Joshu
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Und nachdem ich noch mal über ubel Leberwurst´s Beitrag nachgedacht habe:
Ich glaube, Menschen sind so vielschichtig und widersprüchlich, dass niemand jemals den anderen ganz verstehen kann. Wo man sich doch selbst schon oft nicht versteht! Und dann baut man sich das Bild seines Partners zusammen, immer wieder neu, und das entwickelt sich aber immer in Auseinandersetzung mit dem eigenen Horizont, der eigenen Stimmung, wo man eben gerade steht.
Und das soll heißen: Man kann einem Menschen dann bestimmte Handlungsweisen als gut, edel, schlecht oder böse unterstellen, je nach Hinsicht. Und da kommt es auch wirklich auf die eigenen Enscheidung an!
Und ich möchte mich nicht so entscheiden, dass ich meine Frau als schlecht oder böse ansehe, wie auch immer, jedenfalls mir gegenüber, so dass ich den Kontakt abbreche. Nicht nur wegen unseres Sohnes - ich habe die besten Jahre meines Lebens (und das im doppelten Sinn des Wortes!) mit ihr verbracht.
Nicht nur die Anfangszeit, auch die Jahre des Heranwachsen meines Sohnes - wie wunderbar. Eine Familie. So etwas werde ich definitiv nie wieder haben, keine Kinder mehr, keine Familie in dieser engen Form. Und deswegen war das was ganz Einzigartiges. Und wenn ich meine Frau jetzt so völlig fallenlassen würde, dann würde auch diese Erinnerung kaputt gehen. Es ist ja nun doch derselbe Mensch.
Und das will ich nicht. Ist mir auch völlig egal, ob es meiner Frau damit besser oder schlechter geht. Es geht jetzt nur noch um mich:
Und es geht auch nur um mich, wenn ich folgendes mache und mich manche für bescheuert erklären. Ich bastle ein kleine Fotobuch für sie mit den 5 schönsten Bildern von uns und eins mit unserem Sohn zusammen, dazu vier schöne, traurige Abschiedsgedichte von Tucholsky, Rilke, E. E. Cummings und mir und meinen Ehering eingeklebt.
Ein Abshiedsgeschenk. Das will ich tun.