@Dummda
Da bist Du leider emotional reingefallen auf das, was ich geschrieben habe

(zieh Dir keinen Schuh an, der Dir nicht passt - und wenn Du Dich da doch unbedingt reinquetschen musst, dann ist das Dein Ding, aber nicht meins). Das mit dem "warmen Nest" war ein Beispiel, denn ich kenne Frauen, denen solche Werte (materielle Sicherheit etc.) wichtiger sind als z.B. eine leidenschaftliche Liebesbeziehung oder ein monogamer Ehegatte. Ist doch auch ok! Jeder so, wie er mag.
Anderen ist vielleicht wichtiger, dass der Partner gemeinsam mit ihnen die liebsten Hobbys ausübt, und sie sind dafür bereit, auf anderes - zB. auch Treue - zu verzichten. Auch geschenkt. Und welche Werte Dir wichtig sind und warum Du es mit Deinen Werten vereinbaren kannst, Deine Ehe trotz des Betrugs fortzuführen, ist doch Deine Sache, und Du musst Dich ganz sicher nicht dafür "verteidigen"!
Ich glaube Dir das ja auch, nach dem, was ich von Euch bisher gehört habe, und Ihr scheint da doch wirklich auf einem guten Weg zu sein. Vertrauen z.B. bedeutet für mich auch, dass mein Partner für mich da ist, wenn ich ihn brauche, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Nicht, dass er mir immer unbedingt die Wahrheit sagt (die möchte ich ja auch manchmal gar nicht hören

und das hat ja z.B. mit einer Affäre auch nichts zu tun. Aber da muss doch jeder mit seinen eigenen Maßstäben messen.
Ich habe in meiner Ehe 16 Jahre lang mit meinen Werten und nach meinen Werten gelebt. Bis ich eines Tages, drei Jahre vor der Trennung, durch einen einzigen Zwischenfall plötzlich gewahr wurde, dass mein Mann mir nicht vertraut, dass er mir gegenüber nicht loyal ist und dass er mich auch nicht genügend respektiert. Und nein, es ging überhaupt nicht um Betrug oder Fremdgehen, sondern etwas ganz anderes.
Mein Liebeskonzept hatte aber in meiner Affäre sowieso keine Daseinsberechtigung, schließlich war es eine Affäre und auch von Anfang an als solche gedacht. Also hatte ich natürlich auch keine "Ansprüche" an Liebe, denn es war ja klar, dass ich nicht geliebt werde und selbst auch nicht liebe. Das ist also gar nicht vergleichbar.
Und das war mir vor allem deshalb von Anfang an klar, weil mein Liebeskonzept in einer Affäre doch gar keinen Raum findet - Vertrauen - jemandem, der eine andere so offensichtlich betrügt und belügt? Öhm. Loyalität für eine Geliebte von einem Betrüger erwarten? Hust. Respekt? Ja, durchaus. Der war in den ersten Monaten nicht da, den habe ich mir erkämpft, denn der war mir wichtig. Und ohne den wäre ich viel früher gegangen. Ich konnte ihn aber nicht "erwarten", denn in einer Affäre geht es eben NICHT um Liebe. Deshalb hatte ich aber auch von Anfang an niemals eine Beziehung mit meinem Ex-AM im Sinn, denn das war mir ja klar, dass sein Liebeskonzept zu meinem nicht passt, da er nun mal eben ein Fremdgänger ist. Und das verträgt sich nicht mit meinen Wünschen, wie ich geliebt werden möchte. Ich kann dafür in einer "offenen Beziehung" leben, habe ich auch schon getan, denn s. Treue ist mir wiederum nicht wichtig. Solange das Ganze mit Vertrauen, Loyalität und Respekt gehandhabt wird eben. Aber das ist ja ein anderes Thema.
Gegen meine WERTE habe ich aber dennoch verstoßen, ich habe meine eigenen Werte verbiegen müssen, um in dieser Affäre sein zu können. Das waren aber andere Werte, die wiederum dann auch eher mit dem Moralsystem zu tun haben (da kommt der Herr Kant wieder mit seinem Imperativ

denn ja, das ist einer meiner Werte, und deshalb habe ich die Affäre dann auch beendet als ich merkte, dass es mir gar nicht gut tut, so gegen meinen Selbstwert zu leben. Das führe ich aber darauf zurück, dass ich meinen Selbstwert während der Affäre wieder so stark erhöht hatte (zu Beginn war er kaum vorhanden, in der frischen Trennungssituation), dass dieser Konflikt immer größer wurde. Heute, wo mein Selbstwert schon fast wieder hergestellt ist, würde ich mich auch gar nicht mehr auf eine Affäre einlassen.