Zitat von mental_timeline:Ich denke das Ziel dieses Threads ist, die Menschen in deren Sichtweise zu sensibilisieren. Es sind nicht (immer) die anderen Schuld, man trägt die Verantwortung über das eigene handeln selbst.
Danke, dafür ist es gedacht. Ich musste das auch erst lernen.
Zitat von mental_timeline:Dabei ist es ganz simpel: warum soll man so leichtfertig die eigene Verantwortung abgeben. Das Glück und die Lebensfreude steckt in einem selbst und diese sollte man durch Dinge von außen nicht beeinflussen lassen (gesellschaftlicher Druck)
Das habe ich lernen können, nach Jahren des Leidens. Zumeist war es für mich eine Qual die Wohnung zu verlassen, geschweige denn U-Bahn oder Bus zu fahren. Jeder Tag war die Hölle, wenn man morgens zur Arbeit musste und abends zurück. Und dann die Lügen gegenüber Menschen, die man gerne hat/liebt wegen der Scham und andererseits um diese Menschen damit nicht zu belasten. Ich habe mich immer mehr isoliert und dann rutschte ich in die Depression. Es ist so schwer anderen Menschen klar zu machen, was eine Angststörung ist, wie diffus sie sein kann und diese verdammte Hilflosigkeit, für mich... Einen Menschen der immer alles unter Kontrolle hatte und mit seinem Intellekt lösen konnte. Aber irgendwann war das Leid einfach zu gross und ich wollte etwas ändern, keine Ahnung woher die Energie kam. Vermutlich durch meine damalige Trennung.
Stolz kann ich sagen, dass ich im Sommer in Sevilla war, letzte Woche Urlaub in Jordanien. Das war vor 2 Jahre pures und absurdes Wunschdenken. Litauen zu Silvester, im Februar Sizilien und im März Israel.
Will damit sagen: ich bin wieder Herr über mein Leben und nicht mehr meine Angsterkrankung, mit der ich sehr offensiv umgehe. Selbst mein Arbeitgeber weiss davon und ich "berate" in unserem Unternehmen gerne im Bezug auf meine Erfahrungen, die auch anderen zu gute kommen können. Nach meiner stationären Therapie habe ich mich mit der Geschäftsführung zusammengesetzt und sie aufgeklärt. Ich war schockiert, wie wenig Wissen in so einem grossen Unternehmen bzgl. psychischer Erkrankungen vorhanden war und wie wenig für Betroffene Kollegen möglich war. Mittlerweile hat sich da einiges getan, auch, weil ein Fall sehr extrem wurde und das gesamte Unternehmen erschüttert hat. Genau in der Zeit kam ich von meiner Auszeit wieder.
Grade deswegen werde ich hier oft missverstanden, wenn ich harsch und provokativ jemanden dazu aufrufe, die Backen zusammenzuklemmen und es anzugehen. Ich kenne das alles nur zu gut und über Jahre. Und mir geht es heute sehr gut! Lasst nicht soviel Zeit verstreichen wie ich - die bekommt ihr nicht wieder.
Zitat von mental_timeline:Es gehört viel Mut und Stärke dazu, die eigene Angst zu überwinden.
Davon kann ich ein Lied singen. Wenn Menschen von Angst reden bzgl. Arbeitplatz, Partnerschaft usw. Denke ich oft: du hast keine Ahnung, was das Wort Angst bedeutet und wie sehr sich und dieses Gefühl deinen Körper und dein Leben als Geisel nimmt. Angst ist Phantasie, keine Realität! Real wird sie erst durch unsere Handlungen. Ein langer und schwieriger Weg das zu lernen und zu leben.
Zitat von mental_timeline:Übrigens, Provokation beeinflusst die selbstwahrnehmung des anderen.
Ich weiss... Darum tue ich das so gerne.

Auch schon bei dir.
Deswegen auch der Thread. Ich möchte sensibilisieren - grade hier, wo sich Menschen in einer Lebenskrise an andere wenden. Auch die Idioten, die hier meinen Fakes reinstellen zu müssen, sollten wissen, was sie hier anrichten können.