habe ich bei mir auch bemerkt. Ich wuchs in stabilen Verhältnissen auf und hatte gute Eltern, denen ich alles andere als egal war. Aber dennoch habe ich Verhaltensweisen meiner Mutter gegenüber meinem Vater abgeschaut und in mein Leben übernommen, natürlich vor allem die schlechten.
Und mein mangelndes Selbstwertgefühl, an dem ich seit Jahren jetzt doch erfolgreich arbeite, hat meinen Ursprung in der Kindheit. Meine Mutter war oft etwas unberechenbar und mal so und mal so. Da ich oft nicht wusste, wie sie auf etwas reagieren würde, war ich innerlich oft ängstlich und unsicher. Und da ich oft auch nichts recht machen konnte, machte ich mich selbst schlecht. Die inneren Monster verfolgten mich fast mein Leben lang.
Dass ich damit aufhörte, mich von meinen destruktiven Selbstbewertungen abzulösen, verdanke ich letztlich meiner Affäre. Durch ihn wurde mir bewusst, wie ich in Beziehungen vorgehe, wie ich mein Repertoire an Verhaltensweisen immer wieder abspule und es nicht merke. Merken tat ich nur das Leid, was mir das bescherte. Dass da viel an mir lag, begriff ich erst viel später, als ich die Beziehung ohne Emotionen betrachten konnte. Und er brachte mich auch darauf, dass ich dazu neige, mich selbst negativ zu sehen und mich in Zweifel zu ziehen.
Da verdanke ich ihm sogar viel, obwohl er sonst ein Drecksack war. Aber gerade er, der mich so beutelte, hat mir im Endeffekt einen großen Dienst erwiesen.
Dass vieles bei Dir auch in der Kindheit begründet liegt, glaube ich auch. Du hast es nur noch nicht gefunden. Manchmal will man es auch nicht finden, weil man sich dann unsolidarisch und undankbar den Eltern gegenüber fühlt, weil die doch so viel für einen getan haben. Ja, sie haben viel getan, sich gesorgt, uns versorgt, gestützt und gefördert. Aber auch sie waren letztendlich Opfer ihrer inneren Mechanismen, die sie abspulten. Dankbar sein, aber auch die Realität sehen, das muss man dann eben aushalten. Dann kann man auch Rückschlüsse auf sich selbst ziehen.
Nur wenn Du unbewusste Mechanismen auf die bewusste Ebene holst, hast Du irgendwann die Chance, besser damit um zu gehen. Sie müssen Dich nicht drangsalieren, es ist dann auch Deine Wahl.
Das Glas ist halb voll oder halb leer und das ist schon wieder mal gaaanz schlecht. Die Sichtweise darauf ist dann Deine Wahl.
Immerhin kennst Du die Monster. Ich sehe sie direkt vor mir. Sie werden ihre Macht verlieren und dann geben sie auch Ruhe, weil sie ihren Adressaten nicht mehr finden.
Begonie