Hallo Irina,
Mensch das ist so lieb, dass du mir hier Rede und Antwort stehst.
Es hilft ungemein, denn irgendwie tut es mir einfach gut, dass du mir ein paar ? nimmst.
Natürlich muss das nicht alles so 1:1 mit meiner Wahrheit zu tun haben, aber vielleicht reicht mir das, um noch ein wenig mehr Abschied zu nehmen.
Im Grunde meines Herzens möchte ich nämlich schon lieber los lassen, nicht weil ich ihn nicht liebe, sondern weil ich ihn zu sehr liebe und mich wohl wieder vergessen würde. Ich hab Angst, dass ich wieder in diesem Strudel versinken würde. Ich hab auch Angst vor seinen verbalen Attacken, die mich echt wieder runter reißen würden. Das passt einfach nicht zu dem Partner, den ich mir wünsche. Ich bin der festen Überzeugung, dass man sich gegenseitig stärken sollte und nicht klein machen, so wie es mein Ex bewusst oder unbewusst getan hat.
Und es ist auch wahnwitzig, denn ich bin von Hause aus schon eher der selbstbewusste Typ, ich stehe mit beiden Beinen im Leben, bin beruflich erfolgreich und ich bemerke, dass ich sehr positiv auf andere wirke und das ist jetzt nicht nur aufs männliche Geschlecht bezogen. Man vertraut mir recht schnell, weil ich angeblich was Liebes ausstrahle.
Ich bin also weitab von einem Häufchen Elend, aber diese Gedankenschleifen wollen trotzdem nicht enden.
Im Übrigen empfinde es nicht so, dass ich mir die Zeit zum langsamen Verarbeiten lasse. Ich bin viel zu ungeduldig mit mir selbst, ich möchte schon längst weiter sein, aber das ist mehr Wunschgedanke. Geht halt nicht von heut auf morgen! Allerdings bin ich in der Tat was die Männer anbelangt auf Sparflamme.
Der erste Kontaktversuch durch einen Mann hat auch zwar schon von seiner Seite stattgefunden, allerdings bin ich da sehr sehr zurückhaltend. Mehr als ein Gespräch und ein paar Mails fanden bisher nicht statt. Ich weiß, dass ich von meinem Kopf her noch viel zu sehr mit der Trennung beschäftigt bin, insofern bin ich sehr zurückhaltend, aber ich will ihn nicht sofort verjagen.
Aber ich weiß es wird auf nichts Ernstes hinaus laufen.
Siehst, so clever stelle ich das mit dem Verarbeiten dann doch nicht an.
Noch eine weitere Frage an dich:
Was hat er dir innerhalb der Beziehung gegeben, sprich was hat dich gehalten, obwohl bereits erste Gedanken von Zweifeln keimten?
Natürlich trug ich mich auch mehrfach mit einer Trennung schwanger, allerdings vollzog ich sie nie. Ich arbeitete allerdings unbewusst stetig daran, weil ich mehr und mehr meine Wünsche mitteilte. Das schmeckte ihm natürlich nicht, das teilte er mir indirekt durch Kleingkeiten mit oder aber er zog sich zurück, denn er war nicht bereit für eine Änderung.
Ich muss anfügen, meine Wünsche waren allesamt bodenständig, ich wollte einfach nur ein wenig mehr Sicherheit, denn ich hatte wie du auch ständig diese Unsicherheit in mir. Sein labiles Verhalten machte mir sowohl psychisch als auch physisch zu schaffen. Ich hatte häufig Angst, dass er beim nächsten kleinen Problem alles, auch mich, hinschmeißen könnte.
Das mit dem Abkapseln kenne ich nur zu gut, ich verstand das immer nicht. Hat er dir mal Einblick gegeben weshalb er sich abkapselte?
Auch konnte ich zunehmend eine passive-aggressive Ader an ihm ausmachen, er wurde regelrecht wütend, wenn mal was nicht gleich so funktionierte wie er es sich ausgemalt hatte.
Ich ließ ihn dann meistens in Ruhe und so beruhigte er sich relativ schnell. Wie bist du damit umgegangen?
Natürlich empfand mein Ex seine Probleme auch als Schwäche, ich fand es einfach nur ehrlich von ihm mir das zu erklären. Naja, aber er schämte sich dafür. Ich bot ihm zwar meine Hilfe an und auch mein Gehör, aber ich denke nicht, dass ich ihn damit übergeholfen hab. Ich leide eigentlich nicht unter dem Helfersyndrom.
Er bat nur um Hilfe, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Das meiste versuchte er selbst zu lösen, allerdings ging er oft zu ungeordnet an die Dinge und dann eskalierte es. Ich bin da lösungsorientierter, es kamen manchmal Bemerkungen der Missgunst aufgrund dessen.
Hm, keine Ahnung, vielleicht ist er da sehr selbstkritisch.
Ich frage mich, ob dein "Fehler", wenn man es denn mal so benennen möchte, darin bestand, dass du keinen endgültigen Schnitt mit ihm vollzogen hast. Suchte er immer den Kontakt, oder du?
Wie lange hattet ihr nach eurer 1.Trennung keinen Kontakt?
Ich bin mir momentan nicht sicher, ob ich jemals wieder mit ihm Kontakt haben sollte Momentan ist es besser ohne ihn. Natürlich wünsche ich mir, dass er mir schreibt, aber eigentlich kann ich mich so nicht lösen.
Ach, es ist ein ewiges Hin und Her in meinem Herzen.
Mal bin ich vernünftig, mal uneinsichtig. Es ist schwierig, denn du zeigst mir ja auch auf, dass es besser ist, mich auf mich zu konzentrieren. Und ich sag dir mal was, ich wünsch mir eine ausgefüllte Beziehung, die darauf beruht, dass beide gleich viel lieben. Ich hab meinen Ex viel zu viel geliebt, aber dafür konnte er nichts.
Ich empfand es immer als sehr schmerzhaft, dass er sich selbst scheinbar nicht so liebte. Er hatte innere Konflikte mit sich, mal eins fand er sich gut und dann wieder überhaupt nicht. Ihm fehlte es überall an Ausgeglichenheit. Manchmal hatte ich das Gefühl, er wollte meine Gelassenheit durch seine Provokationen auch mal abstellen, damit ich fühle wie es ist. Ich hatte aber auch mal andere Zeiten, ich konnte es zwar nicht 1:1 nachempfinden, aber mir was dieses Feeling nicht gänzlich unbekannt.
Was mich anbelangt, ich bin ein fröhlicher Mensch, das strahle ich auch anscheinend so aus, denn die meisten Leute begegnen mir mit einem Lächeln, wenn ich in den Raum komme.
Mein Exfreund wirkt eher gedrückt, er scheint sich nicht so richtig freuen zu können. Ich hab ihn selten richtig ausgelassen erlebt, das fiel ihm irgendwie schwer, vielleicht weil er schon als Kind funktionieren musste. So sagte er es immer... Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, er hätte Depressionen, aber das ist nur ein Bauchgefühl, er sprach jedenfalls nur von Depressionen in seiner Jugend.
Ich hatte schon das Gefühl, dass ich ihn aus seinen Tiefs holen konnte, allerdings kostete mich das enorm viel Kraft und dass kann ich sicher nicht immer leisten. Da bin ich ehrlich zu mir selbst. Ich brauch langfristig auch einen starken Partner an meiner Seite, der natürlich auch mal bei mir Trost suchen darf, aber nicht ständig labil ist.
Es stimmt vollends, er hat issues mit sich, das meinte er auch bei der Trennung. Natürlich versuche ich mir zu sagen, dass nicht ich das Problem bin, aber ich war die letzten 2 Jahre seine wichtigste Kontaktperson und nun ist da null Kontakt.
Ich hatte mir natürlich gewünscht, dass er die Zeit für sich nutzt und mich vermisst und mir schreibt, aber es kommt kein Lebenszeichen von ihm.
Wie bist du damit umgegangen? Wer ist auf wen zugegangen? Und wann warst du für den Kontakt bereit?
Ja und was meintest du damit als du schriebst, dass er wieder nicht zu dir stand?
Wenn ich ganz tief in mich hinein horche, dann wünsch ich mir eine Beziehung, die mich nicht mehr so viel Kraft kostet. Ich möchte nicht mehr Psychoanalyse betreiben müssen, ich wünsche mir Gespräche auf Augenhöhe und Verständnis auf BEIDEN Seiten.
Hm, das kann mir mein Ex leider nicht geben, das weiß ich, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin.
Was meintest du in diesem Zusammenhang, dass du aus Stolz oder Angst keine Farbe bekennen konntest? Kannst du das bitte ein wenig näher erläutern?
Ich hab schon irgendwo Farbe bekannt, das setzte in diesem Jahr ein, ich weiß nicht weshalb, aber ich stellte mich mehr in den Mittelpunkt und formulierte auch zunehmend mehr meine Wünsche, falls du das meinst. Das habe ich durchaus getan, aber natürlich nicht bis in letzte Konsequenz. Ich hätte ihm gerne noch mehr gesagt, aber es schien mir zu viel für den Moment. Er hatte generell ein großes Problem mit der Lösung von Konflikten. Für ihn schien Schweigen und Abschotten, sprich die Dinge totzuschweigen, die richtige Lösung. In der Hinsicht hatte er ein großes Defizit.
Danke Irina, dass du mir deine Geschichte erzählst.
GLG