U-I-B
Gast
Zitat von KBR:
Udi, das stimmt so nicht und ist vielleicht ein Indiz dafür, dass Du dem Thema doch nochmal weiter auf den Grund gehen solltest.
Depression hat viele Formen. Vor allem sind viele Depressive sehr gut darin, die Krankheit für lange, lange Zeit vor anderen und auch sich selbst zu verstecken.
Ich weiß bekanntlich zumindest an der Stelle, wovon ich rede. Ich arbeite, ich mache Sport, ich spreche Leute an, ich wirke aufgeschlossen, extrovertiert, zugewandt, kommunikativ und "immer so lustig" und als würde ich mir nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Und doch gibt es Phasen, da wollen Menschen, die mich besser kennen, mich am liebsten direkt für ein paar Monate in einer psychsomatischen Klinik behandeln lassen. Die Kollegin aus dem Gemeinschaftsbüro jedoch merkt davon nichts.
Lieber @KBR :
Ich kann da nicht über Dich sprechen oder urteilen, genau das ist ja der Haken an anonymen Foren.
Ich hatte eine Zeitlang eine Depression, als ich die Trennung am laufen war. Dauerte etwa bis zur Scheidung. War da auch in ärztlicher Begleitung/Behandlung. Da war ich ein Wrack. Dazu der damals tatsächlich vorhandene Stress in Form von Minimum 16-Std.-Tagen-Arbeit, die finanzielle Kampfsituation (nicht unterzugehen) und und und. Dagegen ist das heutige Leben "easy".
Nach dem Schlaganfall bzw. seither musste ich Unmengen an Medis schlucken. Die sind definitiv das Problem. Ich habe immer wieder versucht, das auch in meinem Lebenswandel anzupassen, bisher leider ohne großen Erfolg. Abgesehen davon, ich habe keinen weiteren Schlaganfall bekommen, denn das ist nicht selten. Die meisten Menschen, die einen Schlaganfall hatten, sind in der Folge für einen weiteren oder gar heftigeren Anfall deutlich eher empfänglich als gesunde Menschen.
Und meine größte Sorge gilt nicht mir - irgendwann kratzen wir alle mal ab. Aber mein Kater , der dann völlig allein wäre, der mir so unendlich viel bedeutet, weil er als Lebewesen als einziges aus einer ehemals recht guten Zeit übrigblieb, der würde leiden ohne Ende. Und ich dann auch. Sage nicht umsonst: Das ist mein letztes Haustier - abgesehen von einem Aquarium vielleicht -. Die Angst, ich lieg mal total oder endgültig flach und dann noch ein Haustier, an dem man richtig tief hängt - das tut unheimlich weh. Und schon deshalb werde ich nicht in eine Depression kommen - für ihn.
Menschen und Tiere, die mir am Herzen lagen, habe ich immer zu 100% unterstützt und geholfen, auch gerne mal Grenzen verschoben. Im Prinzip ist das mit Frauen ähnlich gewesen. Der Weg zu meinem Herzen ist vielleicht lang - aber seeeeehr tief. So einfach kommt man da nicht raus - außer man tut es von sich aus.
Dieser Sport hat mich fast mein Leben lang begleitet und mir sehr viele nützliche und wichtige Elemente geliefert. Und dieser Sport, der bisher stets gut war und sinnvoll und gesund, soll plötzlich schlecht sein? Die Ursache meiner gesundheitlichen Probleme?
Nie eine Verletzung gehabt - im Gegenteil, durch eine Verletzung bin ich zu diesem Sport ja erst gekommen. Er hat mir physisch und psychologisch sehr geholfen. Er war Ventil und Antriebsfeder zugleich. Er bringt mich in Kontakt zu Menschen, macht mich attraktiver, stärker - nur zuletzt nicht mehr, da wurde ich schwächer und die geplanten Ziele wurden deutlich verfehlt.
Es scheint aber nicht am Sport selbst zu liegen oder am "Stress" bei der Arbeit - sondern eher auf die Medis zurückzuführen zu sein. Tendenziell sieht es so aus, dass ich mich primär entweder um Vermeidung eines Schlaganfalls oder Aufbesserung der Schilddrüse und des damit verbundenen Stoffwechsels entscheiden muss. Die jeweiligen Medikamente scheinen bei mir - nach den bisherigen Untersuchungen - konträr zu laufen. Ähnlich wie zwei aneinander verbundene Lokomotiven, die zwar beide fahren, aber eben gegenteilig zueinander. Das geht auch nicht, führt dauerhaft auch zu Schäden.
Ich werde also beides nie gleich behandeln lassen können, denn auf die eine oder andere Art fliegt es mir dann um die Ohren. Ich muss mich also entscheiden: Blutdruck niedrig halten und Sport betreiben wie bisher.
Oder Schilddrüse und Stoffwechsel medikamentös behandeln zwecks Abnehmen und dann aber eben nicht mehr diesen Sport, weil die damit verbundene Cortisolausschüttung Probleme bereitet, ganz besonders, wenn ich noch Medis gegen etwaige Schlaganfälle bzw. zu deren Vermeidung einnehmen muss. Beides wird nach jetzigem Wissensstand nicht gehen.
Extremsituationen und besondere Situationen können natürlich ein beidseitiges Behandeln erforderlich machen, es kann aber auch gewaltig in die Hose gehen ,was ja kürzlich, ohne "Notfall", geschah.
Eine schwierige Kiste, die auch die mich behandelnden Ärzte momentan ratlos erscheinen lassen. Eine Art Therapie für beides gibt es nicht. Beides ist behandelbar, aber nicht zugleich. Die Alternative oder eine zumindest wäre, die Medis komplett wegzulassen, was aber u.U. bei beiden Feldern irgendwann zu Problemen führen kann oder wird.
Wie eine Medaille - zwei Seiten, für eine muss ich mich entscheiden, wenn´s so bleibt. Entweder abnehmen und Schlaganfallrisiko in höherem Maße in Kauf nehmen oder Schlaganfallrisiko dauerhaft minimieren, aber kaum Chancen auf´s Abnehmen und regulieren des Stoffwechsels bzw. der Schilddrüse.
Das ist keine leichte Entscheidung.

