@Vegetari
Das klingt gut in meinen Ohren

Und gar nicht laienhaft ...
Ich bringe mal noch was zum Thema "benutzen" ... es gibt ja in der Paartherapie das recht neue und moderne Konzept der acht Beziehungsbedürfnisse. Und ich denke, in fast jeder langjährigen Beziehung kommt man irgendwann an den Punkt, an dem einem nicht mehr all diese Bedürfnisse befriedigt werden. Und wenn man dann keine Strategie hat, weil man womöglich selber nicht mal so genau weiß, was einem fehlt, sucht man halt die Befriedigung dieser Bedürfnisse im außen. Und schon hat man mit Hilfe zweier Beziehungen alle Bedürfnisse wieder im Lot, et voilà - funktioniert, das System. Jedenfalls für eine gewisse Zeit.
Man müsste sich also der mangelnden Bedürfnisse bewusst werden im Laufe der Affäre, und anschließend daran arbeiten, dass diese auch in der Beziehung wieder erfüllt werden. Das tun aber wohl die wenigsten, sie halten dann eine Weile aus, und irgendwann wird der Druck wieder so groß, dass sie erneut die Erfüllung von außen suchen. Und brauchen. Und dann geht es immer so weiter.
Von den Beziehungsbedürfnissen befriedigt eines mit Bestimmtheit die Hauptbeziehung - nämlich Sicherheit. Und genau das Bedürfnis befriedigt die Affäre eben nicht. Manchmal kommt es dann vielleicht vor, dass die Hauptbeziehung von den acht Bedürfnissen nur noch 2 befriedigt, die Affäre aber 4 oder 5 andere. Dann kann das Ganze in Richtung Affäre kippen, weil die Beziehung schon so ausgehöhlt ist, dass es eine leichte Entscheidung ist.
Meistens ist es aber eher so, dass die Hauptbeziehung 4 oder 5 Bedürfnisse befriedigt, und die Affäre halt die fehlenden 2-3 ergänzt. Dann ist klar, warum es bei der Hauptbeziehung bleibt - man verzichtet dann eher wieder auf das, auf das man auch vorher schon lange verzichtet hat.
Wenn beide zu ungefähr gleichen Teilen die Bedürfnisse befriedigen, wird es heikel. Denn dann hat der Betrüger das Problem, dass er sich keinesfalls entscheiden kann und wird immer damit hadern, vielleicht die falsche Entscheidung getroffen zu haben, egal, welche er gefällt hat. Das stelle ich mir schrecklich vor.
Und die Affärenfrau befriedigt natürlich auch ein paar ihrer Beziehungsbedürfnisse an ihm. Dass sie nur sehr wenige davon befriedigt bekommt, ist am Anfang meistens egal, denn in der Regel besteht bei ihr gerade in Bezug auf ein oder zwei Beziehungsbedürfnisse ein starker Mangel, und solange der gestillt wird, ist erstmal alles gut. Häufig ist es wohl das Bedürfnis nach Bestätigung und Einmaligkeit. Dafür spricht ja auch, dass viele Frauen frisch nach einer Trennung in die Rolle der Geliebten geraten. Weil ihnen genau das in der vorherigen Beziehung gefehlt hat, also wird dieser akute Mangel ja erstmal gestillt und das reicht vorerst auch.
Doch im Laufe der Zeit tauchen dann auch die anderen Bedürfnisse bei ihr auf, und sie stellt fest, dass der Affärenmann diese gar nicht befriedigen kann. Also wird sie unzufrieden und fängt an, Forderungen zu stellen. Natürlich die falschen, denn die eigentliche Schlussfolgerung sollte lauten: Du kannst mir nicht all meine Bedürfnisse befriedigen, also beende ich das hier mit Dir und suche mir jemanden, der das kann. Und nicht: bitte ändere Deine/unsere Situation, damit Du mir all meine Bedürfnisse befriedigen kannst.
Das wäre ja in der Konsequenz auch die einzige Reaktion des Betrügers seiner Frau gegenüber, wenn er wirklich so einen Mangel hat, aber er hat ja alles, was er braucht, nur halt eben von zwei Frauen statt von einer.
Könnte man das Ganze offen leben, wäre es auch kein Problem. Damit wäre der Frau der Druck genommen, für all seine Beziehungsbedürfnisse verantwortlich sein zu müssen, und man könnte sogar auf so einer Basis daran arbeiten (was gibt Dir die andere, was Du von mir nicht mehr bekommst? Wie können wir das wieder ändern?). Aber so viel Toleranz gibt es wohl in echt nicht

Die Leidtragende ist natürlich die Ehefrau, denn auch ihre Bedürfnisse werden ja vermutlich nicht alle gestillt in der Beziehung, sie lebt aber mit ihrem Mangel. Und wenn die Affäre auffliegt, wird ihr auch noch gleich ein weiteres Bedürfnis genommen, das vielleicht vorher die Ehe noch stabilisiert hatte - nämlich die Sicherheit. Sie weiß plötzlich, dass sie diese Sicherheit gar nicht hat, und das kann bei einer sowieso schon destabilisierten Beziehung natürlich dazu führen, dass plötzlich für die Frau viel zu viele Mängel da sind, und dann wird sie die Ehe beenden. Wenn die Beziehung aus ihrer Sicht nach wie vor die meisten ihrer Bedürfnisse befriedigt, wird sie sich entscheiden, zu bleiben. Denn dann kann sie sicher damit leben, dass ihr ein oder zwei Dinge fehlen (wie eben die Sicherheit), wenn der Rest aber noch stimmt.
Also benutzen - ja, klar. So wie man in jeder Beziehung den Partner benutzt - zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse halt. Nur sieht die Waage in der Regel so aus, dass die Affärenfrau viel zu wenige Bedürfnisse gestillt bekommt, der Affärenführer aber fast alle, dadurch, dass sie eben auf zwei Menschen aufgeteilt sind. Und das ergibt eine Ungerechtigkeit im System, die dazu führen kann, dass sich die Affärenfrau ausgenutzt fühlt am Ende.
Da frage ich mich, wie das denn in einer Affäre zwischen zwei gebundenen Menschen ist? Da dürften solche Probleme doch gar nicht entstehen, oder? Irgendwie liest man hier im Forum relativ wenig über solche Konstellationen, ist mir aufgefallen. Der Klassiker scheint immer noch der gebundene Mann und die ungebundene Frau zu sein?