2077

Frau zieht nach 18 Jahre aus - keine Hoffnung mehr

Gorch_Fock

Gorch_Fock


3320
5672
Läuft:-) Denk ein bisschen an das Machtgleichgewicht wenn sie starke Alpha-Anteile hat. Ansonsten genieß die Zeit.

30.06.2019 16:29 • x 1 #1246


EinsamesBlatt

EinsamesBlatt


102
136
Hallo.
Deine Geschichte war mit die erste, die ich kurz nach meiner Trennung gelesen habe.

Ich konnte damals soviel für mich mitnehmen und auch Kraft finden.
Und hatte gehofft, das es dir bald besser geht.

Und nun hast du dein neues Glück gefunden. Das freut mich wirklich sehr für Dich!
Ich wünsche dir für die Zukunft wunderbare Momente, viele tolle Gespräche und das jemand zu schätzen weiß, was du für ein toller Mensch bist.
Pass auf Dich auf und genieß dein Glück.

30.06.2019 20:33 • x 2 #1247


Joshu

Joshu


603
2
1061
Vergesst das mit der "Liga".

Ihr Lieben,danke für Eure Worte.
Ich weiß das zu schätzen und das geht zu Herzen.

30.06.2019 23:12 • x 2 #1248


Mctea


Wie geht es dir heute?

27.07.2019 14:53 • #1249


Joshu

Joshu


603
2
1061
@Mctea

Hi, danke für die Nachfrage! Es geht mir gut gut.
Also so, dass ich wieder mal seit drei Jahren, als sich die Ehekrise langsam zu entfalten begann, einen richtigen Sommer habe, den ich genießen und erleben kann. Wenn auch immer noch viel zu tun ist, für mich, nach außen und nach innen.
Ich fahre mit meinem Sohn eine Woche in den Urlaub und mit meiner Freundin ein Wochenende.
Ich freue mich auf beides sehr. Das erste Mal seit eineinhalb Jahren, dass ich aus meinem näheren Wohnumkreis wieder rauskomme.

Also es ist so, dass über die lange Vergangenheit meiner Familie der Schleier einer milden Traurigkeit liegt, der sich wohl auch nie mehr ganz entfernen wird. Was gut so ist. Denn irgendwie gibt das auch Kraft. Ich denke, Menschen, die ähnliches wie ich zu verarbeiten haben, wissen nach einiger Zeit, was ich meine. Es ist immer noch unfassbar, wie es so weit hat kommen können, aber ich habe auch akzeptiert, dass es vorbei ist. Und die großen wilden, heftigen Emotionen sind vorbei. Daher kann ich mich auch sehr unbefangen mit meiner Frau auf einen Kaffee treffen, wir haben vor kurzem den Geburtstag meines erwachsenen Sohnes zusammen gefeiert, das hat alles ganz ruhig ohne Heftigkeit funktioniert. Leicht melancholisch, aber eine ganz nette Feier.

Und natürlich hilft es mir, dass ich jemanden gefunden habe, mit dem es ganz wunderbar zusammen passt. Hätte nicht gedacht, dass ich mich nochmal nach doch relativ kurzer Zeit im Bezug zu der langen Ehe auf jemanden einlassen kann. Aber es fühlt sich sehr gut an. Und sie ist auch ein sehr "verwundetes Kind", wenn auch starkes verwundetes Kind.

Und dann hat sich auch so sehr viel verschoben. Viele alte Freunde sind weg. Ich habe ganz wunderbare neue Menschen kennengelernt. Das oft unbequeme sich-wieder-öffnen-für Neues, den Kopf und das Herz wieder richtig in den Wind der Welt halten, das war für mich genau der richtige Weg. Phasen der Alleinseins waren für mich auch wichtig, aber zuviel davon habe ich nicht gebraucht. Und dann zu lernen, dass es immer wieder Phasen der Hoffnungslosigkeit gibt, die mal einfach nur aushalten muss, bis sie wieder vorbeigehen, auch das habe ich gelernt.

Und jetzt bin ich soweit zu sagen: Es geht mir gut! Heute noch drei Stunden Gitarre üben für die anstehenden Gigs, heute Abend kochen mit meinem Sohn, morgen (ich habe gerade ein bisschen Urlaub) treffen und einen schönen langen Spaziergang mit meiner Freundin.

Natürlich weiß ich nicht, wie das alles weitergeht. Aber hört sich doch soweit nach Leben an, oder?

28.07.2019 14:17 • x 11 #1250


hahawi

hahawi


10122
2
19594
Hallo.
Schön, wie Du diese melancholischen Momente beschreibst.
Ich weiss, was Du meinst.
Manchmal, es mag eigenartig klingen, lasse ich mich bewusst auf sie ein, höre Musik und entspanne fast dabei.

Ich finde es erstaunlich und grossartig, wie sich bei Dir die Dinge entwickelt haben.
Alles Gute!

28.07.2019 14:20 • x 3 #1251


e2b

e2b


137
2
163
Joshu, du bist wirklich eine Inspiration und ein Vorbild für vermutlich sehr viele Menschen in diesem Forum!

28.07.2019 22:35 • x 2 #1252


Joshu

Joshu


603
2
1061
Liebe eventuell noch vorhandene Mitleser,

ich hatte mir vorgenommen, einmal noch zu schreiben an diesem besonderen Datum. Denn heute ist es genau ein Jahr her, dass meine Frau bei mir ausgezogen ist.
Heute vor einem Jahr haben wir als Familie den letzten Tag zusammen in unserer Wohnung verbracht, wenigstens zum Teil, meine Frau war ja oft zu ihrer neuen Wohnung unterwegs, um ihre Sachen dorthin zu schaffen. Aber jedenfalls haben wir noch ein Mal zusammen einen fast unwirklich normalen Abend verbracht, alle drei zusammen gegessen, bis irgendwann sie im Wohnzimmer schlafen gegangen ist, ich bei ihr gesessen habe, ihr Abschiedsfotobuch geschenkt habe, am nächsten Tag war sie dann weg.... Aber das kennt ihr ja alles - oder könnt es hier nachlesen.

Da ich dieses Wochenende zufällig außer Training gestern Vormittag allein verbracht habe, ist die Erinnerung daran gerade sehr gegenwärtig, ich glaube wirklich, ich kann mich an dieses Wochenende fast an jede Minute erinnern, das Wochenende, an dem sich alles für mich von Grund auf änderte....

Wir haben uns ja so friedlich, wie das nur möglich ist, getrennt, aber dennoch war es ja eine Trennung, ein Scheitern, jedenfalls in meinem Verständnis von Familie, auch wenn mir das viele ausreden wollten, aber in meinem Wahrnehmungshorizont ist Familie auch eine Aufgabe, etwas, dass unter dem Duktus des immerwährenden Füreinander-sich-bemühens, des Füreinander-Einstehens sich befindet, wenn man so will, ist das so etwas wie ein relativer Ewigkeitsanspruch, die Familie als Grund, der Boden unter den Füßen in den Unwägbarkeiten des Lebens, den Boden, den man dann verliert, wenn sich plötzlich abzeichnet, dass das zu Ende geht, was nie zu Ende gehen sollte....

Nun kann man leicht einwenden, dass ich einen viel zu hohen Anspruch an die Idee von Familie hatte. Mag sein, das ist so. Ich habe dermaßen viel Literatur gelesen von Familientherapeuten und psychologischen Fachleuten, dass ich weiß, das es wahrscheinlich kein gesunder Anspruch ist.
Insofern war das wohl die Erkenntnis einer Sackgasse, ich habe mich umgedreht und neuangefangen, neuanfangen müssen.

Und natürlich habe ich trotz der großen Erinnerung gerade einen distanzierteren Blick auf diese Zeit.
Es ist ja ne Menge passiert, ich bin auch wieder neu mit jemandem zusammen und mache die Erfahrung, wie es ist, wenn jemand einfach nur freundlich und zugewandt ist und wirklich an mir als Menschen interessiert, sich wirklich herzlich freut, wenn sie mich sieht - all das habe ich jahrelang nicht mehr von meiner Frau gehört.

Dennoch - das sage ich heute und werde es auch in einem oder in fünf Jahren noch sagen - falls ich es dann noch schreibe, wird der Riss in meiner Seele bleiben und das bittere Gefühl, dass entweder das Gefühl, etwas zu haben, was einen durch das ganze Leben tragen kann, einfach falsch war oder dass es wirklich da war (denn meine Frau hatte das auch, ganz gewiß war viele Jahre eine Trennung völlig außerhalb ihres Möglichkeitshorizonts), aber von uns mehr oder weniger leichtfertig verspielt worden ist.
Ich tendiere zu der letzteren Ansicht. Es hat immer mehrer Notausstiegstüren gegeben, die wir nicht gefunden haben, bis dann später das Zerbrechen der Ehe, der "crack" im Sinne Fitzgeralds nicht mehr zu kitten war.

Im ersten halben Jahr war es oft nur der mechanische Zug, aufstehen zu müssen, der Tritt in den eigenen A., ohne Freude, ohne Zuversicht, einfach nur Tage überwinden, so gut es geht, immer wieder. Und letztlich war es manchmal nur mein Sohn, der mein Anker war in dieser Zeit. Wenn er auch schon gerade erwachsen war, so wollte ich ihm doch ein Vater sein, an dem man sieht, dass man am Leben nicht verzweifeln muss, oder wenn doch kurzzeitig, dann zu zeigen, wie man aus einer solchen Krise wieder herauskommt, durch den Morast sich wieder ans Licht kämpft, wenn auch mit Schmutz besudelt.

Das Leben geht weiter. Ja. Eine der schlimmsten möglichen Erfahrungen, die ich mir vorstellen konnte, ist mir nicht erspart geblieben. Diese Bitterkeit wird für immer bleiben bei der Rückschau auf mein Leben. Ansonsten schauen ,was noch möglich ist, was ich noch zu tun habe in diesem Leben, was ich noch schaffen und genießen kann.

Und das ist eine Bestandaufnahme, die weder pessimistisch noch optimistisch ist.
Sie ist nur eins: Sehr ernst.

06.10.2019 14:28 • x 10 #1253


Mia2

Mia2


1164
1
1878
Hallo Joshua, vor einigen Stunden habe ich dran gedacht, wie es dir wohl geht. Deine Zeilen sind mir so verständlich. Ich habe auch sehr viel gelesen, und denke auch, dass es einen Weg gegeben haette. Aber man hat im Tunnel festgesteckt, und vieles erst spaeter verstanden. Eine Trauer drueber wird wohl bleiben. Dir weiterhin alle guten Wuensche.

06.10.2019 15:54 • x 1 #1254


The_Who

The_Who


236
1
322
Zitat von Joshu:
Dennoch - das sage ich heute und werde es auch in einem oder in fünf Jahren noch sagen - falls ich es dann noch schreibe, wird der Riss in meiner Seele bleiben und das bittere Gefühl, dass entweder das Gefühl, etwas zu haben, was einen durch das ganze Leben tragen kann, einfach falsch war oder dass es wirklich da war (denn meine Frau hatte das auch, ganz gewiß war viele Jahre eine Trennung völlig außerhalb ihres Möglichkeitshorizonts), aber von uns mehr oder weniger leichtfertig verspielt worden ist

Zitat von Joshu:
as Leben geht weiter. Ja. Eine der schlimmsten möglichen Erfahrungen, die ich mir vorstellen konnte, ist mir nicht erspart geblieben. Diese Bitterkeit wird für immer bleiben bei der Rückschau auf mein Leben. Ansonsten schauen ,was noch möglich ist, was ich noch zu tun habe in diesem Leben, was ich noch schaffen und genießen kann.


Du fasst es in die richtigen Worte....

Heftig sowas.

06.10.2019 16:11 • x 1 #1255


meineMeinung


514
864
Zitat von Joshu:
Dennoch - das sage ich heute und werde es auch in einem oder in fünf Jahren noch sagen - falls ich es dann noch schreibe, wird der Riss in meiner Seele bleiben und das bittere Gefühl, dass entweder das Gefühl, etwas zu haben, was einen durch das ganze Leben tragen kann, einfach falsch war oder dass es wirklich da war (denn meine Frau hatte das auch, ganz gewiß war viele Jahre eine Trennung völlig außerhalb ihres Möglichkeitshorizonts), aber von uns mehr oder weniger leichtfertig verspielt worden ist.


Schön von dir zu hören, dass du dein Leben soweit wieder im Griff hast.
Aber mich würde interessieren, ob deine Frau die Vergangenheit auch so sieht, wie du es oben ausgedrückt hat.

06.10.2019 16:19 • x 1 #1256


Herzschmerz100

Herzschmerz100


269
1
375
Zitat von Joshu:
aber dennoch war es ja eine Trennung, ein Scheitern, jedenfalls in meinem Verständnis von Familie, auch wenn mir das viele ausreden wollten, aber in meinem Wahrnehmungshorizont ist Familie auch eine Aufgabe, etwas, dass unter dem Duktus des immerwährenden Füreinander-sich-bemühens, des Füreinander-Einstehens sich befindet, wenn man so will, ist das so etwas wie ein relativer Ewigkeitsanspruch, die Familie als Grund, der Boden unter den Füßen in den Unwägbarkeiten des Lebens, den Boden, den man dann verliert, wenn sich plötzlich abzeichnet, dass das zu Ende geht, was nie zu Ende gehen sollte....


Genau meine Baustelle ...traurig ...
Musste jetzt weinen

06.10.2019 17:03 • x 1 #1257


Joshu

Joshu


603
2
1061
Zitat von meineMeinung:
Schön von dir zu hören, dass du dein Leben soweit wieder im Griff hast.
Aber mich würde interessieren, ob deine Frau die Vergangenheit auch so sieht, wie du es oben ausgedrückt hat.


Ich habe keine Ahnung, wie meine Ex-Frau das sieht. Wir verstehen uns ganz gut, gehen hin und wieder, alle drei bis vier Wochen, einen Kaffee zusammen trinken. Sie hat ja überdies immer noch gute Kontakt zu meinen Eltern.
Aber über unsere Ehe reden wir nicht mehr, kein Wort, das ist verdeckt von einer Mauer aus höflicher Distanz.
Und ich habe nicht vor, jedenfalls zur Zeit nicht, daran irgendwas zu ändern, und sie bestimmt auch nicht.
Ich habe meine Version von unserer Ehe, sie die ihre.
Es macht aus meiner Sicht nicht den geringsten Sinn, das zusammen zur Sprache zu bringen. Wir sind getrennt, und es hat mich lange, Jahre lang beschäftigt, wie meine Frau unsere Ehe sieht. Das ist vorbei. Ich will davon nichts mehr wissen.

06.10.2019 17:50 • x 7 #1258


Babs54

Babs54


3037
2
7821
Hallo @Joshu
Hab nochmal einige Beiträge hier überflogen.
Ich wollte, "Herr Sittich" hätte wenigstens Bruchteile deiner Reflektion:(
Wir haben nach wie vor überhaupt keinen Umgang miteinander.
Habe mit weitestgehend damit abgefunden.
Ich freue mich von Herzen für dich, dass du deinen Weg und eine neue Liebe gefunden hast.
Alles Liebe für dich

15.11.2019 11:25 • x 3 #1259


Joshu

Joshu


603
2
1061
@Babs54
Das tut mir leid, dass es so gelaufen ist für Dich. Viel Kraft und alles Gute weiterhin - und danke für die guten Wünsche!

15.11.2019 13:16 • x 2 #1260




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag