Zitat von amelie123:Würdet ihr zu eurer Familie den Kontakt abbrechen, wenn man merkt, sie tun einem nicht gut?
Nicht ohne weiteres, aber in einem Fall habe ich es schlußendlich getan und ziehe das auch bis heute konsequent durch. Es geht mir gut damit.
Zitat von amelie123:Ich habe seit der Kindheit immer wieder Probleme mit meiner Familie (es geht hier hauptsächlich um Eltern + Großeltern).
Zitat von amelie123:Im Endeffekt werde ICH immer als Sündenbock hingestellt und alle verbünden sich gegen mich und meinen, ich sei immer schuld an allen.
Zitat von amelie123:Es mag sein, dass ich oft das Fass zum Überlaufen bringe, aber eben nur deswegen, weil ich den Mund aufmache, wenn mir etwas nicht passt.
Jenu, zum Überlaufen muss aber erst mal ein Fass
vorhanden sein, das randvoll mit Wasser ist, gell?
Schau u.a. mal hier hinein:
https://www.mainpost.de/regional/wuerzb...t-10211046https://www.psyonline.at/download/kunden/0014941.pdfKurz gesagt: Vor allem im symbiotischen Familienverbänden (womit ich noch nicht gesagt haben will, daß Deine eigene Familie ein solcher ist, dafür habe ich zuwenig Einblick) wird unbewußt häufig ein schwarzes Schaf ausgewählt und von den anderen Familienmitgliedern auch regelrecht
gebraucht, um sich selbst immer wieder bestätigen und zu können und einen "Blitzableiter" für unterschwellige Mißstimmungen und Konflikte zu haben.
Wurde einem diese Rolle einmal zugewiesen, wird man sie normalerweise
nicht mehr los; helfen könnte allenfalls eine Familientherapie, aber damit müßten natürlich alle einverstanden sein und das ist häufig schon deshalb nicht gegeben, weil es allen anderen ja gut geht mit der Situation, nur dem schwarzen Schaf nicht. Im Zweifel hilft dann tatsächlich nur noch, auf Distanz zu gehen - wobei das aber wirklich das letzte in einer langen Reihe von Mitteln sein sollte.
Davon ab:
Wie machst Du denn den Mund auf? Bist Du sehr forsch und direkt dabei, oder räusperst Du Dich auf eine Weise, die Dein(e) Gegenüber als
wertschätzend sich gegenüber
erkennen könnten?
Zitat von amelie123:Damit kommen sie wohl nicht klar, und fangen an, zu beleidigen.
Leider werde ich dann immer als "gestört / krank / oder auch unerzogen" beschimpft. Sogar vor meinen Partner.
Zitat von amelie123:Mein Freund war geschockt, so etwas zu hören.
Danke für diesen Hinweis. Denn ich finde es sehr aufschlußreich, die Dinge nicht nur durch Deine Brille, sondern auch durch die Deines Freundes zu sehen, der Dir zwar natürlich zugewandter ist als Deiner Sippe und insofern entsprechend befangen, aber dennoch einen deutlich neutraleren Blick auf diese Szenen hat als Du, die Du unmittelbar betroffen davon bist.
Zitat von amelie123:Außerdem wird mir bei fast jedem Streit gedroht
Zitat von amelie123:Leider bin ich noch in meiner Ausbildung (Studium, 25 Jahre) und bin daher noch finanziell abhängig von meiner Familie.
Wäre ich das nicht, würde ich keine Sekunde zögern, den Kontakt abzubrechen. So ist es mir (leider!) nicht möglich.
Wer droht, der will kontrollieren. Wer kontrollieren will, der vertraut nicht. Wer nicht vertraut, der hat Angst.
In Deinem Fall ist die sogar berechtigt, denn Du schreibst ja selbst: Ohne das Geld Deiner Eltern
wärst Du längst weit
weg von ihnen. Was nun aber nicht umgekehrt bedeuten soll, daß nur Du "schuld" am Status quo bist; ich ziehe es vor, davon zu sprechen, daß nur Du Anteile daran hast: Nein, dafür wiederum ist Dein Hinweis weiter oben recht aufschlußreich, nämlich daß Du bereits seit frühester Kindheit solche Probleme in Deiner Familie hast.
Niemand, der noch halbwegs bei Trost ist, wird einem Kleinkind vorhalten, es sei "Schuld" daran, wenn in der Familie ständig Streit ausbricht. Da ist dann definitiv auch bei den übrigen - erwachsene(re)n - Mitgliedern ein Anteil zu suchen, und der dürfte sogar recht hoch ausfallen.
Mehr schreibe ich dazu jetzt erst mal nicht, da es verfrüht wäre. Die näheren Details Eurer Streitigkeiten sind mir ja nicht bekannt.
Zitat von amelie123:Erst als ich meinen Freund kennengelernt habe durfte ich erfahren, was FAMILIE eigentlich bedeutet.
Und das finde ich eine richtig gute Nachricht.
Vielleicht schreibst Du mal für Dich auf, was konkret in Deiner neuen Familie (mit dem Freund) so anders ist. Kannst Du das benennen?
Und dann schreib auf, was in Deiner Herkunftsfamilie so schiefläuft. Also außer, daß Du ständig bedroht und beschimpft wirst. Kannst Du auch das (neutral) benennen?
In einem nächsten Schritt würde ich mal tief in mich gehen und ernsthaft darüber nachdenken, ob Du Deine Herkunftsfamilienmitglieder überhaupt noch liebst. Ich z.B. hatte regelmässig Streit mit meinem Vater und wäre er noch am Leben, so hätte sich daran auch nichts geändert. Dennoch liebe ich ihn auch über seinen Tod vor über 25 Jahren hinaus weiterhin über alles und habe seiner seither täglich gedacht; daran wird sich auch bis zu meinem eigenen Tod nichts mehr ändern.
Das eine hat also mit dem anderen nicht unbedingt zu tun. Ich sollte allerdings hinzufügen, daß mein Vater mich nie auch nur ansatzweise so persönlich abwertend beschimpft hat, wie Du es von Deiner Herkunftsfamilie hier schilderst. Ansonsten würde ich da wohl anders empfinden. Die Nummer mit "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst", ist mir allerdings ein Begriff und bot auch Anlaß genug, mir lieber zügig einen Beruf zu suchen als einen Studienplatz - was mir aber über die Jahre glücklicherweise nie zum Nachteil gereicht hat.
Wenn Du also feststellen solltest, daß Du sie trotz allem noch liebst - dann würde ich Dir empfehlen, über eine Strategie nachzudenken. Du könntest ihnen das Auto zurückgeben und eine Kontaktpause hinlegen, um erst mal für etwas Ruhe und Abstand zu sorgen. In einem nächsten Schritt könntet Ihr mal alle zusammen darüber nachdenken, ob eine Familientherapie nicht sinnstiftend wäre, oder zumindest eine neutrale Mediation. Es gibt in jeder Stadt Familienberatungsstellen, die bei sowas unterstützen können - vielleicht "dank" COVID auch per Skype mittlerweile, wer weiß.
Wenn Du sie
nicht liebst und wirklich nur noch Kontakt zu ihnen hältst, weil sie Dein Studium finanzieren, dann solltest Du Dich wiederum entscheiden, ob Du das noch bis zum Examen durchhältst, oder Dir lieber einen Job suchst und dafür vielleicht länger studierst, etwa an einer Fernuni. Psychisch gesünder wäre ggfs. das Letztere, denn dann kannst Du irgendwann von Dir sagen, Dir wirklich alles im Leben selbst erarbeitet zu haben. Bei entsprechender Leistung könntest Du Dich auch auf ein Stipendium bewerben. Zur Bafög-Option hatten andere Dir ja bereits geschrieben, ich kenne mich da selbst nicht näher mit aus, daher dazu von mir kein Kommentar.
Daß das ein sehr endgültiger Weg ist, mach Dir aber bitte gut bewußt - seine Eltern hat man nur einmal im Leben.