juliet
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danke für diesen thread.
also meine extremen ängste habe ich - das muss ich ehrlich eingestehen - nicht aus eigener kraft vollends bewältigt.
ich war am anfang total "lebensunfähig", weil auch ich feststellen musste, wie gern ich mich in eine weitreichende abhängigkeit begeben habe.
zb alles finanzielle, versicherungen, morgens tee kochen, brot schmieren etc - so allerhand kleinigkeiten hat er immer liebend gern für mich gemacht und ich - ja, ich hab's liebend gern angenommen!
und von einem tag auf den anderen hat er mir gesagt (ohne jede ankündigung), "ich kann nicht mehr mit dir leben, ich bin sozusagen von einem Tag auf den anderen von einer Klippe gestürzt, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie da ist "
soso
Von der Affäre, die er im Hintergrund hatte, wusste ich da nichts, und habe es auch erst drei Monate später erfahren.
jedenfalls- Von dem Moment an hat er diese ganzen "verwöhnaspekte", die er tatsächlich bis zum crashtag minus 1 beibehalten hatte, eingestellt . und natürlich auch seine liebe, seine freundschaft, loyalität etc. etc zurückgezogen.
heute muss ich fast schmunzeln, wie sehr ich da auf die Fresse gefallen bin.
nein, es tat entsetzlich weh u ich musste plötzlich ganz allein zurechtkommen.dazu kam bei mir noch, dass er mir massive Schuldgefühle gegeben hat, indem er die komplette " Schuld" für unser Scheitern auf meinen schultern abgeladen hat.
also ich war absolut handlungsunfähig am anfang - wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte.
alles war übermächtig und überhaupt nicht zu bewältigen für mich- da waren sogar alltagsdinge wie "wie mache ich das mit der steuererklärung" total angsteinflössend!
natürlich habe ich dann Monate um ihn / uns gekämpft, und versucht, die unvermeidliche Trennung zu vermeiden.
nach und nach hab ich mir dann hilfe gesucht. . und letztendlich auch losgelassen.
ich habe mir dann eine Liste gemacht eine der Sachen, die ich regeln muss. Und habe mir überlegt, wie ich es machen kann, beziehungsweise wo ich Hilfe bekommen könnte.
dann hab ich mir eine bleibe gesucht hat u mir diese- mit viel hilfe- schön gemacht.
das hat die angst vor dem "leben" an sich reduziert, aber die dumpfheit. der schmerz wegen des verlustes , den ich erlitten habe, die schuldgefühle--- das blieb in mir!
meine eltern haben mit SEHR zur seite gestanden.
insbesondere meine mutter, das werd ich ihr nie vergessen. . wie oft ich mich bei ihr ausgeweint habe. krass!
nichtsdestotrotz - der schmerz . ich bin nicht dazu gekommen zu erfahren, wie es damit weitergegangen WÄRE.
ich muss ehrlich zugeben, dass ich beinahe kapituliert hätte. nur soviel: ich wollte einfach nicht mehr.
also bei mir hat es sich erst dann gelöst, als mein mann direkt nach meinem auszug zu mir kam u mir dann den wahren grund für sein verhalten nannte- eine affäre, die schon ein halbes jahr dauerte.
im dem moment war mein lähmendes schuldgefühl mit einem schlag weg und ich kam wieder an meine resilienz heran.
im ersten moment - erleichterung, lachen, verständnis!
im zweiten moment (als ich erfuhr, wer sie war) - unermessliche wut.
die wut kam immer mal wieder, massive flashbacks in den ersten monaten, seit etwa oktober 2016 kaum noch / keine erwähnenswerten flashbacks.
es besteht auch keinerlei kontakt mehr zu der AF, weder von seiner noch von meiner seite.
könnte ich auch nie mit umgehen, das gebe ich zu.
ist auch iO für mich- ich darf auch schwächen haben!
das vertrauen zu meinem mann habe ich wieder aufgebaut. es ist nicht mehr so grenzenlos wie vor dem crash. eher gesünder. realistischer. erwachsener?
ich bin auch jetzt wieder ein stück abhängig geworden, wenn ich das so sagen kann- allerdings ist es mir bewusst und ich behalte den überblick.
diese erfahrung hat mich gelehrt, auf meine belange acht zu geben u mich nicht vollends auf einen anderen menschen zu verlassen.