84

Zehn Monate emotionale Achterbahnfahrt war das Liebe?

Mystefan

Mystefan
Mitglied

Beiträge:
127
Themen:
2
Danke erhalten:
96
Mitglied seit:
Hallo zusammen,

ich möchte hier meine Geschichte erzählen, weil ich mittlerweile an einem Punkt angekommen bin, an dem ich selbst nicht mehr richtig verstehe, was in den vergangenen zehn Monaten passiert ist.
Vielleicht haben andere Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht und können mir helfen, das Ganze etwas besser einzuordnen.

Wie alles begann

Ich habe Anfang des Jahres eine Frau kennengelernt, bei der sich zunächst alles unglaublich intensiv angefühlt hat.
Sie zeigte sehr viel Interesse, machte mir Aufmerksamkeiten, schickte mir kleine Geschenke, überraschte mich und vermittelte mir das Gefühl, etwas wirklich Besonderes für sie zu sein.
Es ging relativ schnell um tiefere Gefühle, gemeinsame Zukunftsvorstellungen, Familie und darum, etwas Ernsthaftes miteinander aufzubauen.

Ich habe mich darauf eingelassen. Nicht halbherzig, sondern mit allem, was dazugehört.

Das ständige Hin und Her
Was dann folgte, kann ich rückblickend eigentlich nur als emotionale Achterbahnfahrt beschreiben.

Immer wieder gab es Phasen, in denen sie mir unglaublich nahe war. Wir hatten schöne Momente, sprachen über unsere Zukunft und ich hatte das Gefühl, dass wir endlich angekommen wären.

Dann änderte sich plötzlich etwas.
Sie bekam Zweifel, zog sich zurück, konnte nicht mehr oder wollte die Beziehung beenden.
Teilweise wirkte es, als hätte sie von einem Moment auf den anderen keinen Zugang mehr zu den Gefühlen, die kurz zuvor noch so deutlich vorhanden gewesen waren.
Und jedes Mal, wenn ich anfing, mich mit dem Ende abzufinden, gab es irgendwann wieder eine Annäherung. Sie vermisste mich, suchte wieder Nähe und es entstand neue Hoffnung.

So ging das über Monate.

Mit der Zeit wurde ich immer unsicherer. Ich konnte schöne Momente kaum noch unbeschwert genießen, weil ständig die Angst im Hinterkopf war, dass sie wieder gehen könnte.

Es ging nicht nur um mich
Was die ganze Sache für mich besonders schwer macht: Ich bin Vater einer Tochter.
Ich lasse nicht einfach irgendwelche Menschen in unser Leben. Wenn ich jemanden meiner Tochter vorstelle und in mein familiäres Umfeld integriere, dann deshalb, weil ich an eine ernsthafte und langfristige Verbindung glaube.
Diese Frau wurde Teil meines Lebens. Sie lernte meine Tochter, meine Familie, meine Freunde und sogar Menschen aus meinem beruflichen Umfeld kennen.

Sie durfte auch eine sehr persönliche Seite von mir kennenlernen. Ich habe sie beispielsweise mit an das Grab meines verstorbenen Vaters genommen.

Für andere mag das vielleicht nur ein Friedhofsbesuch sein. Für mich war das ein enormer Vertrauensbeweis. Ich habe sie an einen Ort mitgenommen, der für mich voller Erinnerungen, Trauer und Liebe ist.
Meine Familie und mein Umfeld standen ihr offen gegenüber, auch nachdem es bereits Schwierigkeiten gegeben hatte.
Deshalb tut mir rückblickend besonders weh, wie viel Vertrauen ich ihr entgegengebracht habe.

Vor allem, weil meiner Meinung nach eine Beziehung, in der auch ein Kind eine Rolle spielt, eine besondere Verantwortung mit sich bringt.


Natürlich kann niemand garantieren, dass eine Beziehung funktioniert. Und niemand muss aus Pflichtgefühl mit jemandem zusammenbleiben.
Aber ich finde, dass man mit Nähe, Hoffnungen und Zukunftsversprechen besonders sorgfältig umgehen sollte, wenn dadurch nicht nur das eigene Leben berührt wird.


Der letzte gemeinsame Ausflug
Anfang Oktober kam es nach einer weiteren schwierigen Phase erneut zu einer Annäherung.

Wir verbrachten zusammen einen Tag in den Niederlanden.

Es war wieder unglaublich vertraut. Wir küssten uns, kuschelten, waren uns körperlich nahe und sprachen über gemeinsame Zukunftsvorstellungen, ein Zuhause und Familie.
Es fühlte sich nicht an wie zwei Menschen, die endgültig miteinander abgeschlossen haben.

Weil ich durch die vorherigen Erfahrungen mittlerweile große Angst vor dem nächsten Rückzug hatte, sprach ich genau das an.
Ihre Antwort war sinngemäß und ziemlich eindeutig:

„Ich renne nicht mehr weg.“

Dieser Satz bedeutete mir viel. Denn genau davor hatte ich seit Monaten Angst.
Ich wollte ihr glauben. Ich wollte endlich aufhören, ständig mit dem nächsten Ende rechnen zu müssen.

Doch noch am selben Tag kippte die Situation.

Kurz zuvor hatte sie eine Sprachnachricht von einer Freundin bekommen. Ob diese Nachricht tatsächlich etwas mit ihrer Entscheidung zu tun hatte, weiß ich nicht.
Jedenfalls sagte sie plötzlich wieder, dass sie das alles nicht mehr könne. Sie sprach davon, dass etwas in ihr kaputtgegangen sei.
Wieder ein Abbruch.

Nach all der Nähe, den Gesprächen und den Aussagen wenige Stunden zuvor.

Ich musste anschließend völlig übermüdet mehrere Stunden nach Hause fahren und konnte kaum begreifen, was gerade passiert war.

Was das mit mir gemacht hat
Mittlerweile habe ich sämtliche Kontaktmöglichkeiten gelöscht und blockiert.

Nicht, weil mir dieser Mensch plötzlich egal wäre, sondern weil ich nicht noch einmal in dieselbe Dynamik geraten möchte.

Ich habe ADHS und erlebe insbesondere emotionale Situationen häufig sehr intensiv. Ob und wie stark das meine Verarbeitung dieser Beziehung beeinflusst, kann ich selbst nicht sicher beurteilen.

Aber momentan fühlt sich vieles merkwürdig unwirklich an.
Als wäre ich nur noch Beifahrer meines eigenen Lebens.
Mein Kopf versucht ununterbrochen, die vergangenen Monate zu verstehen. Ich gehe Gespräche, Situationen, Versprechen und Veränderungen immer wieder durch.

Dabei beschäftigt mich vor allem eine Frage:

Wie kann ein Mensch einem anderen so viel Nähe vermitteln, Zukunftspläne machen und wenige Stunden später wieder alles infrage stellen?

Ich frage mich mittlerweile sogar, ob ich in manche Situationen mehr hineingelesen habe, als tatsächlich vorhanden war.

Vielleicht waren ihre Gefühle in den jeweiligen Momenten aufrichtig und sie konnte trotzdem keine beständige Beziehung führen.
Vielleicht hat sie selbst nicht gewusst, was sie wollte.
Vielleicht haben wir beide die Beziehung völlig unterschiedlich wahrgenommen.
Ich weiß es nicht.

Was mich besonders trifft, ist das Gefühl, dass die Möglichkeit, mich endgültig zu verlieren, für sie nie dieselbe Bedeutung hatte wie für mich.
Natürlich kann ich nicht wissen, wie es wirklich in ihr aussieht. Aber ihr wiederholter Rückzug hat bei mir genau dieses Gefühl hinterlassen.

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, diese Frau als schlechten Menschen darzustellen oder ihr irgendeine psychische Störung zuzuschreiben.

Ich weiß, dass ich hier nur meine Perspektive schildern kann und sicherlich selbst nicht alles richtig gemacht habe.

Ich versuche einfach zu verstehen, was da passiert ist.
Denn nach ungefähr zehn Monaten voller Nähe, Hoffnung, Versprechen, Trennungen und erneuter Annäherungen bleibt bei mir vor allem eines zurück:

Das Gefühl, nicht nur einen Menschen verloren zu haben, sondern auch eine gemeinsame Zukunft, an die ich wirklich geglaubt habe.


Danke an alle, die sich die Zeit nehmen, das zu lesen.

• x 10 #1


B
Du armer. Das klingt wirklich nach sehr viel auf und ab, Nähe Distanz, Hoffnung, Trauer, Annäherung und Abweisung. Achterbahn trifft es sehr gut.
Ich schätze das diese Achterbahn Fahrt sich stetig weiter so fortsetzen wird, wenn du nicht aussteigst. Und damit meine ich so richtig, nicht ein kleines Stückchen vielleicht unangeschnallt nochmal mitfahren.

Loslassen ist wahrscheinlich gerade nach diesem Hin und Her wie ein Entzug.
Gut wäre nun Kontaktabbruch. Sie wird sicher wieder auf dich zukommen und versuchen Nähe zu schaffen.

Habt ihr denn aktuell Kontakt?

Zu Ihren Gefühlen. Ich kenne sie natürlich nicht und wäre alles Ferndiagnose. Kann es sein, sie hat ein Problem mit zuviel Nähe? Sobald es zu intensiv wird flieht sie? Dann versucht sie es wieder, wenn sie merkt du verlierst das Interesse oder der Kontakt wird weniger.
Du hast soviel investiert und ich glaube dir, wenn du sagst, du bist nun völlig am Ende/kraftlos. Wichtig ist, jetzt auch auf dich und deine Bedürfnisse zu achten.

• x 2 #2


A


Zehn Monate emotionale Achterbahnfahrt war das Liebe?

x 3


Knifte
Zitat von Mystefan:
Ich versuche einfach zu verstehen, was da passiert ist.

Das zermürbt dich, doch die Antwort kennt nur sie.
Was für gewöhnlich nicht gesund ist, wenn einer in der Beziehung mit push, pull agiert, sei es mit Vorsatz oder weil eine psychische Erkrankung vorliegt.
Ist die hier etwas bekannt, also eine psychische Störung ihrerseits?

• x 1 #3


ZwillingsIch
Moin.
Willkommen hier.
Zitat von Mystefan:
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, diese Frau als schlechten Menschen darzustellen oder ihr irgendeine psychische Störung zuzuschreiben.

Das finde ich sehr nett von Dir.
Zitat von Mystefan:
Ich gehe Gespräche, Situationen, Versprechen und Veränderungen immer wieder durch.

Dann hängst Du wohl noch sehr an der Frau.
Zitat von Mystefan:
Ich frage mich mittlerweile sogar, ob ich in manche Situationen mehr hineingelesen habe, als tatsächlich vorhanden war.

Ganz sicher war das der immer wieder heiß aufgebrühte Hormoncocktail.
Zitat von Mystefan:
Wie kann ein Mensch einem anderen so viel Nähe vermitteln, Zukunftspläne machen und wenige Stunden später wieder alles infrage stellen?

In der ersten hormongeschwängerten Phase (ver)spricht ein Menschlein so einiges.
Das hier ist für den Kick. Heiß, kalt. On/Off.
Lippenbekenntnisse.
Zitat von Mystefan:
eine gemeinsame Zukunft,

Heute würdest Du Dein Herzelein und die Arme für sie öffnen.

Bin mir sicher, mit etwas Abstand .. so Januar 2027 siehst Du klarer.

• x 3 #4


Hypatia
Zitat von Mystefan:
Was mich besonders trifft, ist das Gefühl, dass die Möglichkeit, mich endgültig zu verlieren, für sie nie dieselbe Bedeutung hatte wie für mich.

Das tut beim Lesen schon weh und es tut mir Leid für dich.

Gerade heute habe ich mich mit einer Userin über Bindungsangst ausgetauscht. Vielleicht magst du dazu mal was lesen. Das muss natürlich nicht zutreffen, aber es sind irgendwie immer ähnliche Abläufe und Wörter die Betroffene dabei benutzen. Und dein Beitrag erinnert mich sehr daran.

Nur als kleiner Denkanstoß, vielleicht hilft es dir ja. Alles Liebe für dich.

• x 3 #5


M
Zitat von Mystefan:
Wie kann ein Mensch einem anderen so viel Nähe vermitteln, Zukunftspläne machen und wenige Stunden später wieder alles infrage stellen?



Borderline, bindungsängstlich oder bindungsunfähig,
was auch immer es sein mag,
Du hast es ja teilweise schon selbst erkannt.:
Es macht Dich kaputt und Du kannst mit ihr keine gesunde Beziehung führen,
weil sie es nicht kann. Sie kann es nicht !

Trenn' Dich !
(oder lass' Dich weiterhin quälen)

• x 9 #6


DieSeherin
hallo @Mystefan hattest du nach der beziehung mit der mutter deines kindes auch andere beziehungen, bzw. eine festere?

• x 1 #7


Stella31
Zitat von Mystefan:
Das ständige Hin und Her
Was dann folgte, kann ich rückblickend eigentlich nur als emotionale Achterbahnfahrt beschreiben.

Hör dir vielleicht mal Podcasts über Bindungsangst an, um die Dynamik zu verstehen.
Stefanie Stahl kann ich sehr empfehlen.
Aber das Wichtigste ist:
Schau dir an, weshalb du das Hin und Her solange mit dir hast machen lassen.
Denn erst dann kannst du zukünftig besser Grenzen setzen!

• x 4 #8


VictoriaSiempre
Zitat von Mystefan:
Sie zeigte sehr viel Interesse, machte mir Aufmerksamkeiten, schickte mir kleine Geschenke, überraschte mich und vermittelte mir das Gefühl, etwas wirklich Besonderes für sie zu sein.

Ich kann mit sowas nicht sehr viel anfangen. Jedenfalls dann nicht, wenn das nicht Teil einer ausgewogenen Paardynamik ist und Aufmerksamkeit, kleine Geschenke und Überraschungen nicht von beiden kommen und auch gewollt sind, weil eben beide so ticken. Hast Du das denn genauso gemacht und sie mit all diesen Dingen bombadiert?

Zitat von Mystefan:
Es ging relativ schnell um tiefere Gefühle, gemeinsame Zukunftsvorstellungen, Familie und darum, etwas Ernsthaftes miteinander aufzubauen

Wohnt Ihr nah beieinander, habt Ihr Euch häufig gesehen? Was bedeutet „relativ schnell“? Grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, die jeweiligen Zukunftsvorstellungen abzugleichen - aber 10 Monate, da lernt man sich doch auch noch kennen, erst recht, wenn man keinen Alltag miteinander teilt Unwissender Smiley Wenn es in dieser Zeit schon mehrfach ruckelig und schwierig war, dann zeigt das doch, dass es eben nicht wirklich gut passt.

Zitat von Mystefan:
Was die ganze Sache für mich besonders schwer macht: Ich bin Vater einer Tochter.
Ich lasse nicht einfach irgendwelche Menschen in unser Leben. Wenn ich jemanden meiner Tochter vorstelle und in mein familiäres Umfeld integriere, dann deshalb, weil ich an eine ernsthafte und langfristige Verbindung glaube.

Zitat von Mystefan:
Deshalb tut mir rückblickend besonders weh, wie viel Vertrauen ich ihr entgegengebracht habe.

Für eine (beginnende) Beziehung ist meiner Meinung nach immer ein Vertrauensvorsprung notwendig, ohne geht es nicht. Dennoch würde ich immer abwarten, ob sie sich festigt und durchgehend gut anfühlt, bevor ich mein (noch kleines) Kind involviere. Familie und Freunde ist was anderes, das schadet wenn, dann nur Erwachsene.

Zitat von Mystefan:
Vor allem, weil meiner Meinung nach eine Beziehung, in der auch ein Kind eine Rolle spielt, eine besondere Verantwortung mit sich bringt.

Genau. DEINE Verantwortung.

Mag sein, dass die Frau ne Störung oder schlicht einen an der Waffel hat. Vielleicht ist sie einfach nicht mehr so verknallt wie zu Anfang. Sie schreibt hier jedoch nicht, deshalb beziehe ich mich nur auf Dich und Dein Verhalten.

Ich wünsche Dir alles Gute 🍀

• x 1 #9


Worrior
@Mystefan
Waa weißt Du über diese Frau, wie schlägt sie sich im alltäglichen Leben?
Ist da ein gesundes, normales Umfeld, Freunde, Familie, Kollegen usw. oder ist das eher problembehaftet?
Was weisst Du über ihre Vergangenheit über ihre Beziehungshistorie?

Zuerst hast Du alles bekommen, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Zärtlichkeit, 6ualität, sie gab Dir das Gefühl jemand Besonderes für sie zu sein.

Es wurde auch ziemlich schnell ein Deckel auf die ganze Sache gemacht, mit dem Label einer Beziehung.

Wie hat sie auf Dein Umfeld reagiert und Deine Tochter?
Gab es ein auffälliges Altersgefälle bei Euch?
Wurdest Du in ihre sozialen Kreise ebenso eingeführt?

Auch wenn Du auf all Deine Fragen niemals eine Antwort bekommen wirst, bleibt es immer noch Fakt dass es Dir körperlich und mental nicht gut tat.
Genau danach solltest Du all Deine Entscheidungen richten.

• x 4 #10


Liv225
Lieber @Mystefan
Was für ein Auf und Ab. Ganz schlimm für Deine Gefühlswelt und die Seele.
Für mich liest Du Dich reflektiert, Du spürst, dass Dir der Kontakt nicht gut tut und hast diesen auch eingestellt. Finde ich gut.

Nach 10 Monaten so ein hin und her.. Ich würde es lassen. Da arbeitest Du Dich auf.
Und für Deine Tochter ist es zu dem nicht gut.

Ich finde es auch traurig, dass Du sie „zu Deinem Papa“ mitgenommen hast, Für mich ist das auch etwas, was mir viel bedeutet. Und sie ist mal da, mal nicht :/

Was nun dahintersteckt bei ihr, keine Ahnung aus der Ferne.
Jedenfalls schadet Dir der Kontakt, Du kannst Dich nicht fallen lassen und sicher sein.

Alles Gute Dir.

• x 1 #11


Mystefan
Erst einmal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten und Denkanstöße! Ich versuche mal, auf die einzelnen Beiträge einzugehen und anschließend ein paar wesentliche Dinge aus unserer Beziehung zu ergänzen. Denn ich merke, dass ich im ersten Beitrag vieles weggelassen habe, was für das Verständnis der gesamten Geschichte eigentlich wichtig ist.

@BlueLagoon Nein, wir haben aktuell keinerlei Kontakt. Nach dem letzten Vorfall habe ich ihre Wohnung wutentbrannt und voller Enttäuschung verlassen. Nach einem kurzen Nachrichtenaustausch über WhatsApp habe ich sie überall blockiert und sämtliche Kontaktmöglichkeiten gelöscht.
Dass sich diese Dynamik wiederholen könnte, ist mir durchaus bewusst. Das hat sie schließlich schon mehrfach getan. Und ja, dieses Loslassen fühlt sich tatsächlich teilweise wie ein Entzug an.

@Knifte Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, weiß ich nicht. Allerdings war ihr Verhalten bereits mehrfach Thema zwischen uns.
Nach einem vorherigen Bruch hatte ich ihr sogar nahegelegt, sich therapeutische Unterstützung zu suchen.
Interessanterweise rief mich später ihre beste Freundin an und erzählte mir, dass sie jetzt wirklich alles dafür tue, unsere Beziehung zu retten, und sich in Therapie begebe. Ich solle mir das mit uns doch noch einmal überlegen.
Das hat bei mir natürlich wieder Hoffnung ausgelöst. Ob und in welchem Umfang sie tatsächlich therapeutische Hilfe angenommen hat, kann ich nicht beurteilen.
Das Ergebnis ist jedenfalls, dass ich heute wieder an einem ähnlichen Punkt stehe.

@ZwillingsIch Ja, ich hänge emotional sicherlich noch an ihr. Nach fast einem Jahr lässt sich das nicht einfach abschalten.
Allerdings glaube ich nicht, dass sich das Ganze ausschließlich auf einen Hormoncocktail oder den Kick durch das ständige On-off reduzieren lässt.
Wir haben nicht nur schöne Worte ausgetauscht, sondern teilweise ganz konkrete Zukunftspläne geschmiedet. Es ging um ein gemeinsames Zuhause, Zusammenziehen, unsere Kinder und ein gemeinsames Leben.
Ob ich heute noch einmal die Arme für sie öffnen würde? Genau diese Frage zeigt mir eigentlich, wie tief mich das Ganze beschäftigt. Ich habe den Kontakt bewusst vollständig abgebrochen, weil ich diesen Kreislauf nicht mehr möchte.

@Hypatia Ja, diese ganzen Themen rund um Bindungsangst, Nähe-Distanz und Push-Pull kenne ich leider mittlerweile ziemlich gut. 😑
Ich habe mich damit schon intensiv beschäftigt. Das Problem ist weniger, dass ich diese Dynamiken nicht kenne, sondern dass ich die Widersprüche zwischen ihrem Verhalten, ihren Aussagen und den immer wieder gemachten Versprechen nicht begreife.

@Multiversum Dass diese Beziehung in der Form nicht gesund war, sehe ich mittlerweile selbst.
Ob Bindungsangst, Borderline oder etwas völlig anderes dahintersteckt, möchte ich nicht beurteilen. Dafür fehlt mir auch die fachliche Grundlage.
Es ist aber tatsächlich so, dass selbst nach klar ausgesprochenen Trennungen immer wieder neue Annäherungen stattfanden. Genau deshalb habe ich nach dem letzten Vorfall den Kontakt vollständig beendet.

@DieSeherin Ja, nach der Trennung von der Mutter meiner Tochter hatte ich noch eine dreijährige feste Beziehung.
Es ist also nicht meine erste Beziehung nach der Trennung.

@Stella31 Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Warum habe ich das so lange mitgemacht?
Ich glaube, weil es nach den jeweiligen Versöhnungen tatsächlich wieder Phasen gab, in denen sich alles richtig und vertraut anfühlte. Dazu kamen neue Gespräche, Versprechen und gemeinsame Pläne.
Ich habe immer wieder gehofft, dass wir aus den vorherigen Fehlern gelernt hätten und es diesmal besser machen würden.
Rückblickend muss ich mir eingestehen, dass ich meine eigenen Grenzen dabei immer weiter verschoben habe.

@VictoriaSiempre Deine kritischen Fragen finde ich durchaus berechtigt.
Zu den Aufmerksamkeiten: Ich habe mich ebenfalls stark in die Beziehung eingebracht, allerdings nicht unbedingt auf dieselbe Art. Für mich ging es dabei weniger um Geschenke, sondern um gemeinsame Zeit, Unterstützung, Vertrauen und die Bereitschaft, unser Leben miteinander zu teilen.
Wir wohnten mehrere Hundert Kilometer auseinander und konnten deshalb keinen gewöhnlichen gemeinsamen Alltag führen. Besuche und gemeinsame Zeit mussten entsprechend geplant werden.
Mit „relativ schnell“ meinte ich übrigens nicht, dass wir uns nach wenigen Tagen bereits als Familie gesehen haben.
Wir hatten zunächst ungefähr zwei Monate Kennenlernphase. Danach entwickelte sich die Beziehung, die anschließend etwa zehn Monate von Trennungen und Versöhnungen geprägt war.
Und was meine Tochter betrifft: Ja, da hast du recht. Es ist auch meine Verantwortung, wen ich in ihr Leben lasse.
Im Nachhinein sehe ich selbst kritisch, dass ich sie so tief in mein Leben integriert habe, obwohl es bereits Schwierigkeiten gab.
Allerdings ist die andere Person ebenfalls erwachsen und in unserem Fall sogar selbst Mutter. Deshalb hatte ich schon die Erwartung, dass wir beide entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen.
Ich möchte mich dabei nicht von meiner eigenen Verantwortung freisprechen.

@Worrior Eigentlich habe ich sie als sehr bodenständige Frau kennengelernt. Sie ist türkischer Herkunft, drei Jahre älter als ich und selbst Mutter eines Sohnes.
Sie hat nach eigenen Angaben allerdings auch bereits drei Ehen hinter sich. Über die Hintergründe und ihre jeweiligen Anteile daran kann ich keine verlässlichen Aussagen machen.
In ihren sozialen Kreis wurde ich tatsächlich kaum integriert. Ich kenne ihre „beste“ Freundin, aber das war es im Wesentlichen auch schon.
Umgekehrt war das völlig anders. Sie kannte meine Tochter, meine Familie, Freunde und sogar Menschen aus meinem beruflichen Umfeld.
Auch meinen verstorbenen Vater habe ich ihr auf eine sehr persönliche Weise nähergebracht, indem ich sie mit an sein Grab genommen habe.
Ihr Sohn war mir dagegen nur durch wenige Begegnungen bekannt.
Ein größeres Altersgefälle gab es nicht, lediglich die erwähnten drei Jahre.
Und ja, ihr habt recht: Dass mich die Beziehung inzwischen psychisch und körperlich belastet hat, sollte ich bei allem Versuch, ihr Verhalten zu verstehen, nicht aus den Augen verlieren.

@Liv225 Gott sei Dank konnte ich meine Tochter gut auffangen!
Und ja, der Besuch am Grab meines Vaters war für mich etwas unglaublich Persönliches. Ich hätte sie dort niemals mitgenommen, wenn ich nicht aufrichtig an eine gemeinsame Zukunft geglaubt hätte.
Rückblickend empfinde ich einiges als falsch. Insbesondere, dass ich sie so tief in mein Leben habe blicken lassen und ihr immer wieder dieses Vertrauen entgegengebracht habe.
Das lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen.

Vielleicht noch ein paar konkrete Ereignisse, damit ihr den Verlauf besser nachvollziehen könnt:

Jahreswechsel: Wir verbrachten Silvester zusammen. Alles war vertraut und liebevoll. Am Neujahrstag fuhr ich nach Hause, wir schrieben noch ganz normal miteinander und sie kündigte ein Telefonat an.
Wenige Stunden später erhielt ich plötzlich die Nachricht, dass sie die Beziehung endgültig beende. Anschließend wurde ich blockiert. Ungefähr eine Woche später gab es wieder eine Annäherung.

Frühjahr: Es folgten weitere Konflikte und Rückzüge. Im Mai eskalierte beispielsweise die Planung eines gemeinsamen Wochenendes, weil ich sie gebeten hatte, erst einen Tag später anzureisen. Sie empfand das offenbar als Zurückweisung. Das Wochenende platzte, Gegenstände und mein Wohnungsschlüssel wurden zurückgegeben, teilweise über ihre Mutter. Wieder ein Bruch, wieder Funkstille und später erneut eine Annäherung.

Sommer: Hier möchte ich ausdrücklich auch mein eigenes Fehlverhalten erwähnen. Ich hatte Kontakt zu einer anderen Frau, den ich ihr verschwiegen hatte. Kontakt im Sinne von es musste noch etwas geklärt werden habe mich aber in Smalltalk ziehen lassen. Außerdem hatte ich mich in privaten Nachrichten aus Frust und Wut sehr verletzend über unsere Beziehung geäußert.
Sie durchsuchte meinen privaten Computer und las diese Nachrichten während ich auf der Kindergartenfeier meiner Tochter war. Dass die Inhalte sie verletzten, kann ich nachvollziehen. Das Durchsuchen meines Computers empfand ich allerdings ebenfalls als Vertrauensbruch.
Daraufhin reiste sie wieder ab und es kam zum nächsten Bruch.

Ich bin also keineswegs derjenige, der immer alles richtig gemacht hat. Die wiederholten Enttäuschungen haben auch mein Verhalten verändert. Ich wurde misstrauischer, teilweise sarkastisch und konnte in manchen Situationen meine Emotionen nicht angemessen regulieren.

Unsere Zukunftspläne: Besonders schwierig finde ich rückblickend das Thema Zusammenziehen.
Sie selbst hatte die Möglichkeit angesprochen, zu mir zu ziehen. Wir sprachen über ein gemeinsames Zuhause und eine Zukunft mit unseren Kindern.
Später wurde dann aber gerade die Entfernung zum Problem. Ich könne wegen meiner Tochter nicht einfach zu ihr ziehen und sie wolle ihren Sohn verständlicherweise ebenfalls nicht aus seinem Umfeld reißen.
Das kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Aber diese Umstände waren schließlich von Anfang an bekannt.

September: Mitte September kam es erneut zu einem vermeintlich endgültigen Ende. Sie erklärte, dass wir endlich Abschied voneinander nehmen müssten, weil wir uns sonst immer weiter verletzen würden.
Es folgte eine Phase ohne Kontakt. Trotzdem kam es anschließend wieder zu einer Annäherung.

Anfang Oktober: Wir verbrachten einen gemeinsamen Tag in den Niederlanden. Es gab Küsse, Kuscheln, körperliche Nähe und erneut Gespräche über unsere gemeinsame Zukunft.
Ich sprach meine inzwischen große Angst an, dass sie wieder plötzlich alles beenden könnte.
Ihre Antwort war:
„Ich renne nicht mehr weg.“
Abends richtete sie auch noch das Bett für uns zwei. Ich hatte extra eindringlich nachgefragt ob ich meine Schlafsachen mit hochnehmen solle denn ich könnte auch ins Hotel gehen wenn es "zu schnell" ist.

Wenige Stunden später war wieder alles vorbei.
Kurz zuvor hatte sie eine Sprachnachricht ihrer Freundin bekommen. Ob das irgendeinen Einfluss hatte, weiß ich ausdrücklich nicht.
Sie sagte plötzlich wieder, dass sie das alles nicht mehr könne und etwas in ihr kaputtgegangen sei.
Nach dem ganzen Verlauf war das für mich der Punkt, an dem endgültig etwas in mir zusammengebrochen ist.
Ich bin gegangen und habe anschließend sämtliche Kontaktmöglichkeiten gelöscht und blockiert.

Was ich damit eigentlich sagen möchte:

Es waren nicht einfach zehn Monate, in denen jemand gelegentlich unsicher war oder wir uns mal gestritten haben.
Es war fast ein ganzes Jahr mit wiederholten Trennungen, Versöhnungen, gegenseitigen Verletzungen, neuen Versprechen und teilweise sehr konkreten Zukunftsvorstellungen.
Und jedes Mal, wenn ich glaubte, dass wir endlich an einem Punkt angekommen seien, an dem wir gemeinsam an unseren Problemen arbeiten könnten, wiederholte sich etwas Ähnliches.

• x 2 #12


Liebeleben
Finde immer wieder spannend, was für kranke Leute da draußen rumlaufen.

Tut mir sehr leid für dich. Versuche alles zu blockieren und zu vergessen. Wenn da von Beginn an schon so der Wurm drin ist, wird das eh nichts.

• x 2 #13


C
Zitat von Mystefan:
Ja, diese ganzen Themen rund um Bindungsangst, Nähe-Distanz und Push-Pull kenne ich leider mittlerweile ziemlich gut.
Ich habe mich damit schon intensiv beschäftigt. Das Problem ist weniger, dass ich diese Dynamiken nicht kenne, sondern dass ich die Widersprüche zwischen ihrem Verhalten, ihren Aussagen und den immer wieder gemachten Versprechen nicht begreife.


Die brauchst du nicht begreifen, weil es ihr Hirn ist, nicht deines. Je mehr du versuchst, das zu verstehen desto weiter rückst du von dir selbst ab. Vermutlich wird sie ihre Zerrissenheit nicht einmal selbst verstehen.

• x 5 #14


Hypatia
Zitat von Mystefan:
Das Problem ist weniger, dass ich diese Dynamiken nicht kenne, sondern dass ich die Widersprüche zwischen ihrem Verhalten, ihren Aussagen und den immer wieder gemachten Versprechen nicht begreife.

Ich habe jetzt nur den Teil gelesen, der sich auf mich bezieht, aber das was du beschreibst liegt daran, dass dir diese Perspektive fehlt. Wenn dir Bindung keine Angst macht kannst du es nie fassen. Du kannst nur von der Seitenlinie zusehen. Und selbst wenn du es schaffst es zu verstehen, wirst du nie Verständnis haben können. Du würdest immer anders handeln oder dich fragen, warum die Hand die du hinhälst, nicht genommen wird. Wenn sie das hat, kann nur sie an sich arbeiten. Aber wenn ich an meinen Spinnenpost von heute in meinem Thread denke, kann ich mir schon vorstellen, wie extrem schwer das ist. Und wie schwer das ist, für Menschen die dabei zusehen müssen.

• x 1 #15


A


x 4