Zitat von Zitronenfalter2: Gab es Anwendertipps für das schlechte Gefühl - wenn es kommt und wie man ihm begegnet?
Hm... ich habe für mich eher mitgenommen dass das Gefühl richtig ist wenn es da ist. Dass man es zulassen kann oder auch nicht. Raum geben oder nicht, letztlich meine Entscheidung. Vielleicht versuchen bewusster zu entscheiden ist es jetzt die Zeit dafür (und ich glaube die braucht es nach wie vor) oder ist es das gerade eben nicht. Erkennen dass ich ganz viele Strategien nutzen kann, zulassen, Ablenken, darüber sprechen, auspowern, und ich kann entscheiden was ich mit dem Gefühl mache. Ich schaffe das nicht immer.
Und sehen was es gutes gibt, dass nicht die ganze Welt gerade untergeht sondern auch viel Gutes weiter geht. Ich versuche mich nicht mehr darüber zu ärgern was ich verpasse sondern zu nutzen was ich habe. Faschingsumzug und die Kids sind nicht bei mir, was solls, geh ich alleine mit den Freunden und deren Kids mit wenn ich Lust drauf habe, die Kids machen sonst was mit ihrem Papa und der neuen, was solls, ich kann heute meinen Kater von gestern Nacht ausschlafen.
Vieles mag ich nicht und es fällt mir schwer. Mir fehlt jemand zum Austausch mit den Kids, gemeinsam Pläne machen, körperliche Nähe, jemand zum Lachen und jemand zum Sorgen austauschen. Werd ich das so wieder haben, sicher nicht mit so einer Verbundenheit, mit gemeinsamen Kindern, mit diesem Urvertrauen.
Aber ich will mich davon nicht bestimmen lassen. Ich will nicht dass ich mich nicht mehr auf jemanden einlassen kann. Ich will hoffen dass der ganze Mist was gutes hervorbringt. Und so sehr ich noch enttäuscht bin, verletzt und immernoch entsetzt, es gibt gutes und zwar ganz viel.
Ich habe wundervolle Kinder mit denen ich viel geduldiger sein kann, ich glaube weil ich doch belastet war von ihm, von uns, in letzter Zeit.
Ich habe wundervolle Freunde hier mit denen ich so schöne Sachen plane, die für mich da sind und ich für sie. Mit denen ich jetzt viel mehr unternehme als vorher und viel mehr Spaß habe.
Ich habe zwei wundervolle Mädelsgruppen, aus der Heimat und dem Studium, die so sehr für mich da sind und mit denen ich gemeinsames unternehme so wie es die Entfernung zulässt.
Ich habe eine tolle Chefin und Kollegen die so viel viel Verständnis hatten und haben. (ggf klappt es doch noch mit etwas Arbeitszeit aufstocken)
Ich habe neue Kontakte geknüpft und neue Menschen kennengelernt was so wahrscheinlich nicht passiert wäre.
Ich habe ganz viel Hilfe angeboten bekommen von so vielen Menschen.
Ich mache wieder mehr für mich selbst, mehr Sport, Meditation mehr Musik hören, mehr über mich nachdenken.
Tatsächlich habe ich das Online Dating begonnen. Das Schreiben ist ganz witzig, ich hatte erste Dates, von denen ich mir nicht viel versprochen habe, (hat sich dann auch bestätigt
😉), aber es waren schöne Gespräche, spannende Menschen und ein für mich ganz neues Feld.
Ich sitze noch sehr häufig da, kann mein Unglück nicht fassen, zerfließe im Selbstmitleid, bin traurig und wütend, so furchtbar wütend. Könnte ihn verfluchen und vermissen gleichzeitig. Trauere der verpassten Chance vom Familienglück nach, habe Angst was die Zukunft bringt. Aber das ist nicht mehr so überwiegend, nicht mehr so ständig präsent. Und es gibt inzwischen die vielen guten Momente.
Danke euch allen für den Austausch hier, mir hat das wirklich sehr geholfen und tut es noch
😘