Sternenguckerin
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Zitat von PapaInWarteschl:Dann brach es aus Ex in einem Schwall heraus, dass es falsch war, sie einzuladen, sie hat gemeint, als sie sah, wie ihre Mutter die Kleine auf dem Arm hatte, hat sie so einen Hass gespürt und gedacht "Wieso hab ich diese Liebe von ihr nie bekommen?" und dann hat Ex ihre Mutter wohl angesprochen, warum sie sie immer als "fett und hässlich" bezeichnet hat.
Die Mutter meinte dann, sie kann sich daran nicht erinnern, vermutlich war sie betrunken und was man betrunken sagt, kann man eh nicht für voll nehmen, meine Ex soll sich also da jetzt nicht so anstellen.
An dem Punkt war es für meine Ex dann wohl vorbei.
Ich wusste also: Die Mutter muss da echt weg, das eskaliert sonst und mein Kind ist mitten drin. Bin raus zur Mutter, die meinte auch direkt, sie will da weg. Sie hat aber keine Taxinummer gefunden und kommt da nicht weg. Sie wüsste ja nicht mal, wie sie mit den Bussen und Zügen nach Hause kommt, den Hinweg hatte man ihr ja bei der Bahn ausgedruckt.
Ich hab ihr dann erklärt, dass der Weg leicht ist, sobald sie erstmal an einem bestimmten Bahnhof ist (zu dem gestern wegen Bauarbeiten von hier kein Zug, sondern nur ein Bus fuhr). Dann hab ich ihr eine Taxi Nummer rausgesucht, sie hat da angerufen und gemeint, sie will dann bis zu dem Bahnhof gefahren werden. Ist ja ihr Geld.
Hab ihr dann bei WhatsApp nur geschrieben, welches Gleis und welchen Zug sie dann nehmen muss und dann fährt sie eh durch.
Ich bin dann einmal kurz hoch zur Toilette und als ich runter kam, waren die beiden wieder am Streiten. Bin direkt in das Wohnzimmer, hab mich dazwischen gestellt und gesagt "Ruhe, alle beide. Hier ist ein Kind im Raum, meine Tochter. Entweder nehme ich sie und gehe raus oder ihr beiden lasst es sein. Verstanden?"
Ex wollte das Kind nicht hergeben, aber beide hörten auf zu reden. Die Mutter hat sich dann mit Koffer und Tasche vor die Haustür gesetzt. Ich war so nett, hab ihr noch eine Flasche zutrinken mit gegeben, waren immerhin fast 30°C.
Sie meinte dann noch "Immerhin einer kümmert sich, ich hab nicht mal ein Handtuch bekommen, kaum Essen und Trinken und Madame pennt bis 13 Uhr". Ich hab dann nur gesagt, dass ich hoffe, dass die Heimreise gut ist, dass es von beiden Seiten ja gut gedacht war, sich so vielleicht näher zu kommen (sagte Ex gestern auch) und es halt nicht sein soll.
Bin dann wieder rein und hab mir erstmal die Kleine genommen, weil Ex jetzt schon heftig am Weinen und Schluchzen war. Ich wollte aus dem Raum gehen und Ex meinte dann "Nein, bitte. Bleib hier. Ich möchte euch sehen, ich kann nicht alleine sein."
War für mich natürlich irgendwie schwer, ich wollte nichts davon mitbekommen, gleichzeitig kannst du aber einer nach Hilfe ausgestreckten Hand keine watschn und weggehen.
Ex hat auch nicht viel geredet, ihre Worte wurden immer wieder durch Weinkrämpfe über den Haufen geworfen.
Ich wusste auch nicht, was ich tun sollte, hab nur gemeint, dass es gut wäre, wenn sie den Abend nicht die ganze Zeit alleine ist, dass sie bitte schauen soll, mit jemandem zu reden. Ihrem Vater, ihrem Freund, notfalls meine Mutter (ich weiß halt, dass meine Ex unglaublich vertrauensvoll immer mit meiner Mutter geredet hat, egal wie extrem die Probleme mal waren, wie z.B. Tod auf der Arbeit).
Dann meinte sie: "Ich hab meinem Papa geschrieben, der ruft mich irgendwann an. Wenn du nach Hause fährst, kannst du dann deine Mama fragen, ob sie auch Zeit hätte?" Ja, hab ich dann auch gemacht.
Hab dann aber auch einige Takte gesagt, als Ex sowas meinte wie "Immer haben alle anderen bei meiner Mutter schuld, sie niemals. Sie macht keine Fehler, alle anderen aber schon" oder auch "Ich könnte [Name unserer Tochter] niemals so etwas antun. Allein der Gedanke daran..." -> wieder Weinkrampf.
Ich hab dann gesagt: "Ja, das glaube ich dir. Aber mit jedem mal, in dem du dein Trauma erneut durchlebst, wirst du mehr wie deine Mutter. Sorry, dass ich das so sage. Du hast gerade sagt, immer sind andere schuld. Kommt dir das bekannt vor?"
Schaut sie mich langsam und verheult an. Weint wieder. "Du meinst mich oder?"
Ich nickte.
"Ja, du hast recht. Ich behandle alle schlecht, auch wenn man mir so viel hilft. Vor allem dich. Du gibst alles und bekommst von mir nur Hass ab."
Hab dann gemeint "Es geht nicht um mich. Es geht darum, was wir [Name unserer Tochter] an Werten mitgeben. Du kannst eine fantastische Mutter sein, aber dieses Trauma macht immer wieder viel kaputt."
Sie fing wieder stark an zu weinen und meinte dann "Ich kriege einfach nirgends Hilfe, überall muss man Monate warten."
Und dann kam was, das war überraschend: "Kannst du deine Mutter auch fragen, ob sie morgen bei ihrer Therapeutin anrufen kann und für mich einen Termin machen kann? Bei dir ging das ja auch schnell".
Hab ich dann ebenfalls gemacht und siehe da: Heute morgen hat meine Mutter da angerufen. In 3 Wochen kann Ex zum Gespräch kommen.
Ich hoffe, sie nimmt das alles dann auch wirklich wahr.
Abends rief mich Ex dann nochmal an, hat sich bedankt dass ich geholfen habe und so locker und klar war. Sie selbst hätte es nicht mal hinbekommen, ihre Mutter rauszuwerfen.
In dem Gespräch ist eine Sache von ihr gesagt worden, die ich bemerkenswert klar fand: "Ich habe viele Narben wegen meiner Mutter, seelisch und körperlich. Wenn ich in den Spiegel sehe, dann sehe ich die Narben des Fettfressens und des Wiederabnehmens. Ich sehe mich und ich hasse mich. Ich hasse das, was meine Mutter mir angetan hat, also hasse ich auch mich. Ich werde nie schön sein können, mich nie schön fühlen können."
Das tat mir ehrlich und wirklich leid, denn bei all dem, was in ihr so ist: Sie ist eine hübsche Frau, das war sie immer und wird sie auch immer sein, das kann ich so auch sagen. Selbst ohne Liebesgefühle für sie.
Ich hab ihr dann nur gesagt, dass eine Therapie ihr dabei helfen kann. Sie meinte "Ich brauche das wirklich dringend".
Und sie sagte noch, dass es traurig ist, dass sie meine Mutter eher wie eine Mutter liebt als ihre eigene, dass sie von meiner Mutter mehr Liebe bekommt als jemals von ihrer Mutter.
Ach Mensch, ich könnte heulen, wenn ich das lese. Deine Ex und ihre Mutter – das könnten 1:1 ich und meine Mutter sein. Ich kann die Gefühle deiner Ex da zu 100% nachvollziehen. Ich wäre auch komplett ausgetickt bei dem Spruch "ich war da besoffen und wusste eh nicht, was ich sage, also stell dich nicht so an". Null Empathie, null Verantwortungsübernahme. Meine Mutter sagt zwar auch ab und zu, dass ihr alles von früher Leid täte, aber was nützt das, wenn dann trotzdem immer wieder solche Dramen und Sprüche kommen? Gut, dass die Mutter deiner Ex jetzt da weg ist. Und gut, dass deine Ex sich zur Therapie bereit erklärt hat. Hoffentlich nimmt sie die dann auch wahr und lässt sich darauf ein. Und hoffentlich schafft sie es dann auch bald, diesen bescheuerten Esten aus ihrem Leben zu kicken. Der ist doch nur eine unbewusst gewählte Reinszenierung ihres Traumas mit seinen abwertenden Sprüchen über nicht-dürre Frauen.
Das Problem ist, dass die Erfahrung des Zum-ersten-Mal-Mutterwerdens oft GANZ viel an alten, unverarbeiteten und verdrängten Traumata an die Oberfläche holt. Ich wurde damals bei meinem ersten Kind auch komplett überrollt davon und hätte im Leben nicht damit gerechnet. Deine Ex tut mir eigentlich wahnsinnig Leid, trotz der ganzen sch., die sie gebaut hat. Hoffentlich kann sie aus der Therapie dann viel mitnehmen.
Und für dich hoffe ich, dass es schon sehr bald klappt mit einer eigenen Wohnung. Du bist auf einem sehr guten Weg und ich finde es toll, wie du dich weiterentwickelst, für dich und deine Kleine sorgst, die Trennung gut verarbeitest und dein Leben im Griff hast.