Zitat von Butterblume63:Solch ein Verhalten wie deines:" Immer nur geben,selten was fordern,schlucken und hinhalten lassen bis zum Sankt Nimmerleins-Tag kenne ich von Frauen die als Kind zu einem angepassten Verhalten erzogen wurden.
Womit man endlich da wäre, wo man hin sollte Zu sich selbst. Der Satz von Butterblume trifft den Nagel auf den Kopf. Viele Frauien wurden zu anpassungsfähigen und leicht zu habenden Mädchen erzogen. Oft erfährt man schon als Kind: Liebe ist mit Schmerzen und Verlustangst verbunden. Liebe tut weh.
Aber nach Liebe sehnt man sich am allermeisten, eben weil sie oft so schwer zu erreichen war. Für Liebe muss ich was tun, sie kommt nicht einfach so. Ich muss so und so sein, darf das und jenes nicht tun und wenn doch, spüre ich die Konsequenzen. Z.B. Liebesentzug, Kaltstellen, Nichtbeachtung und als Krönung eine unzufriedene Mutter, die es nicht geschafft hat, das Kind nach ihrem Willen zu formen.
Ich habe in späten Jahren das bei mir auch festgestellt, dass ich immer viel zu lieb und nachgiebig war und mich nicht traute, mich auf die Hinterpfoten zu stellen. Die Angst vor Liebesentzug oder gar Verlassenwerden stand dann immer im Vordergrund. Ich konnte mich nicht abgrenzen und der jeweilige Partner wurde zur Hauptperson, um den sich das Denken und Fühlen drehte. Und was passierte? Ich liebte gefühlt bis zur Selbstaufgabe und wurde dann verlassen. Und suchte Bindungen immer da, wo sie eigentich nichts werden konnte. Der Mann war zu jung oder zu alt oder bindungsunfähig oder hatte kein so Interesse an mir wie ich an ihm. Nur von Verheirateten habe ich immer die Finger gelassen.
Mein Psychotherapeut hat es mir damals so erklärt:
Jeder hat irgendwo unbewältigte Anteile in sich, die nicht wahrgenommen werden, sondern ins Unterbewusstsein abgeschoben werden, wo sie unbemerkt schlummern. Sie drängen aber an die Oberfläche und steuern dann unser Verhalten in Beziehungen z.B.
Hier leben wir meist das nach, was wir kennen. Da spielen dann eigene Kindheitserfahrungen, aber auch Abschauen von den Eltern und unbewusste Übernahme von Beziehungsmodellen eine Rolle. Obendrauf kommen dann noch Erfahrungen, die man im Lauf des Lebens lieber nicht gemacht hätte.
In vielen Leben gibt es Wiederholungseffekte. Liebesbeziehungen scheitern oft und man wird immer wieder verlassen oder verlässt immer wieder selbst, weil man sich unbewusst die "passenden" Männer sucht, die die eigenen Leerstellen bedienen. Die Seele möchte diese inneren Defizite gerne beheben und ausgleichen. Aber sie hat keine Mechanismen uns das direkt zu sagen. Sie schickt uns aber in ähnliche Situationen und zwar immer mit dem Wunsch, dass die Blessuren dieses Mal endlich geheilt werden und Frieden einkehrt. Das ist meist nicht der Fall. Und dann warten wir, bis das erneute Scheitern oder Reinfallen nicht mehr weh tut.
Das ist leider zu wenig, weil wir nichts daraus lernen und keinen Gewinn für uns daraus ziehen. Daher wäre es so wichtig, nach Krisensituationen, wenn man wieder halbwegs klar bei Verstand ist, den Blick auf sich selbst zu wenden.
Warum suche ich auf Datingportalen und was suche ich? Warum wird aus einer harmlosen Affäre eine Liebesbeziehung? Warum sorge ich nicht besser für mich und erkenne die Realittät an, dass ein verheirateter Familienvater mit zwei Kindern und einem gewachsenen Umfeld nur in seltensten Fällen das traute Heim verlässt? Da kann die Ehe noch so schlecht sein, da wird dann trotzdem eher die Geliebte geopfert, weil es einfacher ist. Ein Ausbrechen bei ihm wäre eine hochstressige Angelegenheit, weil oft auch das soziale Umfeld an Geschwistern, Schwagern, Eltern und sogar Freunden durcheinander gewirbelt werden kann. Hinzu kommen Ängste, dass die neue Beziehung doch nicht das gibt, was man sich erhofft. Ich kann gut verstehen, dass er dieses Risiko nicht eingeht. Abgesehen von den finanziellen Konsequenzen.
Warum lasse ich mich zum Kummerkasten machen und ziehe noch den Gewinn daraus, dass er mir ein gefühltes besonderes Vertrauen entgegen bringt? Warum habe ich das nötig? Warum schaue ich mich nicht nach ungebundenen Männern um, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sie erreichbar sind? Warum lasse ich mich überhaupt mit gebundenen Männern ein? Warum passe ich nicht besser auf mich auf, wo ich doch weiß, wie verletzlich ich bin? Warum trete ich nicht selbstbewusster auf und gestalte mein Leben, anstatt es maßgeblich von einem Mann gestalten zu lassen? Warum lass ich mich als Zaungast in ein System einbinden, das nicht meines ist? Warum befasse ich mich so gerne gedanklich mit der EF und warum ist es für mich so wichtig, dass es bei ihm eben doch Liebe war?
Die Liste der Fragen kann endlos sein und die Selbsterkenntnis schwer zu erreichen und oft auch nicht schön anzuschauen, wenn man eine Ahnung von den eigenen Motiven bekommt. Es ist aber durchaus lohnend, den Blick auf sich zu lenken.
Ein fähiger Therapeut kann unterstützen, aber er wird nicht das Leben retten können und die Hauptarbeit liegt immer bei einem selbstg. Wenn man sich innerlich nicht bewegst, kann er auch nichts ausrichten.Denn dann kommt nur ein Pflaster auf die Wunde, ehe sie wieder aufbricht.
Begonie