Zitat von angel09:Also, ich finde es, für meinen Geschmack, etwas zu euphorisch, wie über Affären gesprochen wird. Affären hatten sicherlich für die Männer einen Nutzen. Vielleicht hatte die AF nicht so eine große Bedeutung.
Die Affären sind vielleicht wachrüttler. Aber das Kosten - Nutzen- Verhältnis ist da wohl nicht im Gleichgewicht. Besonders weil die EF vorerst ohne ihr Wissen, einen Großteil der Kosten trägt.
Man soll sich doch nicht vormachen, dass die AF keine Bedeutung hatte. Ist vielleicht bei reinen S. - Affären so. Weiß ich nicht. Aber gerade, weil sie in Lücken der Bedürftigkeit springen oder gezogen werden, haben sie sehr wohl eine Bedeutung.
Ich konnte lange nicht akzeptieren, dass das so ist.
Ich habe auch nach wie vor nicht den Anspruch 100% immer in meiner Beziehung funktionieren zu müssen. Da gebe ich auch ganz viel Verantwortung zurück an meinen Mann. Ich kann einfach nicht alles erfüllen. Damit ist wohl jeder überfordert. Mein Mann muss lernen auf eine angemessene Art für sich zu sorgen. Aber eine Affäre ist und bleibt nicht angemessen.
Nein, es geht nicht um euphorisch. Was soll an einer Affäre schon toll sein. Es ist ein Dreck (für die EF). Ein Haufen Sche. egal wie lange und worum es ging. Es ist nichts worauf irgendein AP stolz sein kann. "Stolz" (mir fällt gerade kein anderer Ausdruck ein) kann man nur auf das sein, was man daraus macht und den Part übernehmen die Ehepartner, nicht die AP's.
Angemessen? Natürlich ist es letztlich nicht angemessen. Mein Mann und ich habe vereinbart, dass wir früher reden, wenn sich was in der Richtung anbahnt. Klar, haben wir das letztlich auch davor schon gemacht. Aber es geht nicht darum, ob es angemessen war, sondern wirksam. Bei meinem Mann war die Affäre "wirksam" hinsichtlich seiner Themen. Und da gab es einige die zum Teil mit unserer Beziehung zu tun hatten, viel mit seinem Leben und zum Teil auch mit unserer Geschichte. Er ist heute, durch die Affäre und Aufarbeitung ein besserer Mann an meiner Seite. Letztlich ist es eine Illusionär Ar. alles mit Tabletten oder geeigneter Therapie zu lösen ist. Manchmal muss das Leben zu schlagen, damit sich was tut in die richtige Richtung. Wir können es uns nicht immer aussuchen.
Natürlich haben wir alle das recht nicht perfekt zu sein und auch mal ein Tief in der Beziehung zu haben ohne dass der andere gleich fremd geht. Wäre schlimm, wenn es so nicht wäre. Dann hätten wir alle ziemlichen stress und Druck, wären letztlich erpressbar. Würd mein Mann mir vermitteln, dass er mich nur behalten will, wenn ich dies oder jenes tue, dann wäre ich weg. ich will frei sein und aus Liebe geben. Aber genau so hat er sich gefühlt, unfrei, da abhängig von mir.
Für mich ist es so: dass unsere Beziehung zu dem Zeitpunkt nicht in Ordnung war lag an uns beiden. Dabei wirkten aber auch Dinge, die gerade durch die Affäre aufgearbeitet wurden. Mein Mann konnte z.B. nicht erkennen (wie bei Vegetari) was er mir bedeutete und dass er, aus meiner Sicht, Augenhöhe mit mir hatte. In all den Jahren habe ich versucht es ihm zu vermitteln, aber es kam nicht an. Jetzt weiß er es und das tut uns gut. Natürlich kann ich sauer sein. Etwas was da war, konnte er nicht sehen und ich trage die Kosten dafür, für sein Unvermögen. Aber ich will meinen Mann nicht darauf reduzieren. Sein "Unvermögen" hat uns/ mir auch viel gebracht in einem anderen Kontext. Ich kann mir doch nicht die Rosinen raus picken.
Der Zustand der Beziehung ermöglichte ihm eine Affäre zu haben (nicht genug Nähe, etc.). Dass er dies selber mit verursacht hat, konnte er nicht sehen. Ich sage ihm heute Dingen die er heute versteht. Aber davor sind sie bei ihm abgeprallt. Heute haben wir die Nähe, die er damals vermisste. Aber das weniger, weil ich was geändert habe, sondern weil er heute empfänglicher ist. Ist auch blöd. Ich musste leiden und kämpfen, damit er endlich sehen und spüren kann. Mein Leid war der Preis für die Nähe.
Die Affäre selber hat wenig mit mir zu tun. Da wurden seine Themen aufgearbeitet. Die Wahl der AF war stark daran gekoppelt. Sie musste bestimmte Kriterien erfüllen, allerdings auch nur wenige. D.h. es ging nicht um den Menschen, sondern um diese Kriterien, quasi wurde eine Rolle vergeben. Es ging auch nicht um die Nähe, die man hat, wenn man liebt, sondern eine Illusion, einen Film. Mein Mann vergleicht es mit WestWorld.
Wie mein Mann gestern sagte, natürlich ist es mies, wenn man eine Affäre eingeht. Statt sich mit dem Partner auszutauschen über die eigenen Bedürfnisse und die des Partners, um da eine gemeinsame Lösung zu finden, hat er sich eine AF gesucht die nur seine Bedürfnisse befriedigte. Er musst ja nicht auf sie eingehen. Sie war nur für ihn da. Praktisch und einfach. Aber das ist keine Beziehung und keine wirkliche Lösung. Ist mies und nicht okay. Aber manchmal muss man egoistisch sein um sich selbe überhaupt zu spüren.
Die "Kür" ist die Aufarbeitung und da brauchen uns unsere Männer. Ja klar, wir gehen durch die Hölle. Welche Wahl haben wir? Alles hinschmeißen? Verharren oder annehmen? Unfair, dass wir da reingeraten sind und nicht gefragt wurden.
Was wäre die Alternative zur Affäre? Dass es so wie es war weitergegangen wäre? Dann hätten wir uns entweder getrennt oder dahinvegetiert. Mindestens auf Seite des Affärengängers muss doch ein erheblicher druck gelastet haben, sonst hätte er diese Hürde nicht überwunden. Vielleicht hattest Du oder ich nicht diesen Druck. Aber muss das nicht auch gewürdigt werden? Ist es denn fair von uns zu fordern dass sie sich hätten zusammenreißen und andere Wege begehen sollen. Einfach so, nur weil es für uns damals so okay war? Mein Mann hat vieles vorher ausprobiert. Und aus irgendeinem Grund habe ich die Affäre ja vorhergesehen, lange bevor er dazu kam.
Manchmal ist das Leben einfach unfair und brutal. Aber wir entscheiden jeden Tag für uns, ob wir das, was passiert ist annehmen oder nicht. Manchmal brauchen wir mehr Zeit etwas anzunehmen, manchmal geht es schneller. Aber der Blick auf das, was sich zum Guten gewendet hat, hilft dabei. es hilft auch zu verstehen, warum es nötig war. Und was am Ende übrig bleibt liegt an uns. Je mehr ich abwäge und den Preis betrachte, desto wenige bleibt übrig.
Es ist meine Entscheidung und ich habe mich entschieden (entscheiden können).