Zitat von sunny35:Ich selbst bin auch AF. Aber ist es nicht von Anfang an klar worauf man sich bei einer Affäre einlässt?
Man läßt sich auf eine unverbindliche Spaßbeziehung ein, ja.
Es sei denn natürlich, Dein AM hat vom ersten Date an erklärt, daß seine Ehe restlos gescheitert sei und er in Trennung lebe - um dann Zug um Zug alles wieder zurückzunehmen und zu relativieren. Oder es sei denn, er hat Dir erst gar nichts von seiner Ehe erzählt (Doppelleben).
Zitat:Ja auch ich habe mich leider trotz alle dem verliebt. Aber das ist MEIN Problem. Nicht seins. ICH muss damit klar kommen.
Volle Zustimmung.
Zitat:Ich kann ihn nicht verurteilen oder ihm die Schuld geben.
Natürlich kann er nichts für die Bindungshormone, die mit der Zeit bei Dir ausgeschüttet worden sind. Darin stimme ich Dir zu.
Um "Schuld" sollte es bei Gefühlsangelegenheiten meines Erachtens generell nicht gehen - es sei denn, da kommt vorsätzlicher Betrug ins Spiel, siehe oben. Angesichts der fehlenden Planbarkeit und mitunter auch Kontrolle von Emotionen halte ich das für fragwürdig.
Allerdings hat der AM Augen zu
sehen und (hoffentlich) Empathie zu
spüren, wenn der
Spaßfaktor der Affaire
kippt, weil seine Geliebte sich verliebt hat und nun
emotional abhängig von ihm zu werden droht. Ein Mann mit Selbstbewußtsein wird sich spätestens an dieser Stelle höflich, aber bestimmt
verabschieden, um Dramaszenen zu verhindern. Dazu wird auch in "Seitensprungfibeln" regelmässig geraten - müßig festzustellen, daß es in der Praxis häufig anders läuft - aber eben
das ist der Grund und somit auch seine Teilverantwortung für das "Gellingen" einer Affaire (= Aufrechterhalten des Spaßfaktors, bis die Zeit gekommen ist, sie höflich, aber bestimmt zu beenden).
Ab hier
nimmt der Affairenmann das einsetzende und stetig zunehmende
Leid seiner Geliebten zumindest
bewußt in Kauf und nein - das ist
überhaupt nicht o.k., sondern einfach nur
schäbig. Wer sowas tut, nur um (s)eine
Komfortzone aufrecht- und sich (s)ein
Spielzeug zu erhalten (ginge es um die Anbahnung einer Festbeziehung, würde er ja Nägel mit Köpfen machen), der muß sich zumindest
mangelnde Mitmenschlichkeit und
Fürsorge vorwerfen lassen, auch wenn er zu letzterer
formal natürlich
nicht verpflichtet war und ist (es gibt kein Gesetz, das ihn dazu zwänge).
Der Punkt ist nur, daß solche Typen das gar nicht einsehen (wollen) - warum, ist letztlich egal - und daß es das Problem der Geliebten nun mal nicht lösen wird, wenn sie darüber jammert und dabei zugleich ihre eigene (Haupt-)veranwortung übersieht: Nämlich jene sich selbst gegenüber, die Du im Zitat auch völlig korrekt angesprochen hast.
Bei Licht betrachtet steht dahinter meist entweder Verlustangst, oder schlicht die Denke, man habe bereits so lange gewartet, gehofft und (faule) Kompromisse "investiert", daß man doch jetzt - vermeintlich 100 m vor dem "Ziel" - nicht einfach so "aufgeben" könne; womöglich werfe man sich sonst auf dem Sterbebett noch ernsthaft vor, diese "Chance" nicht genutzt zu haben...
Geliebte haben häufig eine hohe Leidensfähigkeit und das erklärt auch, warum sich unter ihnen beruflich erfolgreiche Frauen befinden, die im Job tatsächlich viel Selbstbewußtsein an den Tag legen und entsprechend akzeptiert sind. Allein: Die Karrriere ist eine Baustelle, wo andere Parameter (meß- und sichtbare Leistung) maßgeblicher sind als das, was viele Männer bei der Wahl einer Festpartnerin (letztlich) so bewegt.
Und das sind zumindest in Deutschland nach wie vor Vorstellungen, die zwar längst genauso hinter uns liegen sollten wie völkisches Denken, sich aber dennoch in vielen Köpfen gehalten haben. Und ich weiß nicht, welche Variante die üblere ist dabei: der sich dessen völlig bewußte und das entsprechend offen raushängen lassende Macho, oder der sich nach außen "locker" gebende Spießer, der nicht mal sich selbst eingestehen würde, daß er letztlich doch erleichtert ist, wenn sein Frauchen zumindest soviel weniger verdient als er, daß sie ehrfürchtig zu ihm aufschaut, wenn er ihr seinen Anteil aufs gemeinsame Haushaltskonto überweist.
Zitat:Vielleicht auch deswegen nicht, weil die Fronten von Anfang an geklärt waren.
Zu dieser Klärung gehört aber
auch, daß Affairen eigentlich beendet gehören, wenn einer von beiden sich so ernsthaft verliebt, daß die lockere Stimmung unweigerlich vor dem Kippen steht.
Wenn der AM von seiner Geliebten einfordert, sie möge sich an die klassischen Regeln einer Affaire halten, so müßte er mit gutem Beispiel vorangehen, indem er wiederum diesen Part erfüllt. Tut er das nicht, hat er die Affaire genauso in Frage gestellt - in ihrer Unverbindlichkeit nämlich - wie seine Geliebte, nur unter umgekehrten Vorzeichen.
Es wird also auch für ihn ein Schuh daraus und den würde ich ihm und - bei Bedarf - auch seiner Gattin offen ins Gesicht werfen, wenn er darauf rumreiten sollte, die Fronten seien doch geklärt gewesen. Immerhin könnte er ja genauso gehen, wenn es ihm nicht passt, daß die Affaire immer emotionaler wird und klammert, gell?
Tja...
