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11,5 Jahre + Wunschkind Trennung wegen Online-Mann

Ameise_78
@PapaInWarteschl
Gib ihr Zeit... nicht als Expartnerin mit der Aussicht auf ein Comeback sondern als Mensch, der gerade einen gewaltigen und schmerzhaften Entwicklungsschritt zu bewältigen hat.
Wenn du jetzt nicht als Expartner denkst sondern als Mensch, der einem anderen grundsätzlich noch zugewandt ist, könntest du ihr noch sehr helfen. (Meine jetzt nicht über deine Grenzen hinaus! Sondern genau so, wie du es jetzt machst.)

x 7 #3031


PapaInWarteschl
Zitat von Lilli2:
Die Oma hat ihre Kinder bestimmt auch geliebt und wollte eine gute Mutter sein. Vielleicht hat sie die Babyzeit ja sogar besser hinbekommen als deine Ex. Das weiß keiner.

Da kennen wir nur die Aussagen des Vaters und die sprachen nicht gerade für die Mutter - wie "für voll" man diese nehmen kann, ist dann eine andere Frage.

Zitat von Lilli2:
Das Baby wird heiß geliebt, kurz darauf ist es ein nerviger Störfaktor. So Gefühle sind im Ansatz normal, aber nicht in so starken Ausprägungen. Sie ist einfach überhaupt nicht stabil und schon Babys nehmen Stimmungen sehr sensibel wahr. Wie soll deine Ex da Sicherheit und Geborgenheit vermitteln?

Da hast du vollkommen recht. Ich muss auch sagen, dass ich selbst aktuell versuche, immer mehr Zeit mit dem Kind zu verbringen. Auch wenn ich dort bin. Das, was dann aber spannend ist: Ex nutzt die Zeit dann entgegen den Tagen mit der Mutter nicht im Schlafzimmer, sondern entweder im Haus, im Garten oder aber meist versucht sie, bei mir und meiner Tochter zu sein. Ich versuche sie immer höflich aber bestimmt abzuweisen, aber sie nimmt das nicht immer an.

Zitat von Ameise_78:
nicht als Expartnerin mit der Aussicht auf ein Comeback

Das soll es auch gar nicht geben, an dem Bahnhof stehe ich schon länger nicht mehr.

Zitat von Ameise_78:
sondern als Mensch, der gerade einen gewaltigen und schmerzhaften Entwicklungsschritt zu bewältigen hat.

Das hingegen mache ich auf jeden Fall. Ich sagte ja, ich trenne das. Als Ex-Partnerin hätte ich jeden Grund, sie einfach zu ignorieren, aber als Mensch und gemeinsame Eltern sehe ich das anders. Aus welchem Grund auch immer bin ich für sie immer eher Fels in der Brandung als jeder andere Mensch. So funktioniert Gewohnheit, schätze ich.
Streckt sie die Hand um Hilfe bittend aus, dann nehme ich sie und helfe ihr, aber von selbst gebe ich nur das, was ich für mein Kind als notwendig erachte.

x 4 #3032


A


11,5 Jahre + Wunschkind Trennung wegen Online-Mann

x 3


S
Zitat von PapaInWarteschl:
Ist das denn etwas, dessen Auswirkungen auf das Leben man begrenzen kann? Also ich möchte einfach nicht, dass die Mutter meiner Tochter sich wegen so einer - sorry - alten Schachtel zu T*de hungert.

Klar kann man es begrenzen, wenn deine Ex sich tatsächlich in Therapie begibt, hoffentlich einen guten Therapeuten bekommt, sich darauf wirklich einlässt und sich da reinkniet. Aber das muss sie wollen und da ist Mitarbeit von ihr gefordert.

x 4 #3033


M
Zitat von PapaInWarteschl:
Ich verstehe sogar seit gestern so richtig, warum Ex keine Fehler akzeptieren konnte. Die Vermutung hatte ich schon immer, aber nachdem ihre Mutter ihr gestern gesagt hat, dass Ex doch immer die Fehler gemacht hat, dass Ex doch nicht zur Schule wollte und sich versteckt hat, dass sie doch nicht mit dem Schwiegervater und ihr am Tisch essen wollte usw. ist mir klar, warum meine Ex nie Fehler erlauben wollte oder Schuld an etwas haben wollte.

Das ist verständlich, denn jede Kritik an ihrer Person erinnert sie unbewusst wieder an die nörgelnd-kritischen und abwertenden Äußerungen der Mutter. Das ist in ihr und das geht nicht raus, allenfalls mit einer langwieirigen, tiefenpsychologischen Traumatherapie, aber ein paar Sitzungen werden da kaum reichen. Denn jegliche Kritik weckt die alten Verletzungen wieder wie eine Wunde, die man immer wieder aufkratzt und sie geht in eine Abwehrhaltung, um das weniger spüren zu müssen.

Ich finde es auch von der Mutter ein starkes Stück, olle Kamellen aus der Kindheit ständig wieder aufzuwärmen.Es spielt keine Rolle mehr, mit wem sie essen wollte oder nicht und wenn ein Kind mit einer Person nicht essen will, dann hat es seine inneren Gründe dafür, die es aber nicht bewusst äußern kann.
Die beiden tun sich nicht gut, sondern spulen alte Verhaltensmuster ständig wieder von vorne ab.

Du hast eine sehr labile Frau gewählt, bei der du von vornherein wohl viel ausgleichen musstest. Diese Illusion von einer neuen Beziehung mit dem Esten ist auch so ein Paradebeispielt, dass sie Probleme mit der Realität hat. Da ist so ein Traum ein sanftes Ruhekissen, denn diese Fernbeziehung verlangt ihr nichts ab. Im Gegenteil, der Este zeigt sich verständnisvoll, schreibt warme Worte und sie glaubrt, er ist in realiter genauso und damit natürlich viel besser als du.

Und leider überträgt sie ihre inneren Dämonen auch auf das Kind. Dir stehen harte Jahre bevor und ehrlich gesagt bewundere ich dich, wie du das aushältst ohne mal vor Wut loszuschreien. Taumaschädigung hin oder her, ich wäre schon längst ausgeflippt. Aber du tust es ja für das Kind, das leider keine stabile Mutter hat. Meine Mutter war für mich als Kind auch schwierig, da unberechenbar. Einen Tag sang sie schon morgens und ich wusste, heute ist ein guter Tag. Aber dann kamen wieder andere Tage, in denen sie mit sich haderte, unzufrieden und gereizt war und das bekam ich dann ab. Ich war sozusagen der Blitzableiter und das fühlte ich unbewusst auch. Instinktiv begriff ich, dass ihre innere Wut, die sie an mir ausließ, eigentlich nicht mir galt. Aber das machte es für mich nicht besser. Ich war immer in Hab-Acht-Stellung und lernte sehr schnell ihre Befindlichkeiten zu "lesen". Sie war durch die Kriegserlebnisse mit Sicherheit traumatisiert, aber darum kümmerte sich damals keiner, denn fast jeder Erwachsene und jedes Kind trug traumatische Erfahrungen mit sich rum.

Wie soll eine ängstliche und weinende Mama ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen in die Welt geben? Sie macht dieselben Fehler wie ihre Mutter vorher und das Trauma wird weitergegeben. Du wirst viel ausgleichen, glätten und ausbügeln müssen und das kann auch an die eigene Substanz gehen. Weil es wahnsinnig viel seelische und körperliche Energie fordert.

Ich denke, du machst das Beste aus der Situation und siehst viele Zusammenhänge ihrer Schädigung.


Zitat von PapaInWarteschl:
Ich denke aber, ich muss Missstände auch einfach immer wieder benennen.

Du bist in der Rolle des "Regulators" und bist das vermutlich schon länger ohne es zu wissen. Denn deine Partnerin ist ein schwankendes Schilfrohr und man kann nie wissen, wann das Pendel wieder zugunsten von Ablenkungsmanövern wie den Onlinekontakten oder dem TV umschlägt.

Eigentlich wäre das Kind bei dir besser aufgehoben, genauso wie mein Vater für mich immer der ruhende Pol der Familie war.
Daher ist es gut, dass du dich so viel kümmerst.

Was macht eigentlich der Este, das Wunderwesen, das 1000 km weit weg ist?

x 8 #3034


PapaInWarteschl
Zitat von Sternenguckerin:
Klar kann man es begrenzen, wenn deine Ex sich tatsächlich in Therapie begibt, hoffentlich einen guten Therapeuten bekommt, sich darauf wirklich einlässt und sich da reinkniet. Aber das muss sie wollen und da ist Mitarbeit von ihr gefordert.

Nach meinem Besuch heute zweifle ich das stark an. Sie meinte mittendrin erst, dass sie nicht fassen kann, wie ihre Mutter war, dass sie froh ist, dass ich da war und sie weggeschafft habe.
Aber kurz danach kam auch "Mir gehts aber schon besser" und "Eine Therapie ist ja auch nicht immer hilfreich". Denke also, sie wird den Termin sausen lassen, aber ist nicht meine Baustelle - auch wenn ich es sehr schade finde. Ihrer Tochter gegenüber sollte das nicht egal sein.
Gleichermaßen aber hat sie zumindest gesagt, dass es mit Babycam und Kind im Nestchen tatsächlich viel besser ist als im Maxi Cosi. So kann sie auch mal in den Garten und die Kleine liegt dann im Wohnzimmer auf dem ausgeklappten Sofa und Ex hat das Babyphone dabei.

Zitat von Margerite:
Das ist verständlich, denn jede Kritik an ihrer Person erinnert sie unbewusst wieder an die nörgelnd-kritischen und abwertenden Äußerungen der Mutter.

Das ergibt auch jeden Fall extrem viel Sinn.

Zitat von Margerite:
Ich finde es auch von der Mutter ein starkes Stück, olle Kamellen aus der Kindheit ständig wieder aufzuwärmen.Es spielt keine Rolle mehr, mit wem sie essen wollte oder nicht und wenn ein Kind mit einer Person nicht essen will, dann hat es seine inneren Gründe dafür, die es aber nicht bewusst äußern kann.
Die beiden tun sich nicht gut, sondern spulen alte Verhaltensmuster ständig wieder von vorne ab.

Ja, so war sie immer schon. Immer etwas aus z.B. der Kindheit erzählt, bei dem man am Ende merkte, es ging nur darum, ihren Sohn total zu loben.

Zitat von Margerite:
Du hast eine sehr labile Frau gewählt, bei der du von vornherein wohl viel ausgleichen musstest.

Das klingt so, als hätte ich das gewusst oder so. Viel ausgleichen würde ich schon sagen, rückblickend. Sie hat sehr viel Liebe bei mir gesucht, extrem viel Nähe - das, was sie Jahre nicht bekam.

Zitat von Margerite:
Diese Illusion von einer neuen Beziehung mit dem Esten ist auch so ein Paradebeispielt, dass sie Probleme mit der Realität hat. Da ist so ein Traum ein sanftes Ruhekissen, denn diese Fernbeziehung verlangt ihr nichts ab. Im Gegenteil, der Este zeigt sich verständnisvoll, schreibt warme Worte und sie glaubrt, er ist in realiter genauso und damit natürlich viel besser als du.

Das habe ich am Anfang auch so gedacht, es ist ein problemfreier Raum, deswegen erzählt sie auch nicht von ihrer Familie oder ihren Problemen, weil das ihr fehlerfreies Paradies zerstören würde. Aber je länger sie daran festhält, um so eher glaube ich dass es - wenn auch über die Distanz und ohne reales Treffen natürlich schwerer möglich - wirklich Liebe ist. Worauf sie natürlich ein gutes Recht hat, wenn darunter das Kind nicht leidet.

Zitat von Margerite:
Dir stehen harte Jahre bevor und ehrlich gesagt bewundere ich dich, wie du das aushältst ohne mal vor Wut loszuschreien. Taumaschädigung hin oder her, ich wäre schon längst ausgeflippt. Aber du tust es ja für das Kind, das leider keine stabile Mutter hat.

Ausflippen würde nichts bringen, ebenso wenig da komplett durch die Decke zu gehen. Mit harten, klaren Fakten und Aussagen reagiert sie am besten, habe ich gemerkt. Wenn man ihr klar die Risiken benennt, dann sieht sie auch Notwendigkeiten, etwas zu ändern. Meistens.

Zitat von Margerite:
Instinktiv begriff ich, dass ihre innere Wut, die sie an mir ausließ, eigentlich nicht mir galt. Aber das machte es für mich nicht besser. Ich war immer in Hab-Acht-Stellung und lernte sehr schnell ihre Befindlichkeiten zu "lesen".

Das tut mir wirklich sehr leid, dein eigenen Erfahrungen zu lesen. Ich kann mir ehrlicherweise nicht mal selbst vorstellen, wie man sich dann fühlt, umso dankbarer bin ich dafür, dass du dein Erleben teilst.

Zitat von Margerite:
Wie soll eine ängstliche und weinende Mama ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen in die Welt geben? Sie macht dieselben Fehler wie ihre Mutter vorher und das Trauma wird weitergegeben.

Das hab ich ihr auch gesagt, dass sie selbst doch sehen muss, was das mit dem Kind machen kann. Es ist ja schon ein Generationen-Trauma. Ihre Oma wurde geschlagen, dann ist der erste Mann verschwunden (er wurde irgendwann tot gefunden, soweit ich weiß), die Oma war aber schon traumatisiert und hat die eigenen Kinder immer wieder geschlagen. So weit, dass der Onkel meiner Ex sogar nicht zur Beerdigung gegangen ist und viele Jahre wohl in Therapie war.
So, damit hatten wir meine Ex-Schwiegermutter, die scheinbar ihren Kindern nie wirklich viel Liebe entgegen gebracht hat und wenn überhaupt eher mit teuren und vielen Geschenken versucht hat, die Liebe des Sohnes zu erkaufen, als der zum Vater gezogen ist.
Wie meine Ex behandelt wurde, ist ja bekannt.
Irgendwann muss man zumindest mal versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Zitat von Margerite:
Du wirst viel ausgleichen, glätten und ausbügeln müssen und das kann auch an die eigene Substanz gehen. Weil es wahnsinnig viel seelische und körperliche Energie fordert.

Ja, das glaube ich, aber ich schaffe das. Nichts wird mich aufhalten, meiner Tochter das bestmögliche Leben zu geben.

Zitat von Margerite:
Du bist in der Rolle des "Regulators" und bist das vermutlich schon länger ohne es zu wissen. Denn deine Partnerin ist ein schwankendes Schilfrohr und man kann nie wissen, wann das Pendel wieder zugunsten von Ablenkungsmanövern wie den Onlinekontakten oder dem TV umschlägt.

Ja, ich war schon immer ein Stück weit die Person, die sie von Extremen abgehalten hat. Es gab mal eine Zeit, da wollte sie ihre Ausbildung schmeißen und was anderes machen oder auch nichts, sie fühlte sich permanent unmotiviert und kaputt. Ich bin dann mit ihr zum Arzt, weil sie meinte "du wirst sehen, da ist nichts" und die Ärztin hat ihr dann klar gesagt, dass sie völlig falsch eingestellt ist bzgl. L-Thyrox (meine Ex hat damals die komplette Schilddrüse entfernt bekommen) und das daher kommen kann. 6 Wochen später war alles wieder komplett gut.
Oder als sie mal ein Abnehmextrem durchziehen wollte usw. Ich war immer so die Hand, die sie an der Klippe abgefangen hat.

Zitat von Margerite:
Eigentlich wäre das Kind bei dir besser aufgehoben, genauso wie mein Vater für mich immer der ruhende Pol der Familie war.
Daher ist es gut, dass du dich so viel kümmerst.

Ich versuche mein Bestes, ich mache sicher auch viele Fehler, aber das ist wohl menschlich. Ich hoffe, irgendwie einen Weg zu finden, die Kleine zumindest viel mehr zu nehmen und zu sehen, soweit es die Arbeit erlaubt.

Zitat von Margerite:
Was macht eigentlich der Este, das Wunderwesen, das 1000 km weit weg ist?

Ist das eine Spaßfrage oder ernst gemeint? In beiden Richtungen lautet die Antwort wohl: Nichts.

x 1 #3035


IvanDrago
Zitat von PapaInWarteschl:
ich war schon immer ein Stück weit die Person, die sie von Extremen abgehalten hat

Zitat von PapaInWarteschl:
Ich war immer so die Hand, die sie an der Klippe abgefangen hat.

Ist dir bewusst, dass dieses Verhalten für eine partnerschaftliche Beziehung auf Dauer Gift ist?

Ein Umgang auf Augenhöhe ist in einer solchen Konstellation kaum zu bewerkstelligen. Denn du übernimmst mehr und mehr Aufgaben, die eigentlich nicht in deinem "Zuständigkeitsbereich" liegen und am Ende bist du mehr Erziehungsberechtigter, als du sein solltest. Hinzu kommt, dass dadurch auch Attraktivität und s. Anziehung mit der Zeit auf der Strecke bleibt.

Diese Dynamik ist auch momentan noch immer stark bei dir zu erkennen.

Wie soll ein Mensch auch die Motivation aufbringen, sich wirklich zu ändern, Hilfe zu suchen, wenn am Ende immer wieder jemand da ist, der einem den Arsc... rettet.

x 4 #3036


M
Zitat von PapaInWarteschl:
Das tut mir wirklich sehr leid, dein eigenen Erfahrungen zu lesen. Ich kann mir ehrlicherweise nicht mal selbst vorstellen, wie man sich dann fühlt, umso dankbarer bin ich dafür, dass du dein Erleben teilst.

So was wirkt immer nach und man vergisst es auch nicht. Aber man kann damit leben und es relativieren, wenn man die Hintergründe kennt, deren Tragweite ich als Kind nie hätte begreifen können.
Es war einfach zu viel, was sie in jungen Jahren erleben musste. Gewaltsame Vertreibung aus dem Haus in Warnsdorf, die Tschechen waren da nicht zimperlich und sie hat das voll mitbekommen mit ihren 9 Jahren und musste mit ansehen, wie ein Tscheche ihrer Mutter die Ohrringe abriss - durch die Ohrläppchen, denn die gefielen ihm. Dann der Verlust der Existenz und der Sicherheit. Der Papa im Feld in Russland und dann lange Jahre in Kriegsgefangenschaft. Ich weiß nicht mal, ob meine Oma wusste, ob er noch lebt oder nicht. Der Bruder meiner Mutter fiel in Rumänien.
Dann Neuanfang in einem Landstrich mit völlig anderen Menschen, anderer Mentalität und anderem Dialekt in einer Barackensiedlung in einem Dorf auf dem tiefsten Land. Wie ich Jahre später von einem Ortsansässigen hörte, hatten die Flüchtlinge hier noch Glück und es ging ihnen besser als denen, die in Städten landeten.
Und dann starb ihre Mutter, als meine Mutter 16 Jahre alt war an Darmkrebs, wie es hieß.

Wenn man das alles weiß und man auch weiß, dass traumatische Erlebnisse sich festsetzen und nachwirken, ist es nicht verwunderlich, dass sie beschädigt war.
Ihr Traum: ein solider Mann und perfekte Kinder, die perfekte Famile, den perfekten Haushalt.
Sie hatte Glück mit meinem Vater, auch wenn sie wohl rasch erkannte, dass Romantik nicht sein Ding ist, aber er war strebsam, solide, ehrgeizig und schlug niemals zu - im Gegensatz zu ihr. Ich fühlte mich oft instumentalisiert, denn ich sollte ja nun das perfekte Kind werden. Ich würde heute narzistische Züge bei ihr vermuten und schätze, dass auch die Mutter deiner Ex. in diese Kategorie gehört.

Heute kenee ich die Zusammenhänge und Hintergründe besser und habe damit abgeschlossen. Sie hat ihre Sache gut gemacht, aber mit Abstrichen. Sie verstarb sehr früh mit 54 an einer schweren Autoimmunerkrankung. Unheilbar, nur Symptombehandlung mit schweren Medikamenten möglich und immer wieder Krankheitsschübe, die ihren Gesundheitszustand auf Jahre massiv verschlechteren. Ein Arzt meinte mal, sie wird keine 45 Jahre alt. Die Krankheit passte zu ihr, denn sie war in einem inneren Kriegsmodus wie der Körper bei derlei Krankheiten ja auch sich selbst bekämpft.

Eigentlich eine sehr traurige Geschichte, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof.

Deine Ex. reagiert nur auf ihre Gefühle. Derzeit geht es ihr besser und schon rückt eine Therapie in weite Ferne und wird abgetan und verdrängt. Zwingen kann sie keiner. Aber der nächte Zusammenbruch, die nächste Überforderung sind schon vorprogrammiert.

x 4 #3037


PapaInWarteschl
Zitat von IvanDrago:
Ist dir bewusst, dass dieses Verhalten für eine partnerschaftliche Beziehung auf Dauer Gift ist?

Das mag sein, aber eine Person sich selbst kaputt machen zu sehen ist auch nicht gerade die gut Alternative. Da verzichte ich lieber auf die Beziehung, zumal ich merke, dass es mir ohne schon irgendwo besser geht - abgesehen mal davon, dass jeder sich irgendwo nach Nähe sehnt.

Zitat von IvanDrago:
Ein Umgang auf Augenhöhe ist in einer solchen Konstellation kaum zu bewerkstelligen. Denn du übernimmst mehr und mehr Aufgaben, die eigentlich nicht in deinem "Zuständigkeitsbereich" liegen und am Ende bist du mehr Erziehungsberechtigter, als du sein solltest. Hinzu kommt, dass dadurch auch Attraktivität und s. Anziehung mit der Zeit auf der Strecke bleibt.

Sie hat ja durchaus immer bei mir nach Meinungen und Hilfe gefragt, es ist also nicht so, dass ich sie erzogen habe, ich hab sie aber immer auf die Realität hingewiesen und sie nicht in ihren wilden Ideen bekräftigt. Wenn die Beziehung am Ende der Preis war, a) ist das halt so und b) war sie es eh nicht wert.

Zitat von IvanDrago:
Wie soll ein Mensch auch die Motivation aufbringen, sich wirklich zu ändern, Hilfe zu suchen, wenn am Ende immer wieder jemand da ist, der einem den Arsc... rettet.

In vielerlei Hinsicht muss sie ja Dinge alleine regeln - die bekommt sie nicht hin, ergo fragt sie nach Hilfe, bekommt die nicht, also wird es einfach nicht gemacht und sie zieht sich mehr zurück. Was anderes kann sie halt nicht, außer es ist etwas, was man mit einer Amazon-Bestellung regeln kann. Muss man leider mal so klar sagen.

Zitat von Margerite:
Es war einfach zu viel, was sie in jungen Jahren erleben musste.

Wenn man das alles erst mal liest, bemerkt man, wie klein und unbedeutend viele eigene Probleme eigentlich sind. Diese Menschen, wie auch meine Großeltern, haben viel mehr durchgemacht. Mein Opa wollte nie darüber reden, wie er aus dem Memelland nach NRW gekommen ist - nur einmal hat er kurz geredet und schnell aufgehört, als es um die tausenden Le*chen ging, die er auf dem zugefrorenen Stettiner Haff gesehen hat.

Zitat von Margerite:
Ich würde heute narzistische Züge bei ihr vermuten und schätze, dass auch die Mutter deiner Ex. in diese Kategorie gehört.

Genau den Gedanken hatte ich gestern auch. Und da sie wohl selbst auch viel zwischen Männern hin- und hergesprungen ist, aber nie "das richtige" fand und sich auch immer mit anderen Frauen verglich, war der "größte Fehler" meiner Ex wohl der, in der Pubertät zu einer schönen Frau zu werden - damit war sie die Konkurrenz unter dem eigenen Dach.

Zitat von Margerite:
Eigentlich eine sehr traurige Geschichte, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof.

Und eine Geschichte, für die ich dir sehr danke, dass du sie teilst. Es hat mich sehr berührt, wie klar du das schreiben kannst und ich kann den Schmerz, den es "gebraucht" hat, um bis hierher zu kommen, nicht mal im Ansatz nachvollziehen, fürchte ich. Mein Elternhaus war gut, es war auch immer schön bis ich ca. 14 war, mein Bruder mit Dr*gen begann und Zuhause der Krieg ausbrach. Aber das ist ein anderes Thema.

Zitat von Margerite:
Deine Ex. reagiert nur auf ihre Gefühle. Derzeit geht es ihr besser und schon rückt eine Therapie in weite Ferne und wird abgetan und verdrängt. Zwingen kann sie keiner. Aber der nächte Zusammenbruch, die nächste Überforderung sind schon vorprogrammiert.

Das befürchte ich auf jeden Fall auch, aber der Termin steht. Nennt mich gerne naiv, aber ich weiß, dass sie eigentlich wirklich gerne über alles reden will, auch eigentlich gerne Freunde hätte usw., daher hoffe ich einfach, dass sie, wenn sie den Termin wahrnimmt, merkt, wie gut es tut, einfach mal zu reden. Zu weinen. Ohne verurteilt zu werden.

x 4 #3038


IvanDrago
Die Problematik ist, dass wir Menschen unbewusst dazu neigen, Partner zu wählen, die unseren Mangel (unsere Mängel) ausgleichen bzw. auffüllen sollen .

Stichwort - Schlüssel/ Schloss Prinzip

Aber diese Last darf keinem Partner aufgebürdet werden, denn das ist keine Basis für eine gesunde Beziehung. Damit ist das Konstrukt auf Sand errichtet.

Zitat von PapaInWarteschl:
Sie hat ja durchaus immer bei mir nach Meinungen und Hilfe gefragt

Eben...
Es heißt, einem zukünftigen Partner sollte man nicht als Bettelmann gegenüber treten, sondern als König.
Eine Metapher. Sie war übrigens nicht alleine die Bettlerin, du ebenso.
Deine Vita zeigt es.

Zitat von PapaInWarteschl:
...aber eine Person sich selbst kaputt machen zu sehen ist auch nicht gerade die gut Alternative...

Die Alternative ist, seine Lehren zu ziehen, seine Unzulänglichkeiten anzugehen und bei der Partnerwahl zukünftig sorgfältiger abzuwägen, um nicht mehr in eine Situation zu geraten, in der eine Partnerin "sich selbst kaputt macht".

Ich schrieb dir ja schon einmal, dass es nun besser für dich werden kann als je zuvor. Schau genau hin, was dich treibt! Diese schwere Zeit ist sehr wichtig für zukünftiges Glück.

x 1 #3039


PapaInWarteschl
Zitat von IvanDrago:
Die Problematik ist, dass wir Menschen unbewusst dazu neigen, Partner zu wählen, die unseren Mangel (unsere Mängel) ausgleichen bzw. auffüllen sollen .

Stichwort - Schlüssel/ Schloss Prinzip

Aber diese Last darf keinem Partner aufgebürdet werden, denn das ist keine Basis für eine gesunde Beziehung. Damit ist das Konstrukt auf Sand errichtet.

Bedeutet das nicht aber auch, dass das jede künftige Partnerin ebenso machen könnte, selbst wenn ich jetzt jegliche Stellschrauben an mir verändere und quasi "psychisch perfekt" werde, um es mal mit einer Hyperbel zu beschreiben?

Zitat von IvanDrago:
bei der Partnerwahl zukünftig sorgfältiger abzuwägen, um nicht mehr in eine Situation zu geraten, in der eine Partnerin "sich selbst kaputt macht".

Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll, bin ich ehrlich. Ist ja jetzt nicht so, dass ich bei meiner Ex direkt am ersten Tag wusste, was da so auf mich zukommen wird. Und dann entsteht Liebe und man geht halt nicht so einfach.

Zitat von IvanDrago:
Ich schrieb dir ja schon einmal, dass es nun besser für dich werden kann als je zuvor. Schau genau hin, was dich treibt! Diese schwere Zeit ist sehr wichtig für zukünftiges Glück.

Das auf jeden Fall, ich merke ja schon, wie es mir gut tut, mehr für mich zu machen. Und da kommt ja nochmal das Vaterglück hinzu. An eine neue Partnerin denke ich gerade noch gar nicht, ich möchte mich erstmal selbst komplett wohl fühlen mit mir selbst.

x 2 #3040


IvanDrago
Zitat von PapaInWarteschl:
Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll, bin ich ehrlich. Ist ja jetzt nicht so, dass ich bei meiner Ex direkt am ersten Tag wusste, was da so auf mich zukommen wird.

Natürlich nicht, aber wenn ich es recht in Erinnerung habe, seid ihr relativ schnell (um nicht zu sagen sehr schnell) zusammen gekommen. Du kanntest die Person eigentlich nicht wirklich.

Ich denke ein grundlegender Schlüssel wäre unter anderem, die Kennenlernphase auszudehnen und genau hinzuschauen.

Aber ich bin mir sicher dass du dies auch machen wirst. Damals wart ihr eben auch noch sehr jung und folgerichtig unerfahren. Mittlerweile ist das anders. Wichtig ist bspw. dass man besser weiß, was man nicht will. Also gewisse inakzeptable Verhaltensweisen, die man als junger Mensch noch im Rausche der Hormone durchgewunken hätte, die man aber mittlerweile als NoGo definiert.

Zitat von PapaInWarteschl:
An eine neue Partnerin denke ich gerade noch gar nicht, ich möchte mich erstmal selbst komplett wohl fühlen mit mir selbst.

Das klingt nachvollziehbar und ich halte es auch für richtig. Aber auch wenn ich es schon ein paar Mal erwähnte...verpulver deine endlichen Ressourcen nicht an der falschen Front! Auch wenn es einfacher ist, die Probleme anderer zu anzugehen Zwinkerndes Gesicht

x 5 #3041


PapaInWarteschl
Zitat von IvanDrago:
Natürlich nicht, aber wenn ich es recht in Erinnerung habe, seid ihr relativ schnell (um nicht zu sagen sehr schnell) zusammen gekommen. Du kanntest die Person eigentlich nicht wirklich.

Ja, das stimmt. Rund 1,5 Monate tägliches Schreiben, dann Treffen, noch ein Treffen, erster Kuss. Dann mehrere Treffen, 3 Tage "Urlaub" zusammen usw.
Ich bin dann sowieso wegen Studium in ihre Gegend gezogen und dann haben wir uns sehr oft gesehen, ehe sie mehr oder minder 3-4 am Stück immer da war.

Zitat von IvanDrago:
Aber ich bin mir sicher dass du dies auch machen wirst. Damals wart ihr eben auch noch sehr jung und folgerichtig unerfahren.

Ja das stimmt schon, bei mir war es einfach so, dass es sich so anders angefühlt hat als bei den vorherigen Erfahrungen. Es ging soweit, dass ich mal dachte, vielleicht ist das ganze Thema nichts für mich, ich hab mich nie so richtig "angekommen" gefühlt in den Beziehungen zuvor. Bei Ex war das gänzlich anders. Es war von Anfang an das Gefühl, einfach richtig zu sein, wenn das Sinn ergibt.

Zitat von IvanDrago:
Das klingt nachvollziehbar und ich halte es auch für richtig. Aber auch wenn ich es schon ein paar Mal erwähnte...verpulver deine endlichen Ressourcen nicht an der falschen Front! Auch wenn es einfacher ist, die Probleme anderer zu anzugehen

Bei mir ist es eher gerade der Spagat, gleich mehrere Stellen zu beackern. Arbeit, guter Vater sein, das letzte 3/4 Jahr verarbeiten, Therapie usw. Aber auch meine Energie ist leider begrenzter, als ich mir manchmal eingestehen möchte. Psychische Energie im speziellen.

x 4 #3042


Löwenzeh
Zitat von Margerite:
Derzeit geht es ihr besser und schon rückt eine Therapie in weite Ferne und wird abgetan und verdrängt. Zwingen kann sie keiner.

Zwingen nicht, aber

Zitat von PapaInWarteschl:
Wenn man ihr klar die Risiken benennt, dann sieht sie auch Notwendigkeiten, etwas zu ändern. Meistens.

Mag nicht deine Aufgabe sein; aber du hast ja auch nichts davon, wenn die Mutter deines Kindes von der Klippe fällt.

x 3 #3043


D
Zitat von Margerite:
Deine Ex. reagiert nur auf ihre Gefühle. Derzeit geht es ihr besser und schon rückt eine Therapie in weite Ferne und wird abgetan und verdrängt. Zwingen kann sie keiner.


und hat die Zuwendung Erhalten, die sie haben will, vom TE

x 3 #3044


GreenTara
@Dudo
Ich glaube nicht, dass es ihr primär um die Zuwendung von Papa geht.
Es geht ihr scheinbar etwas besser, weil sie etwas Abstand von der Mutterbegegnung hat.
Jetzt ist sie wieder in ihrem Traummodus, und sie weiß ganz genau, dass dieser durch eine Therapie bedroht ist. Dann müsste sie sich ihren Defiziten stellen.
Dem Mutterschmerz, nicht den vermeintlich überflüssigen Pfunden.
Es war doch mehr als deutlich zu erkennen, was an ihrer Seele gerüttelt hat.

x 4 #3045


A


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