Zitat von HerrZ: Niemand kann in eine glückliche Beziehung "einbrechen".
Das würde ich gerne ergänzen: Niemand kann in eine glückliche, noch frisch Beziehung einbrechen, in der es noch Leidenschaft und Verliebtheitsgefühle gibt. Die aber haben leider ein Verfallsdatum. Immer!
Als ich meine Affäre hatte, kannten mein Mann und ich uns bereits fast 30 Jahre, hatten viel zusammen aufgebaut aber auch viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Die Beziehung zu meinen Eltern war von Anfang an schwierig, weil sie meinen Mann ablehnten. Zuerst setzten sie mich stark unter Druck, dass ich mich trennen sollte. Ich war damals noch sehr jung und mein Mann mein erster richtiger Freund. Trotzig und weil ich sehr verliebt war, blieb ich standhaft, bezahlte dafür aber einen hohen Preis. Z.B. durfte ich nicht die schulische Berufsausbildung machen, die ich mir ausgesucht hatte, da meine Eltern mir das dafür notwendige Schulgeld nicht geben wollten. Sie wollten mich statt dessen in eine weit entfernte Stadt in Ausbildung stecken, um mich und meinen Mann auseinander zu bringen. Doch ich suchte mir kurzerhand eine betriebliche Ausbildung die mich finanziell halbwegs unabhängig machte.
Als mein Mann und ich zusammen zogen, ließen meine Eltern mich quasi fallen und wendeten sich umso mehr meiner Schwester zu, mit der sie eine Immobilie kauften, in der sie gemeinsam wohnten. Als mein Mann und ich heirateten, waren sie zwar bei unserer Hochzeit, doch sie verhielten sich eher wie unbeteiligte Gäste, nicht so, wie man es von Brauteltern erwarten würde. Als dann unser Kind krank zur Welt kam, waren sie mir keine Hilfe. Im Gegenteil zogen sie sich noch mehr zurück und gaben mir indirekt das Gefühl, an unserem schweren Schicksal selbst Schuld zu sein.
Es blieb ein sporadischer Kontakt, doch es war für mich belastend und teilweise unerträglich. Mein Mann distanzierte sich von meinen Eltern und hatte somit das Problem für sich gelöst. Als sie starben, verstand er meine Trauer nicht und bot mir keinen Halt. Auch mit dem kranken Kind ließ er mich allein, begrüßte es aber, dass ich dafür auf meinen Beruf verzichtete, Hausfrau wurde und mich allein um den Kinder und Haushalt kümmerte. Das fiel mir nicht schwer, denn in dem alternativen Beruf, den ich ja eigentlich gar nicht gewollt hatte, der nur eine Notlösung für mich war, fühlte ich mich nie wohl. Dennoch vermisste ich ein eigenes Gehalt, Bestätigung im Beruf und einfach einen Ausgleich für die Belastungen zu Hause.
Als meine Kinder aus dem gröbsten raus waren, der kranke Sohn austherapiert war und auf dem richtigen Weg schien, fing ich an, an meinem beruflichen Wiedereinstieg zu arbeiten. Doch auch hier bekam ich kaum Unterstützung, auch nicht seitens meines Mannes. Trotz allem schaffte ich es... und begegnete im allerersten Job nach meiner Umschulung dem AM.
Was ich damit sagen will, eine langjährige Ehe ist ein Marathonlauf. Anfangs in der Kirche und während des Gelöbnisses kann eigentlich so richtig niemand ermessen, was es heißt, ewige Treue zu schwören. Das Leben geht seinen eigenen Weg und verlangt manchmal alles und noch mehr ab. Das soll jetzt keine Entschuldigung sein, nur ein Erklärungsversuch, warum Affären trotz aller guten Absichten passieren können. Das hat meiner Meinung nach nichts mit schlechtem Charakter zu tun. Eher damit, dass eine langjährige Ehe enorm viel abverlangt. Mehr als man sich vorstellen kann und dass man evtl. mal an einem Punkt landen könnte, wo man eigentlich die Ehe beenden sollte.
Doch oft sind da eben Haus, Kind, Hund und Hamster, familiäre Bindungen und Verpflichtungen, die man nicht so einfach über Bord werfen kann. Ich versuchte das und trennte mich Hals über Kopf und viel zu schnell, wie ich heute weiß. Die Affäre war nämlich nur ein Strohfeuer ohne Substanz. So sehr ich mir das damals auch anders gewünscht hätte.
Was blieb war eine riesige Jauchegrube, die mein Mann und ich über Jahre mit einem Teelöffel trocken legten. Heute geht es uns wieder gut zusammen, weil wir uns nämlich trotz allem dazu entschieden, an unserer Ehe festzuhalten und das Gelübde zu erneuern. Und zum Glück ist uns das gelungen. Es war eine Krise, wenn nicht die größte Krise unserer Ehe und meines Lebens. Es tut mir unendlich leid, dass ich meinen Mann damit so sehr verletzt habe und ganz sicher wird so etwas nie wieder passieren. Für mich aber war das ganze offenbar notwendig, um zu reifen, Dinge zu verarbeiten und Verletzungen zu heilen. Habe ich deshalb jetzt einen schlechteren Charakter als andere? Ich glaube nicht! Ich glaube ich bin wie alle anderen auch einfach nur ein Mensch. Darum bitte ich um Nachsicht und etwas mehr Milde mit Affärenbetroffenen. Das sind keine schlechten Menschen, jedenfalls die wenigsten davon. Es sind einfach Menschen mit Bedürfnissen, die in einer schwierigen Situation die falsche Entscheidung getroffen haben. Nicht mehr und nicht weniger.