Tin
Mitglied
- Beiträge:
- 1171
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 1661
- Mitglied seit:
Zitat von Mitleser1234:Offen, ehrlich und so wahr.
Danke.
Du ahnst nicht wie groß mein Danke ist....
Offenheit und Ehrlichkeit zählen zu meinen "Stärken". Leider habe ich aber die Erfahrung machen müssen, dass die wenigsten Menschen mit glasharter Ehrlichkeit wirklich klarkommen. Allerdings ist das eine meiner Baustellen: vielleicht meine Ehrlichkeit nicht ganz so rigoros und direkt zu kommunizieren. Du glaubst nicht, wie oft man damit aneckt - selbst hier. Manchmal ist wohl "einfach mal die Klappe halten" angebrachter. Kann ich aber schlecht, wenn ich sehe, dass etwas besser laufen kann oder meinem Fairnessempfinden nicht entspricht. Das wie gesagt eine Baustelle, an der ich dran bin und wo ich noch unsicher bin in welchen Situationen ich ruhig sein sollte. Dummerweise gibt es aber immer diese Situationen, in denen ich das nicht kann und denke: Hier muss sich doch was ändern! Sonst macht ja keiner den Mund auf.
Damit macht man sich auch gerne mal "Feinde". Ist aber deren Baustelle, nicht meine. Ich bin von dem mir anerzogenen "Eversbodys Darling" sein zu wollen weg. Meine Mutter ist sehr darauf bedacht, jedem und allem zu gefallen - so war eben auch meine Erziehung. Dumm nur, dass sie immer nur an alle anderen dabei denkt und sich selbst vergisst. Merke: wenn du immer nur alle Menschen glücklich machen willst, scheitert es sowieso daran, dass du mindestens einen Menschen dabei vergisst: dich selbst.
Um den Bogen zu Partnerschaften zu bekommen - auch hier ist schonungslose Ehrlichkeit nicht sonderlich gerne gesehen. Diese Erfahrung musste ich auch schmerzlich machen. Auch wenn ich geglaubt habe das Richtige zu tun (ich wurde so erzogen, dass es IMMER richtig ist die Wahrheit zu sagen) war es das nicht immer.
Mein Psychologe sagte mal dazu: "Wissen sie Herr Tin, immer das Richtige zu tun, kann niemals richtig SEIN."
Ich habe mich lange an diesem Satz gestossen, er ist wie so ein Würfel mit sehr scharfen Kanten und Ecken in meinem Hals stecken geblieben. Irgendwann habe ich es aber kapiert. "Wahrheit", die eng mit der Ehrlichkeit verbunden ist, ist auch nur ein subjektives Empfinden, kein Faktum, ähnlich wie Sicherheit, Fairness oder Gerechtigkeit.
So auch in einer Partnerschaft. Der Mensch ist ein soziales Wesen, von Natur aus eher konfliktscheu und hat einen gewissen Harmoniebedarf. Oft wird der Konflikt in der Partnerschaft vermieden (lügen, verschweigen, verdrehen) um diesen offensichtlichen Konflikt nicht zu haben. Viele Menschen handeln unterbewusst oder sogar bewusst danach. Blöderweise übersehen aber genug dieser Menschen, dass sie sich den Konflikt damit ins eigene "Haus" holen und den dann mit sich selber austragen müssen. Man schluckt lieber und zack, schon musst du dich damit in dir selbst auseinandersetzen. Meist ist das noch schwieriger, denn man trägt diesen Konflikt dann nur mit sich selbst und seiner eigenen Sichtweise aus - ohne frischen Input von aussen, der ihn lösen könnte.
@Tamisa hat hier ein tolles (wenn auch ungewolltes Beispiel) gebracht.
Zitat von Tamisa:Wie hätte man das denn angehen sollen? Hallo ich vermute bei dir Asperger. Könntest du dich mal
durchchecken lassen? Nicht jeder nimmt so was an.
Konflikt in der Partnerschaft vermieden, aber -Bäm- in sich selbst hineingezogen und darauf rumdenkend: wie soll ich es ihm sagen? Wie kann er so sein, da muss doch was dahinterstecken?
Die Grundannahme dabei ist jedoch: ich weiss, wie er reagiert und dann lasse ich es lieber. Nö! Man glaubt zu wissen! Ein grosser Unterschied. Wissen kann ich erst durch die dedizierte Erfahrung, wenn ich es anspreche. Ältere Erfahrungen einfach zu übertragen, die halbwegs zu der Situation passen könnte... Beispiel? Ein "Ich glaube, du hast dir das Bein gebrochen" scheint viel einfacher kommunizierbar. Warum ist das so?
Ich will damit nicht sagen, dass man in einer Beziehung (jedweder Art) jeden Konflikt nach aussen tragen sollte. Aber warum kann man ihn nicht erstmal ruhen lassen, bis ein passender Zeitpunkt gekommen ist um in Ruhe darüber zu reden. Leider ist dieses Wort so negativ konnotiert, dass "Konflikt" mit Streit, Ärger, Auseinandersetzung der unschönen Art verbunden ist. Ist es nicht. Jedes Wort an sich ist erstmal wertfrei. Konflikte können helfen sich selbst besser kennenzulernen, die Partner besser zu verstehen, überhaupt erstmal in die Position zu kommen den Gegenüber und seine Sichtweise zu erfassen.
Ohje, wurde nun doch länger. Wichtig für mich ist und auch das möchte ich vermitteln: meine Erkrankung hat mich stärker gemacht. Frei nach Pater Lorenzo aus Romeo und Julia: nichts auf dieser Erde ist so schlecht, dass es nicht auch Nutzen brächt'.
Auseinandersetzung mit sich selbst, eigenen Anteilen an Situation oder Beziehungen, nachsteuern und nicht verhaaren, neu bewerten... Alles Dinge, die einem selbst gut tun und so auch eine Partnerschaft bereichern WERDEN.