Gib dich nicht auf, Santiago
Vor knapp einem Jahr hätte ich dir ordentlich Konkurrenz in Sachen Selbstmitleid machen können.
Gab wohl über Monate hinweg keinen Tag, an dem ich nicht flennend in der Ecke gelegen bin und darüber sinniert hab, wie ich mir doch das Glück verbaute habe mit "hätte hätte Fahrradkette".
Ja, das waren ziemlich dunkle Zeiten. Und ich war auch ziemlich beratungsresistent. Beziehungsweise, ich habe es nicht in meinen Kopp gekriegt, wie ich das Offentsichtliche, das Rationale für mich endlich umsetzen kann.
Der Schlüssel für mich war definitiv nicht nur die Akzteptanz, dass meine Ex mich nicht mehr liebte und anziehend fand. Ich musste, um das endlich zu "akzeptieren" und die Fragerei ruhen zu lassen, wo ganz anders ansetzen: an meinem Selbstwertgefühl. Und das habe ich mir nicht über andere Damen geholt, sondern über Dinge, die ich unabhängig von anderen geschafft habe. Sei es durch Erfolge beim Sport, gute Ergebnisse in der Uni, siegreiche Schlachten mit Ämtern und Bürokratie (eine meiner größten Schwächen) und in dem ich eben allgemein Dinge bewältigt habe, vor denen ich Angst hatte oder die mir seeeehr schwer gefallen sind. Dinge, unabhängig von meiner "Schwäche" für die Ex.
Ich sage dir ganz offen, dass ich bestimmt 8 Monate nach Beziehungsende gebraucht habe, um auf die Beine zu kommen und mich nicht mehr von Konjunktiven dominieren zu lassen. Eben die Sachen anzunehmen, wie sie sind. Ist mir wahnsinnig schwer gefallen, da ich auch generell ein Mensch bin, der immer versuchen will, alles in seiner Komplexität und Gesamtheit zu verstehen - als talentfreier Schüler der Mathematik habe ich mich sogar in der Schule in sowas reingesteigert - habe mich mit Beweisen und Herleitungen beschäftigt, obwohl ich schon Probleme hatte, die fertigen Formeln anzuwenden.
Und was hat mir die Schinderei in Mathe letztendlich gebracht? Nichts! Hätte ich die Formel einfach so angenommen wie sie ist, hätte ich mir viel Stress erspart.

Es mag gut sein, dass du einfach länger kauen musst, um aus dem Mist rauszukommen.
Aber wichtig ist da auch, dass du eben NICHT aufgibst! Versuch es jeden Tag erneut! Dann hast du halt mal wieder einen Hänger, *beep* happens, aber du musst am nächsten Tag wieder auf die Beine kommen - neuer Tag, neues Glück.
Irgendwann kriegste die Kurve, das weiß ich.
Bei mir hat es irgendwann quasi von jetzt auf dann "Klick" gemacht und der "Terror" im Kopf war nur noch gaaaanz leise, bis er irgendwann komplett weg war.
Nur nicht den Kopp in den Sand stecken. Wenn es halt jetzt noch nicht geht, dann regelt das die Zeit - insofern du es jeden Tag erneut probierst und an deinen Baustellen schraubst. Kleinvieh macht auch Mist.
