Ich verstehe dich auf der einen Seite, weil es mir auch lange so ging, dass mir bald mit Partnern langweilig wurde, weil ich halt oft vielseitiger interessiert und wenn du so willst intellektueller war und bin. Aber gut, das muss auch nicht unbedingt ein Partner leisten, ich habe halt dann zB mit Univ.Profs verschiedener Disziplinen die Nächte durchdiskutiert - und genieße das immer noch.
Geheiratet habe ich allerdings einen Mann, der weithin als Intellektueller gilt, aber darüber hinaus gleichzeitig auch ein wirklich beeindruckendes, buntes Leben führt. Und in dieser Hinsicht stolpere ich eben über deine Selbstbeschreibung und muss leider sagen, du wärst mir zu langweilig. Job, kochen, netflixen und zuhause trinken ist jetzt nichts, was ich nicht auch dem größten Volldeppen zutrauen würde. Jemand, der von seinem faden Job und Frau und dem Leben an sich gelangweilt ist, langweilt eben auch andere. Dass er nebenbei noch wiedergeben kann, was andere erlebt und erforscht haben, ist zwar lieb und nett, aber für mich schlicht und einfach eine sehr langweilige und langweilende Existenz.
Du führst eigentlich ein kleines spießbürgerliches Leben - und dadurch kommst du vermutlich erstens zu wenig in Kontakt mit Menschen, die außergewöhnlich sind, zweitens, diese suchen auch nicht deine Nähe, weil sie dich vermutlich auch nicht für außergewöhnlich und interessant halten. Vielleicht bist du es oder könntest es sein, lebst es aber nicht. Deinen Intellekt spreche ich dir hier nicht ab, aber wenn du dich zB mit Philosophie beschäftigt oder - noch wichtiger - verstanden hättest, dann wüsstest du, dass der leichte Weg der Bequemlichkeit selten der empfohlene für ein ausgefülltes Leben ist. Und das mit Recht.
Ich meine es nicht böse, im Gegenteil, sondern möchte dich etwas zur Nabelschau zwingen. Ich führe ein buntes Leben, in dem Physiker genauso wie Sozial- oder Geisteswissenschaftler, Maler, Schauspieler, Kabarettisten und Musiker aber auch Wirtschaftstreibende und Techniker herumschwirren. Du hast offenbar kaum Freunde, keine Inspiration, kaum eigenen Antrieb und keine Leidenschaft. Zumindest keine, die so weit gehen würde, als dass du mal deinen Hintern hochbekommst. Und das sollest du reflektieren. Ich würde übrigens auch nicht auf Dauer mit einem Mann über Philosophie diskutieren wollen, der sein Leben nicht so lebt, als dass man von einer "Liebe zur Weisheit" ausgehen kann. Da suche ich mir inspirierendere Geister als einen gelangweilten Stubenhocker und Dauer-Netflixer, der noch nicht einmal seine Doktorarbeit dafür nutzte, seinem Forscherdrang zu frönen. Mit Verlaub.
Aber es ist nicht zu spät, suche eine Leidenschaft, die über TV-schauen hinausgeht und brenne dafür. Du bist ja noch jung genug. Dann kommst du auch in Kontakt mit Menschen, männlich wie weiblich, die dir vielleicht ähnlicher sind, die dich inspirieren.
Ich gelte übrigens als "Intellektuelle" (und was @Gorch_Fock jetzt komplett aus der Fassung bringen wird, auch noch als schöne Frau ohne 20 Katzen

), aber ich bewundere umgekehrt viele Menschen. Für das, was sie wissen, aber vor allem für das, was sie sie erlebt haben, was sie sich trauten, riskierten, wo sie sich mit ihrer Lebensgestaltung von gelangweilten Spießbürgern abheben. Dass du das nicht in deinem Leben hast oder kannst, bedeutet entweder, du kennst solche Menschen nicht, was traurig ist, gerade als Doktor. Oder du erkennst sie nicht. Was noch trauriger wäre. Denk mal darüber nach.