Hi Tara! Dein Thema interessiert mich, weil ich selbst mal eine Affäre hatte und deine Gedankengänge gut nachvollziehen kann. Auch bei mir endete es im Chaos. Eigentlich war die ganze Affäre höchst unbefriedigend für alle beteiligten. Dennoch verstehe ich heute sehr gut, warum und wie mir das "passieren" konnte. Auch meine Ehe war damals in eine Sackgasse geraten. Wie das eben so ist. Wir hatten ein Haus gebaut, Kinder großgezogen, die Karriere voran gebracht und uns um alles mögliche gekümmert, nur nicht um uns und unsere Beziehung. Ich fühlte mich damals total ausgelaugt, von meinem Mann unverstanden und wertlos. Vor allem als Frau. Ich lernte dann meinen Affärenmann kennen und verliebte mich sofort. Er schien alles zu bieten, was mein Mann nicht hatte. Er war gutaussehend, charmant, witzig und warmherzig. Als er anfing mit mir zu flirten, war es schnell um mich geschehen. Ich war quasi Wachs in seinen Händen. Doch eigentlich kannte ich ihn gar nicht. Nicht wirklich. Ich sah nur das, was er mir zu bieten schien. Er war die perfekte Projektionsfläche für alle meine Wünsche und Bedürfnisse, die viel zu lange schon brach lagen. Also schlitterte ich nicht in diese Affäre sondern rannte mit fliegenden Fahnen hinein.
Ich träumte von einem gemeinsamen Leben und er nährte diese Träume durch gelegentliche, unbedachte Äußerungen. Doch eigentlich, blieb er auf Abstand. Immer! Sogar im Bett, wenn ich heute so darüber nachdenke. Nach dem Akt z.B. stand er immer sofort auf und musste gehen oder schickte mich fort. Je nachdem wo der Sex stattgefunden hatte. Von sich aus meldete er sich auch nur, wenn er gerade mal Lust hatte. Nach einem Treffen vergingen oft Tage oder Wochen, in denen ich nichts von ihm hörte. Eigentlich alles Warnsignale, die ich in meinem Wahn übersah, bzw. übersehen wollte. Er war ganz offensichtlich nicht in mich verliebt. Den Grund dafür erfuhr ich dann ein Jahr später. Es war, wie sollte es anders sein, eine andere Frau. Eine, in die er sich schon lange vor mir verliebt hatte, die besser zu ihm und für seine Bedürfnisse zu passen schien und die er schon sehr lange kannte. Wegen ihr machte er eines Tages per Whatsapp mit mir Schluss. In einer betont knapp gehaltenen Nachricht, "entsorgte" er mich und blockierte mich sofort danach. Die Verletzung war riesig.
Ich fühlte mich wieder klein, wertlos, schmutzig und noch dazu schuldig gegenüber meinem Mann und meinen eigenen Moralvorstellungen. Mein ganzes Selbstbild war sozusagen in Trümmern.
Heute sind viele Jahre vergangen und es geht mir bzw. uns wieder gut. Es gelang meinem Mann und mir, unsere Ehe zu retten. Frag nicht, wieviel Kraft, Schweiß und Tränen uns beide das gekostet hat. Es war ein sehr langer, schwieriger Prozess, der uns sehr viel abverlangt hat und den wir ohne therapeutische Hilfe sicher nicht geschafft hätten.
Ich bereue das alles in sofern, als ich genau weiß, welche tiefen Wunden ich meinem Mann zugefügt habe. Für mich selbst war diese Erfahrung aber sehr heilsam. Ich habe viel über mich gelernt und auch darüber, wie Beziehungen funktionieren und wie eben nicht. Diese Affäre war keine Liebe. Sie hatte nicht im Entferntesten etwas damit zu tun. Sie war eine Lüge aber eben eine, die damals die Löcher in meiner Seele zu füllen schien.
Ich habe lange gebraucht mir zu verzeihen. Viel länger als mein Mann.
Den Affärenmann habe ich seitdem ein paar mal flüchtig gesehen. Im Vorübergehen sozusagen. Einmal hat er mich wohl auch wahrgenommen, ist aber grußlos an mir vorbei. So, wie ich an ihm. Ich vermeide aber bis heute so gut wie möglich alle Orte, an denen die Gefahr besteht, auf ihn zu treffen. Einerseits würde ich ihn gerne nochmal sprechen, um ihm zu sagen, was das alles mit mir gemacht hat. Ich denke aber, er hätte dafür kein Verständnis und auch kein Interesse. Das verübele ich ihm nicht. Er lebt halt in seiner Welt, so wie ich in meiner. Wir hätte niemals zusammen gepasst.
Ich habe mit ihm und mit mir meinen Frieden geschlossen. Es gibt nichts zu verzeihen, jedenfalls nicht für mich. Insofern kann ein zufälliges Zusammentreffen nur so ablaufen, wie es unserer heutigen Beziehung entspricht, neutral, grußlos und unspektakulär. Ich denke, genau so wird es bei Euch ablaufen. Ich hoffe, du wirst damit zurecht kommen. Sollte da noch irgendetwas pieksen, schau genauer hin. Es sind dann mit Sicherheit noch unbearbeitete Aspekte da, die sich allerdings nur in deinem Kopf abspielen. Er hat mit dir und deinen Befindlichkeiten nichts mehr zu tun. So nah ihr euch vielleicht einmal ward, heute seid ihr Lichtjahre voneinander entfernt. Diese Erkenntnis könnte vielleicht noch einmal weh tun. Aber das sind nur Narbenschmerzen. Sie vergehen innerhalb weniger Tage. So wie alles im Leben!