Ich könnte mich gerade selbst metaphorisch ohrfeigen, ganz ehrlich.
Heute war ja grottiges Wetter, ich war bei Ex und mit der Kleinen alleine im Kinderzimmer, über eine Stunde eine schöne Zeit gemacht, mit ihr geredet, gewickelt, gefüttert, gekuschelt - halt alles, was gute Qualitytime so ist.
Irgendwann kam Ex rein und ich hab wie immer gefragt, wie die Kleine zuletzt war, ob ich etwas bestimmtes wissen muss usw., also das, was ich als Vater eben immer frage.
Plötzlich setzt sie sich auf den Boden, atmet ganz komisch ein und fängt völlig aufgelöst an, wie schlimm die Kleine gestern Nachmittag, Abends und in der Nacht war, dann fing sie an zu weinen, dass momentan einfach alles sche*ße im Leben ist, dass ihre Stirnbehandlung nicht zu klappen scheint, ihr Magen ihr echt Angst macht, dass sie irgendwann umkippt, sie isst nur noch 300-500 kcal am Tag und versucht es, aber mehr geht nicht. Sie hat Angst, zu sterben und nicht mehr zu sehen, wie die Kleine groß wird und was für ein toller Papa ich sein werde usw.
Ich saß einfach da, völlig perplex im Inneren, nach außen kalte Miene. Anstatt dann zu sagen "Wird schon wieder" hab ich dann - einfach weil es mich seit Wochen nervt, dieses Thema Magen - richtig losgelegt und ihr erstmal gesagt, was sie eigentlich ihrem Körper für eine absolute Sche*ße unterzieht. Nur noch Proteinfraß, kommt am Tag aber maximal auf einen Liter trinken, ihre ganzen Zusatzsachen wie Collagen u.a. - all das ist total falsch, sie sollte endlich mal aufwachen von ihrem Trip und erstmal wieder lernen, normal zu essen.
Dann blickt sie mich länger an, sagt schluchzend "Ich hab die letzten Tage sogar Süßigkeiten gegessen, die machen keine Probleme" und dann hab ich ihr gesagt: "Dann iss endlich mal wieder mehr Kohlenhydrate, du bist momentan gar nicht in der Lage, den Lebensstil zu führen, den du bei der Proteinzufuhr brauchst."
Sie dann: "Meinst du?" - "Ja."
"Ja, aber du isst doch auch so viele Proteine" meinte sie, ich dann "Ja und ich geh ins Gym und ich trinke 3,5l Wasser am Tag."
Dann hat sie nichts mehr gesagt, ist irgendwann aufgestanden um sich das Gesicht zu waschen und die Nase zu putzen.
Ich bin dann etwas später wieder los, musste noch einen Abendtermin auf der Arbeit wahrnehmen.
Sie meinte dann "Danke für deine Tipps. Du musst mir nicht helfen und tust es trotzdem. Danke".
Ich hab dann gemeint "Wenn damit endlich das Selbstmitleid aufhört, gut. Wir haben eine Verpflichtung ihr gegenüber" - ich hab auf unsere Tochter gezeigt - "und damit auch uns gegenüber. Wir sehen uns morgen beim Kinderarzt."
Und dann bin ich gefahren. Warum zum Teufel habe ich mich auf das eingelassen? Warum ihr noch einen Tipp gegeben? Es ist genau die gleiche, jämmerliche Version von mir, die immer noch nicht erträgt, wenn jemand leidet. Immer noch die schwache Version, die allen helfen will. Dabei hab ich mich die letzten Tage so viel besser gefühlt.
Es ärgert mich gerade so extrem.