Hologramm77
Gast
Man ist ganz schön arm dran, wenn man das nicht kapiert: Ich habe es lange nicht akzeptiert, habe lange an große Liebe geglaubt. Ich wollte auch mal glücklich sein, mal wissen wie sich das anfühlt. Ein Krümelchen des Glücks erhielt auch ich, als ich mich über eine Weile mit einer bezaubernden, jungen Frau getroffen habe (einige Beiträge im Tagebuch gehen um sie). Allein, dass ich von dieser Frau nicht sofort abgelehnt wurde, war für mich schon ein Glück: Dass ich sie erleben durfte, Einblicke in ihre Welt bekam, dass sie sich fröhlich mit mir unterhielt und ausging. Ein happy end stand irgendwann in meinem Herzen schon geschrieben. Doch mit meiner Vorgeschichte traute ich mich nie wirklich die Hand auszustrecken. Ein gebranntes Kind oder damals junger Mann scheut eben das Feuer - obwohl auf sie eigentlich die Charakterisierung eines kompletten Infernos passt. Naja, und auch von ihrer Seite gab es dann kein happy end mit mir als sie sich für einen anderen entschieden hatte. Freundschaft damit auch ade.
Doch wie es mit uns als Paar weitergegangen wäre? Ich weiß es nicht. Nein, wirklich nicht. Die Vorstellungswelt reichte bis zum Erobern. Was nach diesem happy end kommt - tagtägliches Zusammensein, miteinander schlafen, aufstehen, frühstücken, Wohnung sauber machen und die ganzen kleinen Dinge des Alltags - davon hatte ich keinen blassen Schimmer. Für mich war das miteinander schlafen schon eine große Sache. Doch jemanden länger an meiner Seite haben, es gab keine Vorstellung davon. Ist das nicht irre: Die bezauberndste Frau vor der Nase und der Kerl weiß nicht, wie er mit ihr zusammenleben kann. Irre, einfach irre.
Sonderlich verwunderlich ist das auch nicht. Die meiste Zeit trieb ich mich allein rum, suchte Kontakt und fand ihn ab und zu auch mal. Distanz ist ein Zustand, der mir vertraut ist. Bei Nähe und Zuwendung kriege ich Probleme. Und für ne Beziehung ist einfach zu wenig, dass ich einfach nur da bin. In den Discos - ich war einfach nur da, habe getanzt, getrunken, gelächelt und oft heimlich sehnsüchtig das eine oder andere junge Mädchen angeschaut. In einem Leben voller Distanz, wie soll sich das mal eben in Nähe verwandeln? Ich gab mir ja Mühe, auf die ein oder andere zuzugehen. Doch meistens war das so versteckt und auch so gleichgültig, reserviert und konzenrtiert, dass jedes Mädchen das Interesse verlieren musste. Mir gefällt diese Denkweise lieber als die andere - dass ich beim Mädel schon auf den ersten Blick gewonnen hatte; dass sie nur wegen ein paar gerader Sätze von mir ihn Ohnmacht fällt (wie blöd müssen die anderen dann wirklich sein?)
Im Grunde kenne ich also mittlerweile meine Schwächen. Doch mit ihnen umzugehen verstehe ich trotzdem noch nicht. Es gibt immer mal wieder einen kleinen Schritt nach vorn, wenn ich eine Schwäche bewusst angehe. Meistens lasse ich sie links liegen. Doch selbst diese kleine Schritte stimmen mich zuversichtlich, dass auch bei mir einmal nach dem ersten großen happy end viele weitere kleine folgen werden.