Zitat von Stella31: Zb. deine Aggressionsausbrüche, die Tendenz zu Suizidalität, die enorme Unsicherheit bzgl. zum Teil kleinster Schritte, die du zu tun hast.
Völlig korrekt, darüber rede ich auch in der Therapie. Dort habe ich aber auch gelernt, dass ich über Dinge, die mich beschäftige, reden soll und nicht in mich reinfressen soll. Ich war über viele, viele Jahre in meiner Jugend ein Mensch, der durch, mit und für andere gelebt hat. Ich hatte immer Leute um mich geschart, die Hilfe brauchten und mein Glück im Lösen dieser Probleme gesucht.
Ich habe viele Freunde weinen sehen, habe welche "auf eigenen Wunsch" gehen sehen oder auch einfach durch Unfälle verloren. Viele davon habe ich verarbeitet, einen vermutlich nie. Die Person war jene, die nie von mir gefordert hat. Nein, wir waren wie 2 Komponenten eines Getränks, das nur zusammen schmeckt, immer ausbalanciert. Was der eine verlor, fand der andere, was der eine riechen und schmecken konnte, konnte der andere sehen und hören.
Naja, manchmal reichen Sekunden des Schlafs zur falschen Zeit und man blickt für immer auf einen leeren Platz mit der Frage: Was hätten wir noch erreichen können?
Ist auch egal. Ich bin dabei, das alles zu verarbeiten. Meine Aggressionen kommen hauptsächlich aus mir und dem darin liegenden Hass auf meine Unfähigkeit, Menschen zu halten, die mir etwas bedeuten. Früher glaubte ich, Alk. wird mich da rausholen und wenn ich daran früh sterbe, sehe ich wenigstens jene wieder, die ich vermisse. Mehr als ein Jahrzehnt war das weg, der leere Platz erfüllt mit einer Beziehung, die anders war als alle anderen davor. Ich musste mich nicht auf die Weise verstellen, wie davor. Ich musste keine Perfektion zeigen - naja, zumindest nicht bis kurz vor dem Ende.
Ich weiß, dass ich sehr unsicher bin, weil ich mir nicht mehr selbst vertraue. Ich fühle mich zurückgesetzt in eine Zeit, in der alle um mich herum gingen und ich die Flucht in die Onlinewelt selbst antrat, begleitet vom Alk.. In der ich glaubte, eine extrem rechte Gesinnung und Hass auf alles, was nicht "von hier" ist, würde meine eigenen Defizite im Umgang mit mir selbst lösen oder verschleiern. Alles kompletter Quatsch.
Nur dass ich jetzt weiß, dass weder das eine noch das andere etwas bringt.
Ich bin es gewohnt, lange, oft und manchmal über Monate oder Jahre der Boxsack und Mülleimer für andere zu sein - verbal, meine ich. Wenn meine Hilfe nichts einbrachte, war ich für einige Tage außen vor, klappten sie hingegen, wusste ich, dass es ein weiterer Schritt hin zum Ende dieses Zweck-Freundschaft war.
Ja, es gab andere, bei denen ich auch mal weinen konnte. Die mich in den Arm genommen haben. Aber das Leben hat das auseinander gebracht, sei es durch Partnerschaften, Jobs oder Versterben.
Ich schaue auch deshalb so oft zurück, weil ich versuche, meine Fehler zu sehen. Sie sagt mir immer nur, ich hätte nichts falsch gemacht und es wäre nur ihre Schuld. Das aber bringt mich nicht weiter. Im Gegenteil, es zieht mich zurück, lässt mich alles immer wieder und wieder zerdenken.
Ich erkenne, dass ich in der Schwangerschaft nicht nur Partner war, nicht nur Partner und werdender Vater, sondern auch Vater der Ex. Bevormunder. Manchmal sicher auch Bremsklotz bei manchen Dingen, bei denen ich Angst hatte, sie könnte sich plötzlich anderweitig verlieben. Eigentlich so, wie sie auch immer war.
Nur dass ich Dinge komplett geblockt habe, sie hingegen hat mir während der Arbeit oder wenn ich unterwegs war, viele süße Sachen voller Liebe geschrieben.
Wir waren irgendwie wie zwei, die eigentlich schon ertrinken sollten, aber gemeinsam noch an die Oberfläche gekommen sind, ein Boot gefunden haben. Zu einer Insel gerudert sind und etwas aufgebaut haben. Beide immer in der Angst, wenn ein schönes Schiff kommt, könnte der andere vielleicht gehen und von allem, was man geschafft hat, bliebe nur noch man selbst und die Insel.
Also: Am Ende ist es fast egal, was man mir schreibt, wie man mich beleidigen will oder welche Fähigkeiten mir abgesprochen werden. Ich wurde schon von fast allen beleidigt und enttäuscht, Lehrer, Freunde, entfernte Verwandte, Fremden. Trotzdem stehe ich noch und das wird niemand ändern können.