Zitat von Sternenguckerin: Klar kann man es begrenzen, wenn deine Ex sich tatsächlich in Therapie begibt, hoffentlich einen guten Therapeuten bekommt, sich darauf wirklich einlässt und sich da reinkniet. Aber das muss sie wollen und da ist Mitarbeit von ihr gefordert.
Nach meinem Besuch heute zweifle ich das stark an. Sie meinte mittendrin erst, dass sie nicht fassen kann, wie ihre Mutter war, dass sie froh ist, dass ich da war und sie weggeschafft habe.
Aber kurz danach kam auch "Mir gehts aber schon besser" und "Eine Therapie ist ja auch nicht immer hilfreich". Denke also, sie wird den Termin sausen lassen, aber ist nicht meine Baustelle - auch wenn ich es sehr schade finde. Ihrer Tochter gegenüber sollte das nicht egal sein.
Gleichermaßen aber hat sie zumindest gesagt, dass es mit Babycam und Kind im Nestchen tatsächlich viel besser ist als im Maxi Cosi. So kann sie auch mal in den Garten und die Kleine liegt dann im Wohnzimmer auf dem ausgeklappten Sofa und Ex hat das Babyphone dabei.
Zitat von Margerite: Das ist verständlich, denn jede Kritik an ihrer Person erinnert sie unbewusst wieder an die nörgelnd-kritischen und abwertenden Äußerungen der Mutter.
Das ergibt auch jeden Fall extrem viel Sinn.
Zitat von Margerite: Ich finde es auch von der Mutter ein starkes Stück, olle Kamellen aus der Kindheit ständig wieder aufzuwärmen.Es spielt keine Rolle mehr, mit wem sie essen wollte oder nicht und wenn ein Kind mit einer Person nicht essen will, dann hat es seine inneren Gründe dafür, die es aber nicht bewusst äußern kann.
Die beiden tun sich nicht gut, sondern spulen alte Verhaltensmuster ständig wieder von vorne ab.
Ja, so war sie immer schon. Immer etwas aus z.B. der Kindheit erzählt, bei dem man am Ende merkte, es ging nur darum, ihren Sohn total zu loben.
Zitat von Margerite: Du hast eine sehr labile Frau gewählt, bei der du von vornherein wohl viel ausgleichen musstest.
Das klingt so, als hätte ich das gewusst oder so. Viel ausgleichen würde ich schon sagen, rückblickend. Sie hat sehr viel Liebe bei mir gesucht, extrem viel Nähe - das, was sie Jahre nicht bekam.
Zitat von Margerite: Diese Illusion von einer neuen Beziehung mit dem Esten ist auch so ein Paradebeispielt, dass sie Probleme mit der Realität hat. Da ist so ein Traum ein sanftes Ruhekissen, denn diese Fernbeziehung verlangt ihr nichts ab. Im Gegenteil, der Este zeigt sich verständnisvoll, schreibt warme Worte und sie glaubrt, er ist in realiter genauso und damit natürlich viel besser als du.
Das habe ich am Anfang auch so gedacht, es ist ein problemfreier Raum, deswegen erzählt sie auch nicht von ihrer Familie oder ihren Problemen, weil das ihr fehlerfreies Paradies zerstören würde. Aber je länger sie daran festhält, um so eher glaube ich dass es - wenn auch über die Distanz und ohne reales Treffen natürlich schwerer möglich - wirklich Liebe ist. Worauf sie natürlich ein gutes Recht hat, wenn darunter das Kind nicht leidet.
Zitat von Margerite: Dir stehen harte Jahre bevor und ehrlich gesagt bewundere ich dich, wie du das aushältst ohne mal vor Wut loszuschreien. Taumaschädigung hin oder her, ich wäre schon längst ausgeflippt. Aber du tust es ja für das Kind, das leider keine stabile Mutter hat.
Ausflippen würde nichts bringen, ebenso wenig da komplett durch die Decke zu gehen. Mit harten, klaren Fakten und Aussagen reagiert sie am besten, habe ich gemerkt. Wenn man ihr klar die Risiken benennt, dann sieht sie auch Notwendigkeiten, etwas zu ändern. Meistens.
Zitat von Margerite: Instinktiv begriff ich, dass ihre innere Wut, die sie an mir ausließ, eigentlich nicht mir galt. Aber das machte es für mich nicht besser. Ich war immer in Hab-Acht-Stellung und lernte sehr schnell ihre Befindlichkeiten zu "lesen".
Das tut mir wirklich sehr leid, dein eigenen Erfahrungen zu lesen. Ich kann mir ehrlicherweise nicht mal selbst vorstellen, wie man sich dann fühlt, umso dankbarer bin ich dafür, dass du dein Erleben teilst.
Zitat von Margerite: Wie soll eine ängstliche und weinende Mama ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen in die Welt geben? Sie macht dieselben Fehler wie ihre Mutter vorher und das Trauma wird weitergegeben.
Das hab ich ihr auch gesagt, dass sie selbst doch sehen muss, was das mit dem Kind machen kann. Es ist ja schon ein Generationen-Trauma. Ihre Oma wurde geschlagen, dann ist der erste Mann verschwunden (er wurde irgendwann tot gefunden, soweit ich weiß), die Oma war aber schon traumatisiert und hat die eigenen Kinder immer wieder geschlagen. So weit, dass der Onkel meiner Ex sogar nicht zur Beerdigung gegangen ist und viele Jahre wohl in Therapie war.
So, damit hatten wir meine Ex-Schwiegermutter, die scheinbar ihren Kindern nie wirklich viel Liebe entgegen gebracht hat und wenn überhaupt eher mit teuren und vielen Geschenken versucht hat, die Liebe des Sohnes zu erkaufen, als der zum Vater gezogen ist.
Wie meine Ex behandelt wurde, ist ja bekannt.
Irgendwann muss man zumindest mal versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Zitat von Margerite: Du wirst viel ausgleichen, glätten und ausbügeln müssen und das kann auch an die eigene Substanz gehen. Weil es wahnsinnig viel seelische und körperliche Energie fordert.
Ja, das glaube ich, aber ich schaffe das. Nichts wird mich aufhalten, meiner Tochter das bestmögliche Leben zu geben.
Zitat von Margerite: Du bist in der Rolle des "Regulators" und bist das vermutlich schon länger ohne es zu wissen. Denn deine Partnerin ist ein schwankendes Schilfrohr und man kann nie wissen, wann das Pendel wieder zugunsten von Ablenkungsmanövern wie den Onlinekontakten oder dem TV umschlägt.
Ja, ich war schon immer ein Stück weit die Person, die sie von Extremen abgehalten hat. Es gab mal eine Zeit, da wollte sie ihre Ausbildung schmeißen und was anderes machen oder auch nichts, sie fühlte sich permanent unmotiviert und kaputt. Ich bin dann mit ihr zum Arzt, weil sie meinte "du wirst sehen, da ist nichts" und die Ärztin hat ihr dann klar gesagt, dass sie völlig falsch eingestellt ist bzgl. L-Thyrox (meine Ex hat damals die komplette Schilddrüse entfernt bekommen) und das daher kommen kann. 6 Wochen später war alles wieder komplett gut.
Oder als sie mal ein Abnehmextrem durchziehen wollte usw. Ich war immer so die Hand, die sie an der Klippe abgefangen hat.
Zitat von Margerite: Eigentlich wäre das Kind bei dir besser aufgehoben, genauso wie mein Vater für mich immer der ruhende Pol der Familie war.
Daher ist es gut, dass du dich so viel kümmerst.
Ich versuche mein Bestes, ich mache sicher auch viele Fehler, aber das ist wohl menschlich. Ich hoffe, irgendwie einen Weg zu finden, die Kleine zumindest viel mehr zu nehmen und zu sehen, soweit es die Arbeit erlaubt.
Zitat von Margerite: Was macht eigentlich der Este, das Wunderwesen, das 1000 km weit weg ist?
Ist das eine Spaßfrage oder ernst gemeint? In beiden Richtungen lautet die Antwort wohl: Nichts.