Zitat von Allesvorbei:Wie gesagt: mein Mann und ich sind im Gespräch. Vermutlich werden wir unser Haus so aufteilen, dass man separat voneinander leben kann. Das ist zum Glück möglich! Mit unterschiedlichen Eingängen und so.
Mein Mann und ich mögen uns ja, sind aber schon lange kein paar mehr.
Liebe TE,
es freut mich sehr zu lesen, daß Deine zweite Baustelle sich zu einer echten Perspektive entwickelt. Ich wünsche Euch beiden, daß Ihr diesen Weg weiter miteinander gehen könnt und eine gute Wohngemeinschaft bleibt, so daß Ihr einen idealen Rahmen für die gemeinsame Kindererziehung habt. Zudem ist auch eine Freundschaft viel wert; die meisten Menschen haben nicht mal ein oder zwei (wirklich) gute Freunde in ihrem Leben - wenn Dein Mann und Du sich das erhalten können, so ist das IMO mehr als wertvoll.
Zitat von Allesvorbei:Um das zu verstehen, brauchte ich die Affäre.
Wie gesagt: So abrupt und herzlos sie jetzt auch beendet worden sein mag - im Nachhinein wird auch diese Affaire
für Dich eine Bedeutung erlangen. Das zeigt schon dieser eine Satz.
Dabei ist es völlig irrelevant, wie Dein Ex-AM das
für sich sieht (momentan eben als "größten Fehler seines Lebens"). Jeder von Euch führt sein eigenes Leben. Es ist doch wohl sein Pech, wenn er nicht mehr aus der Affaire lernt, als jetzt den Rest seines Lebens daheim den Diener zu machen - während Du sie zum Anlaß nimmst, Deine Ehe ordentlich abzuschließen und gemeinsam mit Deinem Ex-Mann vor dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft stehst...
Zitat von Allesvorbei:Der AM kommt nicht mehr. Der ist ist mit wehenden Fahnen zu seiner Frau zurück. Und ich muss jetzt halt diese Verletzung verarbeiten.
Siehe oben.
Zitat von Nachtlicht:Ich sehe da kein klares Bekenntnis zur Ehe, sondern im Grunde ist das nur die andere Seite der Feigheit, überhaupt erst heimlich fremd zu gehen. Erst wird die EF belogen und der AF die dollste Liebe beschworen, dann vor der EF gekuscht und die AF von jetzt auf gleich abgeschossen. Erwachsenes, verantwortungsvolles Verhalten sieht anders aus.
Zitat von Nachtlicht:Er schuldet also auch zwei Frauen eine offene und wertschätzende Auflösung der Situation, das passierte aber hier nicht und scheint auch sonst eher unüblich.
Seiner Gattin gegenüber scheint er ja nun zu spuren; immerhin schneidet er die TE auch am Arbeitsplatz, wo die Kontrolle seiner besseren Hälfte wohl schwerlich hinreichen kann. Insofern ist er ihr gegenüber wertschätzend genug.
Was die TE betrifft, so gebe ich Dir recht wenn Du schreibst:
Zitat von Nachtlicht:Sauber wäre HIER zum Beispiel gewesen, sich mit der TE noch einmal zu treffen und sich auf wertschätzende Weise zu verabschieden. Ihr die veränderte Situation zu erklären, ihre Fragen zu beantworten und sich vor allem für den selbst verzapften Mist bei ihr zu entschuldigen anstatt sie von der großen Liebe auf einmal zu einem großen Fehler umzudeklarieren.
Der TE gegenüber war er zwar äußerst knapp und insofern schroff. Doch letztlich war seine Ansage eben auch klar und deutlich. Er ließ keinen Zweifel daran daß
- er jetzt auf Seite seiner Gattin steht und um jeden Preis sein bisheriges Familienleben erhalten will
- seine Gefühle für die TE keine Liebe, sondern allenfalls verliebte Leidenschaft waren
- die Affaire für ihn ein Irrweg war und daher nun beendet ist.
Mehr Erklärung würde auch eine Aussprache letztlich nicht hervorbringen. Natürlich wäre es höflicher gewesen, wenn er der TE nochmal einen handschriftlichen Abschiedsbrief geschrieben oder sich mit ihr auf einen letzten Kaffee im Büro getroffen hätte, aber wirklich ändern - also am Status quo - täte ja auch das nichts mehr.
IMO hilft es der TE jetzt am meisten, wenn sie so rasch wie möglich aus der Position derjenigen abrückt, die nur reagieren kann.
Natürlich bleibt ihr angesichts so eines abrupten Kontaktabbruchs zunächst mal nur, den Status Quo zu akzeptieren und die Affaire ohne Aussprache aufzugeben; einen Rechtsanspruch darauf hat sie ja nun mal nicht und ihn diesbezüglich anzubetteln, würde sie nur demütigen, wo es doch ethisch gesehen
seine Schande ist und bleibt, ihr so ein Gespräch verweigert zu haben.
Aber ab hier kann sie jetzt selbst darüber bestimmen, in welcher Form sie das tut. Deshalb schlug ich ihr beispielsweise vor, ihm einen Abschiedsbrief zu schreiben (aber bitte nicht an ihn abzuschicken), um das Ganze zu verarbeiten. Alternativ könnte sie auch ein Beerdigungsritual veranstalten, indem sie alle gemeinsamen Erinnerungsstücke in ein Paket packt und dieses irgendwo einäschert, begräbt oder in einen tiefen See versenkt.
Ich finde es sehr gut, daß sie bereits für sich erkannt hat, welche Bedeutung diese Affaire für sie schon jetzt hat: Nämlich zu erkennen, daß ihre eigene Ehe endgültig beendet ist, so daß es nur noch darum gehen kann, eine WG - und vielleicht sogar eine gute Freundschaft - mit ihrem Mann aufzubauen.
Irgendwann in hoffentlich nicht mehr allzu ferner Zeit wird sie diese Affaire als eine Etappe in ihrem Leben sehen können, die zwar beziehungstechnisch ein Rohrkrepierer war, aber schon vor diesem Hintergrund dennoch einen Zweck erfüllt und insofern nachträglich als etwas akzeptiert werden kann, das seine Zeit hatte und nun dort stehenblieb, wo es so abrupt beendet wurde.
Die fehlende Formvollendung dieses Endes hingegen wird irgendwann keine Rolle mehr spielen. Denn wie gesagt: Daß der Ex-AM der TE keine ordentliche Aussprache mehr bieten konnte bzw. wollte, ist ja seine Schande und nicht ihre. Im Grunde hat er also sich selbst damit am meisten abgewertet - nämlich zu einem feigen Opportunisten - während die TE ihm nun gelassen mitten ins Auge blicken und einen betont rein dienstlichen Umgang mit ihm pflegen kann, bis er dann endgültig aus der Firma verschwunden ist. Danach wird sich der Umgang dann eh erledigt haben, also was soll's?