Hallo zusammen,
ich (w, 25) würde gerne eine Situation schildern und eine möglichst nüchterne Einschätzung bekommen. Mir geht es nicht nur darum, ob die Person noch Interesse hat, sondern auch darum, ob ihr in der Dynamik ungesunde Muster oder Warnzeichen erkennt, die ich vielleicht gerade übersehe und ob er vielleicht nur etwas Kurzfristiges als Intention hat, wäjrend ich nach etwas Langfristigem suche. Leider vermischen sich da Overthinking und Bauchgefühl miteinander.
Vorweg: Ich weiß, dass ich zu Overthinking neige und versuche deshalb bewusst, nicht jede Kleinigkeit zu dramatisieren. Gleichzeitig möchte ich meine eigenen Gefühle nicht einfach wegwischen. Deshalb suche ich eher eine Außenperspektive.
Vor 3 Wochen habe ich über eine Dating-Plattform jemanden (30) kennengelernt.
Unser erster Kontakt war zunächst sehr intensiv. Er schrieb ellenlange Nachrichten, quasi seine Biographie und stellte mir viele Gegenfragen. Sein 1. Kompliment war, wie "heiß" mein Lächeln wäre und dass es hart sein müsse, in meiner Haut zu stecken. Ich selbst war am Anfang zurückhaltender, weil es eine kleine Sprachbarriere gab und ich Angst hatte, mich nicht gut ausdrücken zu können.
Irgendwann sprach er meine geringe Initiative an und wollte seinen Profil entsprechend wissen, woran er war. Ich empfand das nicht als Druck, sondern eher berechtigte Grenze seinerseits. Nachdem ich erklärt hatte, dass es an der Sprachbarriere lag, wollte er sich anpassen. Ich schlug vor, dass wir in einem Date ja herausfinden könnten, wie wir zurächtkämen. Zwar stimmte er zu, wurde aber von jetzt auf gleich deutlich enthaltsamer. Ich empfand das erstmal als normal, immerhin will man sich für weitere Gespräche ja treffen. Allerdings musste ich das Treffen alleine organisieren und selbst dann wirkte er plötzlich wenig erfreut: "Joa, soll ein bisschen nieseln, aber mal sehen." um es zu übersetzen.
Ich schrieb ihm, dass wir uns nur treffen sollten, wenn wir BEIDE Lust dazu hätten. Beim tatsächlichen Date erzählte er mir dann, wie ententtäuscht er über diese Nachrich gewesen wäre, weil er sich so darauf gefreut hätte. Er wäre kein großer Schreiber, sondern würde die echte Kommunikation samt Körpersprache vorziehen. Da konnte ich ihn nur zustimmen. Damit war nicht nur das Missverständnis aus der Welt, sondern auch ein Funke da. Trotz Sprachbarriere hatten wir eine Chemie sowie einen sehr natürlichen Gesprächsfluss. Er sagte, meine Aura würde etwas in ihm auslösen. Entsprechend erleichtert war ich, nicht abgesagt zu haben.
Nach dem Treffen zeigte er weiterhin sehr starkes Interesse. Direkt am frühen nächsten Morgen bekundete er per WhatsApp, wie toll alles gewesen wäre und dass ich bei ihm nicht overthinken müsse. Am Folgetag wollte er wissen, wann wir einander wiedersehen könnten, sagte, er könne nicht aufhören, an mich zu denken. Als ich wirklich beschäftigt war und direkt das nächste Wochenende vorschlug, reagierte er verständnisvoll. Oft schrieb er mir guten Morgen und gute Nacht. Ich erwiderte sein Interesse, allerdings gemäßigter. Ich machte konkrete Vorschläge für Treffen, er hielt sich vage mit: "Ich will dich immer sehen."
Auch beim zweiten Treffen war die Chemie wieder stark. Er hält sogar meine Hand. Gleichzeitig gab es aber erste Punkte, bei denen ich bewusst Grenzen gesetzt habe:
- Er äußerte, dass ich in einer möglichen Beziehung keinen Alk. oder Kaffee trinken sollte. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich selbst darüber bestimme.
- Er machte ein Kompliment über mein Aussehen, indem er andere Frauen abwertete. Ich entgegnete, es sei nicht nötig, andere herabzusetzen, um mich aufzuwerten.
- Beim Sex wollte er zunächst auf ein Kond. verzichten mit der Begründung, er könne sich kontrollieren. Ich habe klar gesagt, dass ich ohne Kond. keinen Sex möchte. Das akzeptierte er gleich.
-viellecht weniger eine Red flag, eher eine Meinungsverschiedenheit: Er feiert OF, ich weniger.
Diese Punkte sehe ich weiterhin kritisch und möchte sie nicht durch die gute Chemie ausblenden.
Nach dem zweiten Treffen wurde der Kontakt etwas ruhiger. Die sehr intensiven Nachrichten vom Anfang wurden weniger. Gleichzeitig fragte er weiterhin nach Treffen, auch mal innerhalb der Woche, weil "es nerven würde, so lange auf mich verzichten zu müssen". Allerdings reagierte er völlig nachsichtig, als ich wieder eine volle Woche hatte. Am Mittwoch Abend fragte er ein 2. Mal und ich sagte ihm Freitag zu. Wieder wollte er nichts Spezifisches, sondern meinte: "Für dich bin ich immer frei, Hottie!"
Ich schrieb ihm, dass wir nach der Arbeit etwas unternehmen könnten. Er antwortete, dass er wegen des angekündigten schlechten Wetters lieber auf den nächsten Tag verschieben würde. Direkt fragte er, ob ich enttäuscht wäre. Ich beruhigte ihn, immerhin hatte er auch Rücksicht auf meine volle Woche genommen. Zudem war ich sehr müde.
Mein erster Gedanke war eigentlich nur: "Schade, aber okay." Erst danach begann mein Kopf zu arbeiten:
"Wenn jemand mich wirklich sehen möchte "immer Zeit" hätte, würde ihn Regen doch nicht abhalten." Beim 1. Date haben wir auch stundenlang im Restaurant gesessen.
Das Empfinden bestätigte mir auch jeder. Gleichzeitig hat er nicht einfach abgesagt, sondern unmittelbar verschoben. Und nur 2 Tage zuvor hat er aktiv nach diesem Treffen gefragt.
Beim ersten Date hatte er ebenfalls das Wetter berücksichtigt, ohne dass sein Interesse danach geringer war. Er wirkt generell eher wie jemand, der Dinge direkt anspricht, wenn ihn etwas beschäftigt. Deshalb frage ich mich: Ist das einfach eine normale Entwicklung nach der ersten Euphorie? Wird der Kontakt gerade realistischer und weniger intensiv, ohne dass das Interesse verschwunden ist? Oder ist Interesse verschwunden? Und ganz wichtig: Gibt es Dynamiken, bei denen ich genauer hinschauen sollte?
Früh morgens am Samstag schrieb er mir, er hätte nicht schlafen können und würde sich melden, sobald er ausgeschlagen hätte, was er auch tat. Wieder verabredeten wir uns unverbindlich. Da erzählte er mir, worüber er die Nacht tiefenphilosophisch nachgedacht hätte.
Beim Abschied sah er mich sehr intensiv an und wollte diesen hinauszögern. Er gestand mir, wie gern er mich hätte. 2 Tage später kam früh morgens die Nachricht: "Melde dich bei mir, sobald du Zeit hast! Ich wünsche dir eine entspannte Woche!"
Irgendwie kann ich das alles gar nicht mehr einordnen.
Ich merke außerdem, dass wir unterschiedliche Kommunikationsstile haben. Er scheint eher direkt zu sein und spricht Dinge an, wenn ihn etwas beschäftigt. Ich dagegen neige dazu, vieles erst mit mir selbst auszumachen, weil ich Angst habe, jemanden zu belasten oder "zu viel" zu sein. Diese Angst hängt auch mit einer früheren Beziehung zusammen, in der das Äußern von Bedürfnissen oder Unsicherheiten häufig mit Rückzug und Trennungsdrohungen beantwortet wurde. Deshalb frage ich mich manchmal, ob ich gerade echte Warnzeichen wahrnehme oder ob eine alte Angst aktiviert wird.
Ich möchte weder jemanden idealisieren, nur weil die Chemie stark ist, noch jemanden unfair beurteilen. Aber ich weiß kaum, woran ich bin.