Hallo AllesVorbei!
Du hörst dich sehr aufgeräumt und entschlossen an. Das finde ich gut. Solch eine Affäre passiert nicht einfach so aus einer Laune heraus. Oft ist es so, dass der oder die Affärenführerin schon lange unzufrieden mit der eigenen Partnerschaft ist und das leider erst realisiert, wenn der AM oder die AF ins Spiel kommen. Plötzlich spürt man wieder Schmetterlinge, merkt was alles eingefahren und eingeschlafen war in der Ehe oder Beziehung und will dies auch nach Ende der Affäre nicht mehr missen. Ich bin damals, als der AM sich gegen mich entschied, in ein sehr tiefes Loch gefallen und kam über Jahre nicht mehr da raus. Mein Mann wollte von allem nichts wissen. Er muss etwas geahnt und vielleicht sogar entdeckt haben, denn ich war sehr unvorsichtig. Eigentlich wollte ich entdeckt werden, wenn ich es mir recht überlege. Ich wollte einen Sturm im Wasserglas entfachen, weil ich so, wie es war einfach nicht weiterleben konnte und wollte.
Der AM hat mir gezeigt, zu welchen Gefühlen und welcher Leidenschaft ich fähig bin. Das war etwas völlig neues für mich, denn mein Mann war und ist mein erster richtiger Partner. Als ich ihn kennen lernte, war unsere Beziehung eine Kopfentscheidung. Wir waren beide eingefleischte Singels und wollten daran endlich etwas ändern. Freunde brachten uns damals zusammen, weil wir als hoffnungslose Fälle galten. Es passte einigermaßen zwischen uns und so dateten wir uns einfach so lange weiter, bis sich Gefühle einstellten. Die waren dann zwar sehr stark und stabil und hielten über Jahrzehnte gegen alle Widerstände aber so richtig geflasht waren wir nie. Das passierte mir dann zum ersten Mal im Leben mit dem AM.
Als er mich verließ war die Entscheidung bei meinem Mann zu bleiben wieder erstmal reine Kopfsache. Ich verarbeitete den Liebeskummer wegen des AM für mich alleine. Mit meinem Mann konnte und wollte ich nicht darüber reden und er wollte nichts davon hören. Er sagt mir oft, es sei einfach meine Entscheidung, ob ich bei ihm und unseren Kindern bleiben wollte oder nicht. Liebe, bzw. Gefühle sind sowieso nicht so sein Ding. Ihm reicht meine Entscheidung und mein Wort. Beides gab ich ihm, doch mich darin wieder zu finden und zu sortieren dauerte Jahre. Als ich alleine nicht mehr weiter kam, holte ich mir professionelle Hilfe. Ich konnte mit niemandem sprechen, nicht mit Freunden, nicht mit Familie und erst Recht nicht mit meinem Mann. Ich war über Jahre sehr belastet und das machte sich irgendwann bemerkbar. Aber mir wurde geholfen.
Mit Hilfe meines Therapeuten fand ich die richtigen Worte, meinen Mann mit ins Boot zu holen, ohne ihm Dinge zu erzählen, die er nicht hören wollte. Ich legte dennoch meine Karten auf den Tisch und machte ihm klar, dass er sich bewegen muss, um mich zu halten. Heute hat er sich sehr zum positiven verändert. Aber auch ich habe mich verändert. Ich verdränge meine Wünsche und Bedürfnisse nicht mehr, sondern kommuniziere sie offen und sehr klar. Das konnte ich vorher nicht. Und ich machte die Erfahrung, dass mein Mann mich verstand und darauf einging. Ich lernte, mich ihm wieder zu öffnen und mich ihm anzuvertrauen. Vorher hab ich alles mit mir alleine versucht zu klären, weil ich dachte, ich könnte ihm mein chaotisches Innenleben nicht zumuten. Ich lernte, mich bewusst bei ihm anzulehnen und mich von ihm halten zu lassen. Ich lernte ihm wieder zu vertrauen. Das ist schon sehr irrwitzig, denn ich hatte ja selbst den größt möglichen Vertrauensbruch begangen. Aber der Mangel an Vertrauen bestand auf beiden Seiten, auch auf meiner.
Das alles kam erneut auf den Prüfstand, als sich die Schicksalsschläge häuften. Und unsere Ehe hat sich bewährt. Wir sind seit fast 40 Jahren ein Paar jetzt und bald 30 Jahre verheiratet. Die Vertrautheit, die wir haben , ist sehr stark und ich habe gelernt, diese wert zu schätzen. Leidenschaft ist nicht so unser Ding und Sex findet aufgrund der Erkrankung meines Mannes nur noch in sehr eingeschränkter Form statt. Ich habe aber gelernt, dass ein Mensch selten alle Bedürfnisse eines anderen erfüllen kann. Ich erwarte es also nicht mehr von ihm und wozu hat man schließlich gesunde Hände?

Wir sind ein eingefleischtes, eingeschworenes Team, wir beide. Das Wiederauftauchen des AM hat mich nur kurzzeitig durchgerüttelt. Es kann unsere Ehe nicht mehr erschüttern. Aber ich bin dankbar inzwischen für diese Affäre. Sie hat mir gezeigt, wer ich eigentlich bin. Im positiven und auch im negativen Sinne. Ich habe diesen anderen Mann sehr geliebt auf eine mir bis dahin völlig fremde Art. Ich liebe ihn immernoch aber ich weiß, dass es im Leben um mehr geht als Verliebtheit und Schmetterlinge. Ich trage die Verantwortung, dass unsere Ehe weiter gelingt und dass wir unser Leben in den letzten Jahren genießen und gut gestalten. Dazu will ich meinen Beitrag leisten und deshalb stehe ich zu meiner Entscheidung für meinen Mann. Ganz tief drinnen in meinem Herzen gibt es aber ein kleines Eckchen, in dem der AM seinen Platz hat. Ich bin ihm nicht mehr böse. Ich danke ihm für alles und in dieser Dankbarkeit und mit dieser Liebe konnte ich ihn endlich loslassen.
Was ich dir wünschen soll, liebe TE, das musst du nun selbst entscheiden. Vor dir liegt so oder so ein langer, steiniger und tränenreicher Weg. In welche Richtung er führen soll, musst du entscheiden. Zuerst im Kopf! Die Gefühle werden folgen.
Alles Gute Dir!