Erst einmal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten und Denkanstöße! Ich versuche mal, auf die einzelnen Beiträge einzugehen und anschließend ein paar wesentliche Dinge aus unserer Beziehung zu ergänzen. Denn ich merke, dass ich im ersten Beitrag vieles weggelassen habe, was für das Verständnis der gesamten Geschichte eigentlich wichtig ist.
@BlueLagoon Nein, wir haben aktuell keinerlei Kontakt. Nach dem letzten Vorfall habe ich ihre Wohnung wutentbrannt und voller Enttäuschung verlassen. Nach einem kurzen Nachrichtenaustausch über WhatsApp habe ich sie überall blockiert und sämtliche Kontaktmöglichkeiten gelöscht.
Dass sich diese Dynamik wiederholen könnte, ist mir durchaus bewusst. Das hat sie schließlich schon mehrfach getan. Und ja, dieses Loslassen fühlt sich tatsächlich teilweise wie ein Entzug an.
@Knifte Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, weiß ich nicht. Allerdings war ihr Verhalten bereits mehrfach Thema zwischen uns.
Nach einem vorherigen Bruch hatte ich ihr sogar nahegelegt, sich therapeutische Unterstützung zu suchen.
Interessanterweise rief mich später ihre beste Freundin an und erzählte mir, dass sie jetzt wirklich alles dafür tue, unsere Beziehung zu retten, und sich in Therapie begebe. Ich solle mir das mit uns doch noch einmal überlegen.
Das hat bei mir natürlich wieder Hoffnung ausgelöst. Ob und in welchem Umfang sie tatsächlich therapeutische Hilfe angenommen hat, kann ich nicht beurteilen.
Das Ergebnis ist jedenfalls, dass ich heute wieder an einem ähnlichen Punkt stehe.
@ZwillingsIch Ja, ich hänge emotional sicherlich noch an ihr. Nach fast einem Jahr lässt sich das nicht einfach abschalten.
Allerdings glaube ich nicht, dass sich das Ganze ausschließlich auf einen Hormoncocktail oder den Kick durch das ständige On-off reduzieren lässt.
Wir haben nicht nur schöne Worte ausgetauscht, sondern teilweise ganz konkrete Zukunftspläne geschmiedet. Es ging um ein gemeinsames Zuhause, Zusammenziehen, unsere Kinder und ein gemeinsames Leben.
Ob ich heute noch einmal die Arme für sie öffnen würde? Genau diese Frage zeigt mir eigentlich, wie tief mich das Ganze beschäftigt. Ich habe den Kontakt bewusst vollständig abgebrochen, weil ich diesen Kreislauf nicht mehr möchte.
@Hypatia Ja, diese ganzen Themen rund um Bindungsangst, Nähe-Distanz und Push-Pull kenne ich leider mittlerweile ziemlich gut. 😑
Ich habe mich damit schon intensiv beschäftigt. Das Problem ist weniger, dass ich diese Dynamiken nicht kenne, sondern dass ich die Widersprüche zwischen ihrem Verhalten, ihren Aussagen und den immer wieder gemachten Versprechen nicht begreife.
@Multiversum Dass diese Beziehung in der Form nicht gesund war, sehe ich mittlerweile selbst.
Ob Bindungsangst, Borderline oder etwas völlig anderes dahintersteckt, möchte ich nicht beurteilen. Dafür fehlt mir auch die fachliche Grundlage.
Es ist aber tatsächlich so, dass selbst nach klar ausgesprochenen Trennungen immer wieder neue Annäherungen stattfanden. Genau deshalb habe ich nach dem letzten Vorfall den Kontakt vollständig beendet.
@DieSeherin Ja, nach der Trennung von der Mutter meiner Tochter hatte ich noch eine dreijährige feste Beziehung.
Es ist also nicht meine erste Beziehung nach der Trennung.
@Stella31 Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Warum habe ich das so lange mitgemacht?
Ich glaube, weil es nach den jeweiligen Versöhnungen tatsächlich wieder Phasen gab, in denen sich alles richtig und vertraut anfühlte. Dazu kamen neue Gespräche, Versprechen und gemeinsame Pläne.
Ich habe immer wieder gehofft, dass wir aus den vorherigen Fehlern gelernt hätten und es diesmal besser machen würden.
Rückblickend muss ich mir eingestehen, dass ich meine eigenen Grenzen dabei immer weiter verschoben habe.
@VictoriaSiempre Deine kritischen Fragen finde ich durchaus berechtigt.
Zu den Aufmerksamkeiten: Ich habe mich ebenfalls stark in die Beziehung eingebracht, allerdings nicht unbedingt auf dieselbe Art. Für mich ging es dabei weniger um Geschenke, sondern um gemeinsame Zeit, Unterstützung, Vertrauen und die Bereitschaft, unser Leben miteinander zu teilen.
Wir wohnten mehrere Hundert Kilometer auseinander und konnten deshalb keinen gewöhnlichen gemeinsamen Alltag führen. Besuche und gemeinsame Zeit mussten entsprechend geplant werden.
Mit „relativ schnell“ meinte ich übrigens nicht, dass wir uns nach wenigen Tagen bereits als Familie gesehen haben.
Wir hatten zunächst ungefähr zwei Monate Kennenlernphase. Danach entwickelte sich die Beziehung, die anschließend etwa zehn Monate von Trennungen und Versöhnungen geprägt war.
Und was meine Tochter betrifft: Ja, da hast du recht. Es ist auch meine Verantwortung, wen ich in ihr Leben lasse.
Im Nachhinein sehe ich selbst kritisch, dass ich sie so tief in mein Leben integriert habe, obwohl es bereits Schwierigkeiten gab.
Allerdings ist die andere Person ebenfalls erwachsen und in unserem Fall sogar selbst Mutter. Deshalb hatte ich schon die Erwartung, dass wir beide entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen.
Ich möchte mich dabei nicht von meiner eigenen Verantwortung freisprechen.
@Worrior Eigentlich habe ich sie als sehr bodenständige Frau kennengelernt. Sie ist türkischer Herkunft, drei Jahre älter als ich und selbst Mutter eines Sohnes.
Sie hat nach eigenen Angaben allerdings auch bereits drei Ehen hinter sich. Über die Hintergründe und ihre jeweiligen Anteile daran kann ich keine verlässlichen Aussagen machen.
In ihren sozialen Kreis wurde ich tatsächlich kaum integriert. Ich kenne ihre „beste“ Freundin, aber das war es im Wesentlichen auch schon.
Umgekehrt war das völlig anders. Sie kannte meine Tochter, meine Familie, Freunde und sogar Menschen aus meinem beruflichen Umfeld.
Auch meinen verstorbenen Vater habe ich ihr auf eine sehr persönliche Weise nähergebracht, indem ich sie mit an sein Grab genommen habe.
Ihr Sohn war mir dagegen nur durch wenige Begegnungen bekannt.
Ein größeres Altersgefälle gab es nicht, lediglich die erwähnten drei Jahre.
Und ja, ihr habt recht: Dass mich die Beziehung inzwischen psychisch und körperlich belastet hat, sollte ich bei allem Versuch, ihr Verhalten zu verstehen, nicht aus den Augen verlieren.
@Liv225 Gott sei Dank konnte ich meine Tochter gut auffangen!
Und ja, der Besuch am Grab meines Vaters war für mich etwas unglaublich Persönliches. Ich hätte sie dort niemals mitgenommen, wenn ich nicht aufrichtig an eine gemeinsame Zukunft geglaubt hätte.
Rückblickend empfinde ich einiges als falsch. Insbesondere, dass ich sie so tief in mein Leben habe blicken lassen und ihr immer wieder dieses Vertrauen entgegengebracht habe.
Das lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen.
Vielleicht noch ein paar konkrete Ereignisse, damit ihr den Verlauf besser nachvollziehen könnt:
Jahreswechsel: Wir verbrachten Silvester zusammen. Alles war vertraut und liebevoll. Am Neujahrstag fuhr ich nach Hause, wir schrieben noch ganz normal miteinander und sie kündigte ein Telefonat an.
Wenige Stunden später erhielt ich plötzlich die Nachricht, dass sie die Beziehung endgültig beende. Anschließend wurde ich blockiert. Ungefähr eine Woche später gab es wieder eine Annäherung.
Frühjahr: Es folgten weitere Konflikte und Rückzüge. Im Mai eskalierte beispielsweise die Planung eines gemeinsamen Wochenendes, weil ich sie gebeten hatte, erst einen Tag später anzureisen. Sie empfand das offenbar als Zurückweisung. Das Wochenende platzte, Gegenstände und mein Wohnungsschlüssel wurden zurückgegeben, teilweise über ihre Mutter. Wieder ein Bruch, wieder Funkstille und später erneut eine Annäherung.
Sommer: Hier möchte ich ausdrücklich auch mein eigenes Fehlverhalten erwähnen. Ich hatte Kontakt zu einer anderen Frau, den ich ihr verschwiegen hatte. Kontakt im Sinne von es musste noch etwas geklärt werden habe mich aber in Smalltalk ziehen lassen. Außerdem hatte ich mich in privaten Nachrichten aus Frust und Wut sehr verletzend über unsere Beziehung geäußert.
Sie durchsuchte meinen privaten Computer und las diese Nachrichten während ich auf der Kindergartenfeier meiner Tochter war. Dass die Inhalte sie verletzten, kann ich nachvollziehen. Das Durchsuchen meines Computers empfand ich allerdings ebenfalls als Vertrauensbruch.
Daraufhin reiste sie wieder ab und es kam zum nächsten Bruch.
Ich bin also keineswegs derjenige, der immer alles richtig gemacht hat. Die wiederholten Enttäuschungen haben auch mein Verhalten verändert. Ich wurde misstrauischer, teilweise sarkastisch und konnte in manchen Situationen meine Emotionen nicht angemessen regulieren.
Unsere Zukunftspläne: Besonders schwierig finde ich rückblickend das Thema Zusammenziehen.
Sie selbst hatte die Möglichkeit angesprochen, zu mir zu ziehen. Wir sprachen über ein gemeinsames Zuhause und eine Zukunft mit unseren Kindern.
Später wurde dann aber gerade die Entfernung zum Problem. Ich könne wegen meiner Tochter nicht einfach zu ihr ziehen und sie wolle ihren Sohn verständlicherweise ebenfalls nicht aus seinem Umfeld reißen.
Das kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Aber diese Umstände waren schließlich von Anfang an bekannt.
September: Mitte September kam es erneut zu einem vermeintlich endgültigen Ende. Sie erklärte, dass wir endlich Abschied voneinander nehmen müssten, weil wir uns sonst immer weiter verletzen würden.
Es folgte eine Phase ohne Kontakt. Trotzdem kam es anschließend wieder zu einer Annäherung.
Anfang Oktober: Wir verbrachten einen gemeinsamen Tag in den Niederlanden. Es gab Küsse, Kuscheln, körperliche Nähe und erneut Gespräche über unsere gemeinsame Zukunft.
Ich sprach meine inzwischen große Angst an, dass sie wieder plötzlich alles beenden könnte.
Ihre Antwort war:
„Ich renne nicht mehr weg.“
Abends richtete sie auch noch das Bett für uns zwei. Ich hatte extra eindringlich nachgefragt ob ich meine Schlafsachen mit hochnehmen solle denn ich könnte auch ins Hotel gehen wenn es "zu schnell" ist.
Wenige Stunden später war wieder alles vorbei.
Kurz zuvor hatte sie eine Sprachnachricht ihrer Freundin bekommen. Ob das irgendeinen Einfluss hatte, weiß ich ausdrücklich nicht.
Sie sagte plötzlich wieder, dass sie das alles nicht mehr könne und etwas in ihr kaputtgegangen sei.
Nach dem ganzen Verlauf war das für mich der Punkt, an dem endgültig etwas in mir zusammengebrochen ist.
Ich bin gegangen und habe anschließend sämtliche Kontaktmöglichkeiten gelöscht und blockiert.
Was ich damit eigentlich sagen möchte:
Es waren nicht einfach zehn Monate, in denen jemand gelegentlich unsicher war oder wir uns mal gestritten haben.
Es war fast ein ganzes Jahr mit wiederholten Trennungen, Versöhnungen, gegenseitigen Verletzungen, neuen Versprechen und teilweise sehr konkreten Zukunftsvorstellungen.
Und jedes Mal, wenn ich glaubte, dass wir endlich an einem Punkt angekommen seien, an dem wir gemeinsam an unseren Problemen arbeiten könnten, wiederholte sich etwas Ähnliches.