Und nun kommen wir langsam zum Punkt. Danke für den text, ich hab das Untenstehende dann schnell selbst gefunden.
geocities.com/stiegelmeyr/Verwoehnerziehung.htm
Nun wäre es an uns, die Fehler unserer Eltern zu sehen, ihnen zu verzeihen und dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuschweben.
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Verwöhnerziehung – Teil unseres Gesellschaftsdilemmas
Da Bildung und Erziehung mithin Wurzeln nicht nur gesellschaftlicher, sondern letztendlich religiöser Wertvorstellungen sind, sei ein Hinweis auf die diesbezüglichen Mißstände mittels eines Kurzaufsatzes in dieser Rubrik erlaubt:
Dro. Verwöhnung
Maßlosigkeit bei Geschenken und Süßigkeiten, Erfüllung aller Wünsche sofort, dauerndes Verhätscheln, Inkonsequenz, In-Watte-Packen bei kleinstem Unwohlsein, Aufgaben oder Konflikte für ein Kind lösen: Verwöhnung hat viele Gesichter - Auslöser für die Beschäftigung mit diesem Thema war eine Tauffeier mit vielen Kleinkindern: Fast alle hatten in der Kirche eine Nuckelpulle im Mund. Und jene, welche noch kein Getränk hatten, brauchten nur in die Nähe ihrer Eltern zu kommen, und schon bekamen auch sie eine Flasche. Ich dachte: Ob sich die Eltern der Wirkung ihres Tuns bewußt sind? Um ein Trinken als Reaktion auf Durst konnte es sich nicht handeln. Es war eine Form der Ruhigstellung. Aber selbst wenn Durst dagewesen wäre: Kann ein Kind keine Dreiviertelstunde warten?
Jeglicher Wollensäußerung im Moment zu entsprechen heißt auch, Auseinandersetzung zu vermeiden und Anspruchsdenken zu fördern. Was, wenn mal wirklich eine Durststrecke ansteht, wenn es Entbehrung kostet, ein Ziel zu erreichen? In dauernder Bedürfnisbefriedigung heranwachsende Kinder werden panisch reagieren. Der Verzicht wird als persönlicher Angriff erlebt, dem mit Aggression begegnet wird.
Ein Blick in die Schule zeigt, wie wenig belastbar Kinder und Jugendliche heute sind, kaum noch fähig, Kraft und Ausdauer als Voraussetzung von Erfolg - und daraus resultierender Zufriedenheit - zu sehen."Jedes Kind hat das Recht, vor verwöhnenden Eltern geschützt zu werden!" las ich dann vor einiger Zeit im Seminarraum eines psychologischen Institutes. Ich fragte nach, von wem der Satz sei. "Wir haben ihn als Ergänzung zur Konvention der Kinderrechte formuliert, er ist die konsequente Folgerung aus langjähriger Beratungsarbeit und vielen Erziehungsseminaren im Geiste der Individualpsychologie Alfred Adlers", sagte mir der Leiter des Instituts. Daraufhin beschäftigte ich mich erneut mit den Gedanken Alfred Adlers, las noch mal den Erziehungsklassiker Kinder fordern uns heraus und setzte mich intensiver mit dem Phänomen der Verwöhnung auseinander.
Als erstes wurde mir klar, daß zwischen Verwöhnung und situationsgemäßer Zuwendung deutlich zu unterscheiden ist.
Zuwendung orientiert sich am anderen, an seinen Entwicklungsschritten, Erwartungen, Möglichkeiten und Grenzen, ist wohlwollend und ermutigend, auf Eigenverantwortung gerichtet. Dagegen tritt Verwöhnung zwar im Gewand der Zuwendung auf, orientiert sich aber an den Bedürfnissen des Verwöhners. Ob nun kontinuierlich Fehlverhalten hingenommen wird, Hürden weggeräumt oder angenehme Gefühlszustände ermöglicht werden, es geht um den eigenen Vorteil, nicht um das Wohl des Kindes.
Ein konfliktfreies Miteinander wird zum Ideal. Erfolg wird ohne Vorleistung erfahrbar, Passivität belohnt. Es lebt sich wie im Schlaraffenland. Das Kind gewöhnt sich an den bequemen Mechanismus, alles leicht zu bekommen. Verwöhnen und Gewöhnen werden ein Paar. Die Folge ist eine Abnahme jeglicher Anstrengung. Das Kind wird permanent entmutigt. Anfangs wehrt es sich noch: "Kann allein" oder "will nicht" - später gibt es auf. Eigene Interessen haben keine Chance zur Verwirklichung, Willens- und Persönlichkeitsbildung findet nicht statt.
Die Kraftlosigkeit führt auf Dauer zu Verwahrlosung, Aggression, letztlich zu Gewalt. Der postmoderne Asoziale steht vor uns. Verwöhnung hat einen hohen, nicht selten lebenslang zu zahlenden Preis.
Es geht um eigene Vorteile, nicht um das Wohl des Kindes. Weshalb verwöhnen Eltern ihre Kinder, Frauen ihre Männer und umgekehrt? Ein zentraler Aspekt liegt in der meist unbewußten Absicht, die eigene Position zu sichern, andere von sich abhängig zu machen. Frauen verwöhnen eher durch aktives Tun, Männer durch Vermeiden von Auseinandersetzung. Frauen verwöhnen häufiger als Männer, und Mädchen werden mehr als Jungen verwöhnt. Dafür haben es Mädchen etwas leichter, diese Deformation ihrer Persönlichkeit als Frau zu leben, da die aus der Verwöhnung resultierende Disposition zu Anpassung und Kompromiß eher mit der traditionellen Rollenerwartung "typisch weiblich" korrespondiert. Wenn Jungen verwöhnt werden, sind die Folgen für sie schlimmer als für Mädchen, weil sie kaum eine Chance haben, den klassisch männlichen Attributen wie mutig, stark, zielstrebig zu entsprechen.
Verwöhnung hat für den Verwöhnenden die Funktion einer emotionalen Lebensversicherung. Der Satz: "Mein Kind ist mein ein und alles" zeigt überdeutlich, wo Veränderung einzusetzen hat. Denn in der Erziehung zu einem mündigen Menschen geht es nicht um "mein ein und alles", sondern darum, die uns anvertrauten Kinder zu einem eigenständigen Leben zu befähigen. Das Kind ist kein kuscheliger Schoßhund, darf fehlendes Glück in der Partnerschaft nicht ersetzen. Verwöhnung treibt das Kind dazu, permanent auf die unterschwelligen Erwartungen des überlegenen Verwöhners fixiert zu sein. Es gibt sich willfährig, hat Angst groß zu werden - weil dann die Zuwendung aussetzen könnte - und konzentriert sich aufs Gefallenwollen. Meist rächen sich solche Kinder später dafür.
Denn wenn Erziehung sich als Verwöhnung etabliert, findet dies gesellschaftlichen Widerhall. Die zukünftige Generation wird zu kraftlosen, ängstlichen, leistungsschwachen, unmotivierten und angepaßten Egoisten, die sich nach Versorgtsein sehnen. Aber auf Dauer wird die vorgegaukelte Leichtigkeit des Seins zur Unerträglichkeit.
Denn so wie der einzelne für seine Verwöhnung zu zahlen hat, muß die Gesellschaft zahlen für jene, die keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Arbeitsunwillige Sozialhilfeempfänger wie Schein-Arbeitslose verteidigen vehement ihren "Leistungsanspruch", die Verpflichtung zum eigenen Engagement lehnen sie brüsk ab. Auch die Familie als Keimzelle der Gesellschaft ist betroffen, weil sie nur existieren kann, wenn die Beteiligten wenigstens ebensoviel einbringen, wie sie selbst herauszuholen erwarten.
Um verwöhnte Leser vor einem Mißverständnis zu bewahren: Es geht nicht darum, die verantwortungsbewußte Umsorgung von Kindern durch Mütter oder Väter in Frage zu stellen. Nein, der jegliche Aktivität blockierenden Verwöhnung wird der Kampf angesagt, weil sie Hilfsbedürftigkeit produziert.
Es geht darum, daß der einzelne "das wunderbare Gefühl rechtschaffener Erschöpfung" spürt, zufrieden auf ein mit Mühe Geschaffenes blicken kann, wie es Patrick Süskind in dem Buch Das Parfum beschreibt. Es geht um die Ermutigung zur Auseinandersetzung, um ein emotional-soziales Krafttraining, das sich am anderen orientiert.
Die wachsenden Erwartungen an Familie, Schule, Beruf und Freizeit erfordern vom einzelnen ein hohes Maß an sozialer Investitionsbereitschaft. Aufgeweichte Jammergestalten, ideenlos, frustriert, ohne Kraft, Mut und Zukunftsperspektive gibt es schon genug. Damit kann weder die Verantwortung für die nachwachsende Generation übernommen noch der Wirtschaftsstandort Deutschland abgesichert werden. Wie äußerte sich Bundespräsident Herzog vor einigen Monaten: Das große Problem in Deutschland sei eine "mentale Depression". Freude, Stolz, Zuversicht und Erfolg sind der Aura der Verwöhnung erlegen.
Ob Einsicht, Zeit und Kraft reichen, die Mutation vieler Zeitgenossen zum Homo schlaraffiensis rückgängig, dem Lebensideal als Made im Speck den Garaus zu machen?
1.10.1998, Quelle: Zeit-Archiv (Plädoyer für eine andere Erziehung Von Albert Wunsch)
Der Autor, Jahrgang 1944, hat zwei Kinder und ein Enkelkind. Nach einer Lehre als Kunstschlosser wurde er Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler. Seit 1974 leitet er das Katholische Jugendamt Neuss
Beiträge aus aktuellen Tageszeitungen:
1. "Ihr Beitrag im Wochenmagazin "Kinder brauchen Grenzen" von Prof. Dr. Peter Struck zum Thema Erziehung vereinigt den Kernpunkt einer guten Erziehung. Erziehung ist Grenzerfahrung. Ich arbeite sehr viel mit Kindern verschiedener Altersstufen zusammen und habe durch das lange Begleiten der Kinder auf ihrem Lebensweg vom 10jährigen bis zum Führerscheinalter ihre Entwicklung sehr genau verfolgen können.
Prägen wäre zuviel gesagt, aber auf mehrwöchigen Fahrten mit Kindern sieht man ein erstaunlich schnelles Adaptionsvermögen des Verhaltens an die neuen Grenzen/Erziehungsmethoden. Am Ende einer solchen Fahrt werden plötzlich Grenzen eingehalten, die zuvor undenkbar schienen. Diese Werte werden dann mit nach Hause genommen und bleiben der Gruppe sogar unter dem Jahr bei den wöchentlichen Treffen erhalten.
Ich denke, Kinder wissen um die Grenzen, wissen aber auch, wann sie sie überschreiten dürfen und wann nicht. Ich stelle auch fest, dass es durchaus auch eine Freude für die Kinder ist, diese Grenzen zu akzeptieren und an ihre Freunde weiterzugeben. Sind also immer dieselben Rahmenbedingungen gegeben, bekommt das Anerkennen von neuen (alten) Werten eine positive Eigendynamik. So habe ich nicht selten erlebt, dass Probleme in einer Gruppe nun von innen heraus bearbeitet werden."
2. Mütter mit Erziehung oft überfordert Mangelnder Respekt der Kinder beklagt
München (AP). Mütter fühlen sich mit der Erziehung ihrer Kinder zunehmend überfordert. Dies ergab eine am Sonntag veröffentlichte Studie im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus" unter rund 1.000 Müttern von drei bis zwölfjährigen Sprößlingen. Danach räumt jede sechste Frau ein, von ihrem Kind schon tätlich angegriffen worden zu sein. 81 Prozent der Befragten erklärten, ihren Kinder wieder traditionelle Werte wie Autorität vermitteln zu wollen; gleichzeitig beklagten jedoch rund 40 Prozent mangelnden Respekt ihrer Steppkes.
Eigene Inkonsequenz - Fehlverhalten des Kinds, das an einem Tag gestraft wird und am nächsten wieder nicht - gestehen 74 Prozent der Mütter ein. 66 Prozent sind der Ansicht, ein Klaps schade ihren Sprößlingen nicht; 38 Prozent setzen ihn auch gelegentlich ein. Am häufigsten kommt es zu häuslichem Krach über Themen wie Aufräumen (65 Prozent), Fernsehkonsum und Surfen am Computer (55 Prozent) und das Zubettgehen (54 Prozent).
In punkto Strenge besteht den Angaben zufolge ein Gefälle zwischen Stadt und Land. Eltern in Großstädten legen deutlich weniger Wert darauf, ihren Kindern Grenzen zu setzen (67 Prozent) als Familien in kleineren Gemeinden (88 Prozent). Während in ländlichen Gebieten nur 27 Prozent bei einem Wutausbruch ihres Kindes nachgeben, lassen 47 Prozent der Großstädter in einem solchen Fall ihren Sprößling gewähren, auch wenn sie sich im Recht fühlen.
3. Erziehung - Natur 1:1 - Einfluß der Eltern auf Kinder größer als gedacht
Hamburg (ots). Glaubt man den spektakulären Ergebnissen der modernen Zwillingsforschung, dann sind Charakter und Intelligenz, Vorlieben und Talente, sogar Partner- und Berufswahl zum größten Teil von der Natur vorgegeben. Das hieße auch, dass der Einfluss der Eltern auf ihre Kinder nur begrenzt wäre. Diese Meinung widerlegt die monatliche Familienzeitschrift Familie&Co in ihrer neuesten Ausgabe.
Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest Burke im Auftrag von Familie&Co sind 52,8 Prozent der deutschen Eltern davon überzeugt, dass Erziehung und Umwelt der Hauptfaktor für die Persönlichkeitsentwicklung sind. 78,5 Prozent lauben, dass Erziehung den Charakter formt. 76 Prozent sind der Meinung, dass die ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung am wichtigsten sind.
Um zu klären, welche Rolle Vererbung tatsächlich bei der Persönlichkeitsentwicklung spielt, sprach Familie&Co mit Zwillings-Eltern aus ganz Deutschland über ihre Erfahrungen. Namhafte Psychologen, Genetiker und Zwillingsforscher gaben zudem Auskunft über die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft. "Das Wesen des Menschen wird zu 50 Prozent durch Erbanlagen, zur anderen Hälfte durch die Umstände beeinflusst, unter denen er aufwächst", so der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Struck. "Gene sind auf keinen Fall Programm", bestätigt auch der Berliner Persönlichkeitspsychologe Prof. Dr. Jens B. Asendorpf. "Die Entwicklung ist ein Wirkungsprozess zwischen Umwelt und Anlage, wobei die Gene auf bestimmte Umwelteinflüsse treffen müssen, um ausgelöst zu werden."
4. Internet lockt: Surfen statt denken - Pädagoge warnt vor Folgen der schnellen Information
Von Jens Voss
Bonn (RP). Büffeln ade, es klingt so schön: Fakten, Formeln, Grafiken - alles auf Festplatte gespeichert oder abrufbereit im Internet. Wissen - nur noch ein technisches Problem in einer Gesellschaft, die sich wortselig "Wissensgesellschaft" nennt. Die Sache hat nur einen Haken: Man weiß nur, was man weiß. Mit diesem lapidaren Satz stört der in Bonn lehrende Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin die Plausibilität der Vorstellung, man könne abgespeicherte Informationen einfach abrufen und dann eben "wissen". "Computer und Internet" , spottet der Professor, "sind die letzte Hoffnung darauf, das Lernen zu vermeiden".