Zitat von IvanDrago: Wie passt das für dich zusammen?
Fällt dir das überhaupt auf und kannst du dir vorstellen, wie das von außen betrachtet wirkt?
Indem ich am Ende des Tages immer noch ein Mensch bin, ein Vater, ein Mann, der die Frau noch liebt, mit der er ein Kind hat, unabhängig mal davon, was sie getan hat und wie gerne viele sie in ein Flammenmeer werfen wollen würden.
Es wirkt sicherlich alles andere als unabhängig, als frei, als gefestigt und als stark.
Und dazu stehe ich auch.
In mir sind einfach zwei Seiten.
Die eine Seite, die aktiv an einer eigenen Zukunft arbeitet, hofft, bald aus dem Mietvertrag zu sein und eine eigene Wohnung zu beziehen, die aktiv für das Kind da ist, eine Weiterbildung für sich macht und ins Gym geht. Eben die Seite, die sich langsam festigt und auch mehr und mehr Anteile am täglichen Leben für sich beansprucht.
Die andere Seite aber, ist die, die eben noch fühlt, die nicht einfach sagen kann "Die Frau ist Dreck, sie hat dich betrogen usw.", weil am Ende, ja, ist viel Schaden angerichtet worden, aber sie hätte genug Chancen gehabt, längst weiterzugehen, hat es aber nicht getan. Sie bittet mich nicht mal mehr um Hilfe, trotzdem aber spricht sie von sich selbst immer wieder an, dass sie sich nicht sicher ist, sie mich nicht aufgeben will usw - und dafür bekommt sie nichts mehr aktuell und macht es trotzdem.
In meinem Leben war ich schon an diversen Extremen, es gab eine Zeit in den Teenie-Jahren, da habe ich jegliche Formen von geistiger und psychischer Erkrankung als Schwachsinn, lebensunwert usw. bezeichnet. Bis ich Menschen damit kennengelernt habe. Menschen, die genau so toll und blöd sein können wie wir alle und die sich alle ihr Schicksal nicht aussuchen. Seit jenen Tagen möchte ich keinen Menschen mehr einfach mit Stempel bewerten.
Das ist leicht und einfach, aber geht an der Lebensrealität komplett vorbei. Es ist ein wenig wie manche Kommentare hier. Der Stempelkasten ist leicht gezückt, die jeweilige, individuelle Lebensrealität eines Menschen zu betrachten kostet Kraft und manchmal auch die Einsicht, dass Stempel unnötig sind.
So sehe ich das hier. Meine Ex hat sehr viele Fehler gemacht und viele Schmerzen verursacht. Aber ich habe es danach nicht besser gemacht, ich habe nicht besser gehandelt. Ich habe Stempel gesetzt anstatt zu verstehen.
Deshalb möchte ich jetzt nicht einfach eine Tür zuschlagen, einen Stempel darauf drücken und mich abwenden. Nein, ich möchte ihr und mir die Chance geben zu sehen, ob sie einen Stempel verdient oder ob dahinter wirklich etwas Ungewolltes steckt.
Wenn ich am Ende aus der ganzen Sache rausgehe und merke, ich habe die Zeit mit ihr verschwendet, dann ist das so. Aber ich kann mir zumindest im Spiegel in die Augen schauen und sagen, ich habe menschlicher gehandelt als jemand, der sie einfach direkt verbannt hätte.
Damit beantworte ich denke ich eine Frage sehr gut. Ich will Mensch sein, keine Maschine. Ich will Chancen bieten und offen bleiben, Menschen in einer Extremsituation nicht ausgrenzen und erniedrigen, sondern Räume geben.
Und vor allem: Ich will die Chance, dass meine Tochter nach einer harten Zeit Mama und Papa gemeinsam am Frühstückstisch hat, solange erhalten, bis es gar keinen Weg mehr gibt.
Mensch statt Stempel. Lebensrealität statt Vorurteile.
Zitat von Stella31: Woher kommt deine tiefe Unsicherheit, dass du wegen jedem kleinsten Schritt in Foren fragen musst, ob du was tun oder nicht tun sollst?
Ob du ihr Windeln fürs Baby kaufen sollst wenn sie erbricht?
Ja ist das denn nicht selbstverständlich?
Wenn du doch Zeit hast und sie sonst niemand in der Nähe hat, der helfen könnte? Und du schließlich der Vater eures Kindes bist?
Aus dem Fehler, den ich von Anfang an begangen habe: Mich in Foren kirre machen zu lassen und jede einzelne Aktion, die ich gemacht habe, von fremden, teils selbst hasszerfressenen oder oberflächlichen (da sind wir wieder bei Stempeln) Benutzern, zerrissen und vorgehalten zu bekommen.
Man vergisst, sich selbst zu helfen, man vergisst, seine eigenen Maßstäbe anzulegen, man vergisst sogar, dass man am Ende alleine für seine Handlungen dasteht und das verunsichert am Ende massiv.
Aber es stimmt. Jetzt wo ich das schreibe, bemerke ich es erst selbst. Ich habe bei so vielen Dingen mich 1000 mal gefragt, was sagen Leute in Foren dazu, aber nie: Was sage ich selbst dazu?
Es ging selten darum, selbst die Ameise in seinem Bau zu sein, sondern vielmehr darum, die "Kinder mit dem Brennglas" zu fragen, die von außen draufblicken.
Danke für die Einsicht.