Zitat von Apfelmuffin:Eigentlich auch was tolles, wenn man so vielseitig interessiert ist, aber ich empfinde es eher belastend. Wie empfindest du es?
Ehrlich gesagt, gar nicht belastend. Naja, doch, eigentlich schon, solange man sich an den Erfolgen misst. Wenn ich ein Instrument lerne, und am schluss "nur" ein paar Weihnachtslieder kann, kann man das schon als "Scheitern" empfinden.
Andererseits hatte ich bis dahin eine Menge Spaß. Und hab Musik gemacht. Und mein Hirn trainiert. Und jetzt macht es keinen Spaß mehr. Also, auf zum nächsten!
Oder wenn ich Kampfsport mache, und es nicht mal bis zum schwarzen Gürtel schaff... Scheitern? Nein. Ich habe meinen Körper trainiert, mein Selbstbewußtsein in kritischen Situationen gestärkt, viel gelernt usw. usf.
Gelegentlich habe ich dann aber ein paar ganz-oder-gar-nicht-Hobbies nicht angefangen. Haustiere z.B. Da ist es jetzt eher blöd, wenn man mitten drin aufgibt.
Aber sonst... Was spannendes gelernt, Spaß gehabt, eine Facette der eigenen Persönlichkeit entdeckt. Nix scheitern. Streich das Wort "scheitern" aus deinem Wortschatz.
Zitat von Apfelmuffin:An diesem "was man aus sich selber will" hab ich zu knabbern, weil mein Verstand immer direkt anfängt zu überlegen, wie es in meinem Umfeld ankommt, ob das so okay ist, die anderen es gut finden. Das muss ich ablegen. Hab aber jetzt schon Angst, dass ich wieder scheitern werde. Dass ich einfach schon zu lange im Außen lebe, anstatt bei mir.
Mir hat es geholfen, ganz bewußt meinen Ruf zu ruinieren.
Ich bin zu meinem Mann auf den Bauernhof, in ein wirklich winziges Dorf gezogen. Ich war gefühlt die einzige im 100km-Radius, deren Fenster nicht geputzt waren. Dafür hab ich meine Kinder im Tragetuch rumgetragen, und hatte kein Auto. Außerdem hab ich fast nix gemacht, was Frauen machen, dafür viel, was Männer machen. In der Kirche war ich auch nie, und hab auch keinen Kuchen für den Kindergarten gebacken. Interessanterweise haben das einige Leute im Dorf trotzdem akzeptiert, und waren dann doch neugierig auf mich. Jedenfalls hat es sich niemand getraut, mir blöd zu kommen. Und mit den Leuten, die wirklich interessiert waren, konnte ich dann wirklich bedeutungsvoll reden.
Auch jetzt, wo ich im nicht minder kleinen aber anderen Dorf relativ offen die offene Ehe lebe... Ich wunder mich jeden Tag, dass ich nicht darauf angesprochen werde... Aber niemand kommt mir doof. Meiner Freundin, die sich versucht, relativ weit anzupassen, schon.
Jetzt wo ich drüber nachdenk, gab es schon zu Schulzeiten den Ausruf: "Mei, Soja!" wenn ich mich wieder mal in irgendwas vertieft hatte, wo keiner verstanden hat... Lebt sich recht komfortabel so.