Liebes @Nachtlicht
ich freu mich immer wieder, einen Kommentar von dir zu lesen - insbesondere das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert:
Zitat von Nachtlicht: Ich weiß nicht, ob du mit der Musik von Björk etwas anfangen kannst (ist ja ziemlich speziell), aber mir fiel direkt eine Textzeile eines ihrer Lieder von früher ein. "I miss you, but I haven't met you yet"
Just in diesem Moment gucke ich das Björk-Poster in meinem Zimmer an, für mich ist sie eine der prägendsten Musikerinnen, die es überhaupt gibt. Und neben diesem sehr passenden Song muss ich auch oft an diesen denken: "How could I be so immature?/ To think he could replace/ The missing elements in me/
How extremely lazy of me". Ich freu mich grad richtig, dass du sie erwähnt hast.
Ich kann dir wieder nur in allen Punkten zustimmen. Momentan lese ich von Bärbel Wardetzki "Weiblicher Narzissmus", ein Buch, auf das ich zufällig gestoßen bin; und was soll ich sagen. Ich erkenne mich sehr stark wieder und sehe nun ein klareres Bild - auch, wenn meine Therapie alles schon indirekt aufgedeckt hat, wirkt das geschriebene Wort nochmal mehr auf mich. Und im Grunde besteht hier ein wesentliches Problem:
Zitat von Nachtlicht: da projizierst du womöglich etwas, das du selbst annimmst, auf die anderen.
Zu hohe Erwartungen an mich selbst und an mein Umfeld lassen mich nicht ruhen und das sehen, was ich schon erreicht habe. Auch der Gedanke, dass ich gemocht werden kann, weil ich ich bin, ist extrem schwer anzunehmen. Gleichzeitig ist es für mich auch enorm hilfreich zu sehen, welche "großartigen" Teile in mir schwelen, also wie ich selbst aus Unsicherheit dazu neige, Menschen zu entwerten oder mich selbst für überlegen zu halten. Sehr unangenehm, aber eben auch Teil der Wahrheit. All das ist der Ursprung meiner Depression, die mich daran hindert, wie du sagst, nach "vorne zu blicken", auch, wenn ich das mehr und mehr versuche.
Zitat von Nachtlicht: Versuch mal den Gedanken zuzulassen, dass du all das nur bis zu einem bestimmten Punkt beeinflussen kannst und vieles im Leben schlichtweg einfach höhere Gewalt ist.
Auf jeden Fall. Als jemand, der sehr stark die Kontrolle braucht, ist das die wichtigste Erkenntnis. Und ich denke, dass die Pandemie einen genau das gelehrt hat, wenn auch auf harte Tour.
Zitat von Nachtlicht: Ich konnte einfach leider keine Kinder bekommen, die Gründe lagen also in meiner Person bzw. an meinem Körper, nicht daran dass ich keine dafür passenden Partner gefunden hätte
Tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musstest. Vor allem in einer Welt, in der man quasi nur als Mutter als "vollwertige Frau" gilt. Tatsächlich ist es auch etwas, was meine Therapeutin mir mal als "Gedankenexperiment" mitgegeben hat - wie schaffen es Frauen, die aus physischen Gründen keine Kinder bekommen können, Lebensmut zu schöpfen? Auch sie leben schließlich weiter und sind auch von Kindern umgeben. Mir fällt das sehr schwer und ich habe größten Respekt vor allen, die das ohne Verbitterung schaffen.
Meine Mutter sagte mir auch mal, dass ich über einen Plan B nachdenken sollte - Momentan kann ich das aber nicht so recht zulassen, weil dann offenbar doch noch etwas Hoffnung da ist, dass es doch noch was werden könnte.
Jetzt ist das hier fast zur Selbsttherapie ausgeartet

Aber ich finde es wirklich toll, wie viel Unterstützung man hier bekommen kann.
Euch allen einen schönen Nikolaustag!