@gast78:
...eine ganz Liebe
@Berlin-Gast: ich las heute Nacht in einem Buch und musste unweigerlich an deine Zeilen denken. Es geht in dem Buch an dieser Stelle um "Ausbruchsszenarien" versus "Wünsche"/"wahre Abenteuer".
Die Autorin beschreibt, dass jeder Mensch einen tiefen Wunsch hat (berufliche Selbstverwirklichung, um die Hand eines Menschen anhalten, noch einmal einen individuell-bedeutungsvollen Ort besuchen, noch mal mit 50. Jahren beginnen zu studieren, sein derzeitiges Leben "kündigen" und einen bisher als unmöglich erschienenen Traum wie ein Buch zu schreiben verwirklichen usw.).
Dass fast jeder Mensch aber derartige Ängste hat, diesen Traum, den er schon jahrzehnte in sich trägt anzugehen, dass er sich statt dessen in Ausfluchtsszenarien flüchtet und diese ihm möglicher scheinen als die Verwirklichung seines Traumes.
Real sei es aber umgekehrt: von dem Traum geht meistens keine Gefahr aus...gefährlich scheint es nur aus emotionalen Gründen...
Und so gönnen sich die Menschen ersatzeshalber kleine und große Ausflüchte (das kann ein Abenteuerurlaub, eine Affäre, eine Wochenend-Sauf-Tour, ein teures Auto oder sonst was sein) anstatt dass sie ihrem Herzenswunsch folgen.
Das wahre Abenteuer sei aber immer wesentlich unspektakulärer und erfülle im tiefsten Herzen, erfülle das Leben mit Sinn und macht einfach glücklich, während Fluchtszenarien nur kurze Erleichterung- aber doch ein flaues Gefühl- aufjedenfall keine tiefe Befriedigung verschaffen.
Ich lese das Buch weil auch ich meine ganz eigenen Fluchtszenarien praktiziere und immer wieder vor meinen Träumen zurück schrecke als ginge eine Gefahr von ihnen aus. Und ich will damit keinesfalls unterstellen, dass jede Affäre eine Ausflucht ist! Auch Treue und das Festhalten an einer unglücklichen Beziehung kann so eine Flucht sein...Aber nachdem, was ich hier heute von dir las, macht es doch den Eindruck auf mich...
Ich glaube, dass wir alle sehr oft die Lösungen an der falschen Stelle suchen.
Wir drücken uns vor etwas, das getan sein will (und jeder Mensch hat da etwas) und fühlen uns deswegen unausgefüllt...und dann suchen wir eine Ersatzbefriedigung...
Das gesamte Lebenskonzept funktioniert manchmal nicht mehr...Wir suchen aber INNERHALB dieses für uns falschen Lebens nach einem Ausweg und den gibts natürlich nicht.
Zitat:Ihr habt gut reden. Zeigt mir doch einfach mal eine sinnvolle Alternative auf.
Nochmals meine Frau will seit vielen Jahren selten oder keinen Sex mehr. Ich habe Schulden bis unter die Dachkante wegen Hausbau und 2 versorgungspflichtige Kinder.
Auf die Frage an meine Frau wie ich mit meinem Sexbedürfnis umgehen soll, bekomme ich die Antwort "Mach was Du willst, Hauptsache ist, Du kommst abends wieder nach Hause".
Soll ich mich etwa trennen, muss dann für 3 Köpfe Unterhalt zahlen, wahrscheinlich Haus verkaufen und dann hoffen, wieder eine Frau zu finden, die vielleicht merh Lust auf Sex hat?
Bitte fasse das nicht als Überheblichkeit auf: aber das klingt nach einem selbst geschaffenen Gefängnis.
Ich nehme mich da übrigens nicht aus wenn mein Gefängnis auch anders aussieht.
Und ich lese das Buch nicht, um hier Leute zu belehren. Ich lese es für mich...Aber es passte einfach zu gut, so dass ich es hier mal reinstelle.
Es gäbe auch in meinem Leben 1000 Gründe, warum ich etwas NICHT verändern können sollte...aber das sind Ausreden- ohne dass ich leugne, dass es kein leichter Weg ist. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er etwas wagt um seine Träume zu verwirklichen oder nicht...