Zitat von thegirlnextdoor: Was heißt "Konventionen"..? Wer zwingt einen im Jahr 2024 mit einem Menschen zusammen zu sein, der einen nicht anspricht, den man nicht anziehend findet..?
Wer einen dazu zwingt? Der innere Schweinehund, wie man ihn nennt. Und der wiederum wurde als Nisse eingelegt, bebrütet und hochgezüchtet von dem, was man "Konventionen" nennt (oder kultureller Hintergrund oder sonst etwas).
Du wirst doch selber nicht glauben, dass ein auch nur einigermaßen frei herangewachsener Mensch sich selber derart kasteien, zuschanzen, zustacheln, verblödsinnigen würde wie die Konventionen das bewirken.
Wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Denn staatlich verboten ist es natürlich nicht, einen Mann, eine Frau, ein paar Liebhaber/innen oder was auch immer zu haben. Und manche toben sich ja durchaus aus, dass es geradezu nach Glückseligkeit anmutet.
(Zu bemerken ist hier noch: Bei dieser Selbsteingatterung geht es natürlich in erster Linie um die Sexualität. Wenn jemand nach zehn Schwimmkursen auf die Idee kommt, er fährt jetzt mal Selgelboot oder geht bergsteigen, so wird kein Schweinehund, weder ein innerer noch ein äußerer, auch nur die Ohren spitzen. Auch das sagt ja schon viel, wenn nicht alles. (Obwohl es zu früheren Zeiten z. B. auch unschicklich war, dass eine Frau reitet und dabei gar noch wie ein Mann im Sattel sitzt - da könnte es ihr ja die Gebärmutter herausprellen ...) Die Verrücktheiten des Menschen hatten und haben keine Grenzen.)
Zitat von thegirlnextdoor: Insofern, warum nicht einfach zum Anderen gehen, ehe man 12 Jahre leidet und einen anderen unschuldigen Menschen mit ins Elend reißt, der vielleicht anderweitig auch glücklicher mit jemand anderem geworden wäre..?
Das habe ich nicht gelesen, dass die TE 12 Jahre an ihrem Mann gelitten hätte. Im Gegenteil: hat sie nicht erwähnt, sie seien ein gutes Team?
Und warum muss es jemand ins Elend reißen, einen unschuldigen Menschen noch dazu? (Was ja impliziert, dass die anderen Beteiligten schuldige Menschen wären.)
All das ist eine Frage der emotionalen Reife. Kommt man über das Frühkindstadium nie hinaus, so sind die Reaktionsmäglichkeiten natürlich stark beschränkt, und mehr als wütendes oder verzweifeltes Geschrei wird nicht herauskommen.
Zitat von thegirlnextdoor: Ich wäre am Ende, wenn ich erfahren würde dass mein Partner mich während fast der gesamten Beziehung nicht ansprechend fand
Auch das habe ich nicht gelesen, dass die TE ihren Mann während der ganzen Zeit der Beziehung nicht ansprechend gefunden hätte.
Was Du offenbar nicht zur Kenntnis nehmen kannst oder willst, ist, dass einen dieser Mensch auf eine gewisse Weise ansprechen kann, man ihm aus diesen und jenen Gründen zugeneigt ist, und ein anderer Mensch kann einen aufgrund ganz anderer Eigenschaften und Wesensanteile ansprechen.
Was ist daran so schwer zu verstehen? Es wäre ja geradezu ein Wunder, wäre es nicht so, und könnte tatsächlich ein einziger Mensch das ganze Leben hindurch alle nur möglichen Wünsche, Sehnsüchte, Lebensschönheiten und -vergnügungen usw. abdecken. Der müsste dann ja eine ausgewachsene Wollmilchschafssauentenadlereidechse sein!
Was übrigens auch ein wesentlicher Grund ist, warum nicht wenige Beziehungen scheitern oder wie ein Dauerkrampf ablaufen oder als gestrandeter Kahn am Ufer hinmodern - weil eben diese Zweierzwangsgemeinschaft besteht und somit der jeweils andere alles abdecken soll. Und das ist schlichtweg unmöglich.
Und was Dir offenbar halt so ganz fremd und fern ist: Es gibt dermaßen unterschiedliche Arten auch von Liebe, gar nicht zu reden von Zugeneigtheiten und Begehrlichen usw. Man kann jemanden körperlich begehren, einen anderen seelisch lieben, einen anderen geistig usw. Mit dem einen kann man lachen, mit dem anderen weinen, mit dem nächsten ganze Nächte durchphilosophieren.
Ich weiß nicht: Kennst Du die Geschichte von Hölderlin und "Diotima" (einer verheirateten Industriellengattin)? Selten eine schönere Liebesgeschichte, so "verboten" sie auch war, vernommen!
Zitat von thegirlnextdoor: Eine Beziehung ohne gute Intimität ist doch keine - es sei denn man wäre a-sexuell.
Also das ist doch wirklich Unsinn!
Eine Beziehung kann man sogar mit oder zumindest zu seinen Zimmerpflanzen haben.
Alles, was einem etwas wert ist, was Bedeutung hat im Leben, zu dem hat man eine Beziehung. Heißt ja nichts anderes als Bezogenheit.
Wenn bei Dir, was Dir ja unbenommen ist, das Um und Auf einer Beziehung in der guten Intimität (was immer das sein soll) besteht, dann gute Nacht, Fledermaus! Dann musst Du nämlich wirklich einsam sein auf der weiten Flur des außergeschlechtlichen Daseins.