Eigentlich war ich bisher stiller Mitleser, aber deine Geschichte kommt mir so bekannt vor, ich muss an dieser Stelle meine eigene erzählen- vielleicht hilfts dir ja irgendwie.
Ich selbst war schon mal auf beiden Seiten von Affären. Einmal als AM, einmal als betrügender Ehepartner. Ich kann, glaube ich, alle Standpunkte gut verstehen.
Als AM war ich nicht verheiratet, sie war es. Sie war eine Arbeitskollegin, und sie beendete unsere Affäre nach 6 Monaten. Ich war am Boden zerstört, aber rückblickend betrachtete ich es als eine Lernerfahrung. Eigentlich hatten wir von Anfang keine Zukunft, sie hatte zu viel zu verlieren. Naja, dumm war ich trotzdem noch
Viele Jahre später wurde ich leider der betrügende Ehepartner mit einer anderen verheirateten Frau. Sie initiierte die Affäre, ich fühlte mich geschmeichelt und war fasziniert. Von meiner Frau hatte ich lange keine Aufmerksamkeit erhalten, Kinder, Arbeit usw. waren im Vordergrund. Die Affäre entwickelte sich extrem schnell, ich war damals unzufrieden, und ehe ich mich versah, steckte ich zu tief drin. So primitiv es auch klingt hielten mich der Sex und die Aufregung süchtig. Ich dachte wirklich, ich sei verliebt, ich hatte meine Seelenverwandte gefunden, ich dachte, ich wäre bereit, alles für sie aufzugeben, Kinder und das Ganze. Hätte ich Monate und Monate Zeit gehabt, über mein Verhalten nachzudenken, wäre ich meiner EF gegenüber wohl ins Reine gekommen.
Ähnlich wie dein AM hatte auch ich Angst, es meiner Partnerin zu sagen. Wir waren 7 Jahre verheiratet, 11 Jahre zusammen, hatten 2 Kinder. Ich verheimlichte es so lange ich konnte, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Mein AF und ich hatten Zukunftspläne. Mein Gewissen quälte mich Tag und Nacht, aber ich hatte das Gefühl, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Ich drückte gegenüber meiner AF meine unsichere Gefühle aus, bat um Raum und Zeit, meinen Kopf frei zu bekommen, aber sie begann, sich an mich zu klammern, mir zu zeigen, wie schrecklich mein Leben mit meiner Frau gewesen sei, und sie hielt mich ehrlich gesagt sexuell zufrieden. Als meine EF es schließlich erfuhr, dachte ich, ich sei immer noch in meinen AF verliebt. Meine EF sagte mir ich könne ruhig gehen, wenn ich das wirklich will. Sie war erschüttert. Ich war schockiert. Als ich merkte, wie verletzt meine EF war und was ich verlieren würde, brach die Illusion eines perfekten Zukunftsplan mit AF sofort zusammen, und auf einmal war mir bewusst dass ich einfach nur sch. gebaut hatte. Meine Liebe zu meiner EF war plötzlich so klar und deutlich dass ich sofort jedes Gefühl für meinen AF verlor. Ich fühlte mich von ihr manipuliert und unter Druck gesetzt. Sie benutzte emotionale Erpressung und Sex, um mich in der Beziehung gefangen zu halten. Ich war schwanzgesteuert, feige, konnte ihre Tränen nicht widerstehen, habe immer wieder nachgegeben und mich einwickeln lassen. Sie gab mir keinen Raum zum Atmen, ich fühlte mich von ihr gefangen. Ich weiß, das klingt jetzt alles nach Ausreden, aber so habe ich mich damals gefühlt.
Meine AF ließ mich nicht los, ständig rief sie in Tränen an, ich konnte nicht mehr klar denken. Ich beendete die Beziehung durch eine E-Mail und habe nie zurückgeblickt. Sie hatte mich so im Griff, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte es nicht anders machen. Ich war ein schwacher Feigling. Ich habe meine Lektion gelernt. Meine Affäre schien, als lebte ich eine Lüge, ich war wie ein Heroinsüchtiger, süchtig nach der Aufregung der Affäre, nach dem Sex, nach dem Tabu. Im Nachhinein betrachtet, passten AF und ich überhaupt nicht zusammen. Wir sind sehr unterschiedliche Menschen, und ich bin überzeugt, dass ich mit ihr nicht glücklich gewesen wäre und sie auch nicht mit mir. Ich habe sie in meiner Phantasieblase gesehen, wo wir bei der Arbeit waren, ohne Kinder, ohne schmutziges Geschirr und immer schick und gepflegt gekleidet. Ich schäme mich zutiefst für das, was ich meine Kinder, meiner EF und dem AF angetan habe. Glücklicherweise hat mich meine EF wieder aufgenommen, und nach Jahren der Arbeit und Paartherapie sind wir nun glücklich verheiratet und haben eine großartige und offene Kommunikation.
Im Rückblick habe ich sie nie geliebt. Sie war wie eine Dro. für mich. Klingt hart, ist aber so. Eine Affäre findet in einer Blase statt. Wenn die Blase platzt, ist alles anders.