Zitat von FrauDrachin:ch könnte mir auch vorstellen, dass es eine große Hypothek für eine Beziehung ist, wenn auf beiden Seiten schon so viel geopfert wurde, und entsprechend die Erwartungen unendlich sind.
Das ist garantiert so. Gerade in Fällen, wo zwei Affärenpartner tatsächlich zusammen kommen, ist die Erwartung an das große und dauerhafte Glück ja unendlich. Erst macht man sich die Mühe, Zeit für die Affäre aufzubringen, was klar zu Lasten anderer Dinge geht. Dann ist eine Affäre meist von Heimlichkeit geprägt, was einerseits anfangs eher motivierend und belebend wirkt, auf längere Sicht aber frustriert, weil man nicht eben mal mit dem AM Händchen haltend durch die City spazieren kann. Affärentreffen sind meist immer etwas Besonderes, fern vom Alttag holt man sich bei allem Energieaufwand aber auch wieder Energie für sich selbst.
Irgendwann dann kommt der Knall, die Affäre fliegt auf und meistens ist sie damit zu Ende. Oder aber beide beschließen, das Neue zu wagen.
Und dann kommt bei allem Glücksgefühl der Stress. Es gibrt Ärger und Streit zu Hause, die Kinder vor neue Tatsachen zu stellen, ist eine Herausforderung für sich, dann Anwälte, Scheidung, Kosten, Vermögen auseinander dividieren, Wohnsituation klären, Versicherungen kündigen, Stromanbieter und und und. Das kostet dann Nerven und Kraft ohne Ende.
Aber Gott sei Dank es wartet ja auf mich das allumfassende Glück mit dem neuen Partner. Da mache ich das doch gerne, denn wir haben ja ein Ziel - unser Glück und endlich zusammen sein können ohne Ende.
Jeden Abend Essen bei Kerzenschein, reden, lachen, Wein trinken, ausgehen, gemeinsame Unternehmungen, Austausch, das Körperliche kommt logischerweise dazu, reisen Die Glückserwartungen sind riesig und meistens völlig realitätsfremd. Man stellt irgendwann fest, dass die Erwartungen völlig überzogen waren. Ja, wenn wir schon so viel Porzellan zerschlagen, dann muss sich das ja auch lohnen!
Und dann kommt der Alltag. Erst jetzt lernt man den neuen Partner mit seinen Ecken und Kanten kennen und das große Glück flaut ab und bekommt erste Risse. Sooo kenne ich den ja gar nicht! Aha, die und die Angewohnheiten von ihm lerne ich jetzt erst kennen. Und im Hintergrund mischt immer noch die Ursprungsfamilie mit und stört.
Ganz ehrlich, mir wäre das zu stressig. Selbst bei getrennten Vermögen und ohne Kinder lohnt sich der Aufwand dafür nicht. Denn ob es mit dem Neuen jemals so läuft wie mit dem Ehemann, ist mehr als fraglich. Da muss schon sehr viel schief gehen, eine Ehe aufzulösen. Aber gut, ich bin weit über 50, da lernt man mit seinen Ressourcen zu haushalten.
Traurig, ich denke gerade dran, dass bei Euch von Anfang an ein Ungleichgewicht da war. Stell Dir mal eine Waage vor. Auf der einen Waagschale ist seine Familie, 4 Personen, ein Haus, soziale Kontakte, in die die Familie als Ganzes eingebunden ist, Vermögensverhältnisse, gemeinsames Leben, gemeinsame Sorgen, eine Familiengeschichte usw. Diese Waagschale ist unheimlich schwer und zieht nach unten. Auf der anderen Waagschale bist Du und hängst quasi in der Luft. Und Du mit Deinem Gewicht kannst diese Diskrepanz niemals ausgleichen.
Er müsste die Waagschale ausgleichen, seine Seite verlassen und damit Deiner Seite mehr Gewicht geben. Das aber bedeutet Streß, das Aufgeben von Gewohntem, das Verlassen des Sicherheitsnetzes. Er hätte viel mehr aufgeben müssen als Du, denn Du warst ja weitgehend frei.
Eine Affärenfrau wird kaum jemals an die Ehefrau heran reichen. Bei der EF weiß er was er hat, bei der AF weiß er nur, was er vielleicht hat. Das Glücksgefühl einer Affäre in eine dauerhafte Beziehung zu übernehmen, ist unmöglich.
Gib Dich nie mit einem verheiratetem Mann ab. Die wenigsten schaffen den Absprung und bescheiden sich lieber im Altgewohnten, das ja nun auch nicht so oder nur schlecht ist. Du kannst dem nichts oder letztendlich zu wenig entgegen setzen.
Alles was ihr hattet, war auch eine Illusion und Du hattest von Anfang an keine Chance. Und jetzt hast Du das Nachsehen und unendlich viel verloren. Deinen Lebensinhalt.
Viele Aufgaben warten auf Dich. Deinem Leben wieder einen neuen Sinn geben, die Lücken aufzufüllen, die er hinterlassen hat, das kranke Herz heilen, die Tränen weinen und die Hoffnungen begraben. Es kann Dir nicht gut gehen!
Das sind nun Aufgaben, die das Leben Dir stellt. Ich habe mir oft gedacht, manchmal gibt einem das Leben was auf Vorschuss, aber die Rechnung kommt dann später. Ich hatte vor Jahren auch eine Affäre neben meiner Ehe und er war ledig. Bei allen Glückserwartungen weiß ich heute, hätte ich mich entscheiden müssen, wäre ich ziemlich sicher doch bei meinem Mann geblieben. Ich entschied nichts und so wurde für mich entschieden. Der AM verließ mich, der elende Schuft und damit tat er genau das Richtige. Meine Erwartungen an ihn waren hoffnungslos überzogen und er hätte dann wohl kaum an den EM heran reichen können. Dann kommen die Vergleiche und der erste Frust breitet sich aus. Aus so was kann keine neues Glück entstehen.
Du hast Dir durch das unrühmiche Ende vielleicht auch etwas erspart, was Du sonst durchleben hättest müssen.Vielleicht hat Dich das Leben sogar vor einem späteren Scherbenhaufen bewahrt. Das ist jetzt nur ein schwacher Trost, das weiß ich. Es gibt ja einen alten Spruch, den ich mal gehört habe, der eher ein Gebet ist: Herr, gib mir nicht alles, was ich mir wünsche!
Der Mensch ist nämlich oft ziemlich kurzsichtig.
Begonie