Zitat von PapaInWarteschl: Sorry dass ich das anders sehe, aber ich habe immer versucht, erwachsen zu agieren.
Als sie in ihre digitale Welt abgedriftet ist, habe ich den Haushalt geschmissen, mich um alles gekümmert.
Als sie meinte, sie wisse nicht, was sie fühlt und braucht Zeit, habe ich ihr Zeit gegeben.
Als sie anfing, mich schlechter zu behandeln, habe ich trotzdem alle FA-Termine mitgemacht, war bei der Geburt dabei usw.
Ich habe stets alles versucht auszublenden und sie gewähren zu lassen, damit das Kind eine heile Welt bekommt, damit wir uns auf das Kind konzentrieren können usw.
Und in dem Moment, in dem ich einfach meine Grenze erreiche und einfach nicht mehr kann und gehe, fangt sie an, mich mit einem Mix aus Gefühlsduselei und Hass zu überziehen.
Ich bin auch nur gegangen, um im Kopf gesund genug zu bleiben, um ein guter Vater sein können.
Sie weiß das und trotzdem will sie mir immer einen reindrücken?
Und dann sind wir beide nicht erwachsen, weil ich ihr nicht mehr bei allen entgegenkomme? Weil ich auch mal auf mich schauen muss?
Hätte ich in so einer Situation den Hangman gespielt oder so etwas, dann hätte keiner gesagt "oh er war nicht erwachsen".
Lies dir bitte nochmal meinen ersten Beitrag in deinem Strang durch, da ging es genau um eure Dynamik. Und ehrlich gesagt ist gestern im Grunde genau das wieder passiert. Das meine ich gar nicht als Vorwurf, sondern eher als Beobachtung von außen.
Sie kommt mit diesem Thema um die Ecke, Treffen, wohin mit der Kleinen, alles noch völlig vage und ohne konkrete Planung. Für dich ist das aber kein neutraler Gedanke, sondern etwas, das dich voll erwischt.
Da geht sofort das Kopfkino los, mit all den Bildern, die man in so einer Situation eben hat: sie mit ihm, Nähe, Intimität, vielleicht sogar die Vorstellung, dass eure Tochter irgendwo in der Nähe ist. Dass einen das innerlich komplett durchschüttelt, ist absolut nachvollziehbar.
Nur genau an diesem Punkt kippt es dann. Statt kurz innezuhalten und dir klarzumachen, dass das gerade noch gar keine reale Situation ist, sondern erstmal nur ein Gedankenspiel von ihr, gehst du voll rein. Du fängst an zu reagieren, dich zu positionieren und bist damit schon mitten drin.
Und dann nimmt eure Dynamik ihren Lauf: Du reagierst auf etwas, das dich triggert, sie fühlt sich davon wiederum angegriffen oder eingeschränkt, geht hoch und schon schaukelt sich das Ganze wieder gegenseitig hoch. Genau dieses Hin und Her hält euch beide fest.
Ich verstehe total, dass du irgendwann einfach sagst, du kannst nicht mehr. Und ich sehe auch, wie viel du getragen hast, das will ich dir wirklich nicht kleinreden. Und ich kann auch verstehen, dass sich das für dich gerade extrem unfair anfühlt.
Aber im Moment passiert etwas anderes: Du reagierst nicht mehr ruhig und überlegt, sondern aus dem Impuls heraus und genau das hält diese Spirale am Laufen, auch wenn du dir eigentlich Ruhe wünschst.
Was bei dir da gestern so eingeschlagen hat, war eben nicht nur eine Frage, sondern ein richtiges Triggerbömbchen. Da hängen Verletzung, Wut, Eifersucht und Ohnmacht mit drin. Und ja, dass dann auch Gedanken kommen wie "Das will ich nicht unterstützen" oder der Impuls, ihr das Ganze schwer zu machen, ist menschlich. Das darf erstmal da sein.
Aber - und das ist der unangenehme Teil - du hast darauf keinen Einfluss mehr. Ihr seid kein Paar mehr. Wenn sie sich mit Next treffen will, wird sie das tun, egal wie. All die Energie, die gerade ins Verhindern oder Kontrollieren geht, läuft ins Leere und macht es am Ende nur noch schlimmer zwischen euch.
Und noch etwas Wichtiges: Du schreibst hier - nicht sie.
Das heißt, man kann nur dir hier Möglichkeiten aufzeigen, wie du mit der Situation umgehen kannst. Sich seitenweise über ihr Verhalten aufzuregen, ihr Leben zu bewerten oder verstehen zu wollen, bringt dich keinen Schritt weiter.
Was dir eher hilft, ist klarer zu trennen, was dein Bereich ist und was ihrer.
Ihr Leben, ihre Entscheidungen, ihr Verhalten als Frau gehört zu ihr. Da kannst du nichts mehr steuern oder vorschreiben.
Dein Bereich ist du selbst und eure Tochter. Da kannst du schauen, was für dich stimmig ist, was eure Tochter braucht und welches Tempo für dich passt.
Und ich glaube, genau dieser Schritt, diese Trennung wirklich anzunehmen, ist gerade das, was dir am schwersten fällt. Weil du innerlich noch reagierst, als wärst du Teil davon.
Genau da hast du aber auch eine Wahl: Du musst nicht über jedes Stöckchen springen. Du kannst dir diesen Moment zeit nehmen, innehalten, durchatmen und erkennen, was da gerade passiert, bevor du reagierst.
Wenn du das schaffst, veränderst du nach und nach auch eure Dynamik. Nicht, weil sie sich plötzlich anders verhält, sondern weil du an genau diesen Punkten anders damit umgehst und dein sonst übliches Verhaltensmuster änderst.
Und bei allem, was gerade zwischen euch als Eltern passiert, vergesst bitte eines nicht: Eure Tochter sitzt mittendrin. Sie spürt jede Spannung, jede Eskalation, jede Unruhe. Für sie ist das kein Streit um Recht oder Unrecht - für sie ist das ihre Realität.
Sie braucht keine perfekten Eltern, aber sie braucht mindestens einen, der in solchen Momenten ruhig bleibt, sich selbst regulieren kann und ihr Sicherheit gibt, wenn es zwischen euch als Eltern gerade schwierig ist.