Zitat von EmmaPee:Ich denke, dass die Gefühle irgendwann auf der Strecke geblieben sind, er es aber nicht wahrhaben wollte. Der Druck, der sich bei ihm aufgebaut hatte, muss zu stark geworden sein. Er hat mit sich gekämpft, zumindestens die letzten Monate
Mit den Gefühlen ist das so eine Sache, Emma - das macht ja gerade das Wesen von Gefühlen aus, dass sie zwar wirkmächtig sind, aber zunächst mal unkontrolliert von unserem Verstand ablaufen. Wir können weder das Vorhandensein noch das Verschwinden von Gefühlen wirklich kontrollieren.
Aber gerade deswegen kann man doch nicht eine lange Ehe oder Freundschaft nur vom Vorhandensein von Gefühlen abhängig machen. In meiner Ehe gab es nach den Schmetterlingen am Anfang auch viele Phasen, in denen unsere Ehe sagen wir mal "nüchterner" war. Das bringt allein schon der Alltag mit sich - ich denke manchmal, idealtypisch, für unsere Liebe wäre es besser gewesen, wenn wir nie zusammengezogen wären- wie groß war die Freude in den ersten Monaten, als wir noch getrennte Wohnungen hatten, wenn ein Anruf kam, so wie sie mich angesehen hat, wenn wir uns mal ein paar Tage nicht gesehen haben und ich war dannach bei ihr oder sie bei mir. Das war immer wieder ein Fest.
Aber das ist lange vorbei. Es war wunderbar, eine Familie zu gründen und unseren wunderbaren Sohn zu haben, aber die Liebe hat das zumindest verwandelt. Und die Gefühle wandeln sich dann natürlich. Aber dennoch kann man auch etwas dafür tun, dass die ursprünglichen Gefühle wieder aktiviert werden, indem man sich Zeit für einander nimmt, einen Freiraum nur für den anderen und so weiter. Das ist uns viele Jahre auch gut gelungen, es gab vor vielleicht 6 Jahren nochmal eine Zeit, in der ich so richtig verliebt war in meine Frau.
Aber irgendwann hat das nicht mehr funktioniert. Ich jedenfalls habe keinen Weg mehr zu meiner Frau gefunden und bin dann auch irgendwann resigniert, hab es einfach so laufen lassen, war zufrieden, dass wir im Alltag noch gut klar kamen und es irgendwie auch noch oft "ganz nett" war. Hab mich auf eine "Das-wird-schon-wieder-Verdrängungsposition" zurückgezogen.
Ich hätte mich vielleicht selbst schon vor einem Jahr trennen sollen, weil ich eigentlich schon gemerkt habe, da geht nichst mehr, das ist alles total verfahren. Aber ich kann das nicht. "Ich heirate nur einmal", hat meine Frau vor unserer Ehe gesagt, und für mich zählt das Versprechen. Ich hab immer und noch bis vor einem halben Jahr geglaubt, dass wir bis der Tod uns scheidet zusammenbleiben.
Deswegen glaube ich auch nicht daran, weil meine Frau eigentlich auch so denkt, jedenfalls wie ich sie kenne und vielleicht kenne ich sie ja gar nicht richtig nach 21 Jahren, dass Gefühle, die nicht mehr stark genug sind, der Grund für eine Trennung nach einer so langen Zeit des Zusammenseins sind. Nein, ich glaube nicht, dass es so etwas Einfaches ist.
Übrigens, Deinen Satz "dass die Therapie so unheimlich hart ist und es nichts mit mir zu tun hätte" glaube ich so auch nicht. Natürlich nicht in dem Sinne ,dass Du es schuld bist oder so etwas - aber klar hat eine Trennung etwas mit Dir zu tun - weil er ja die Beziehung ZU DIR beendet. Das betrifft Dich und ihn und das Verhältnis von Euch beiden fundamental und hat aus seine Position auch etwas mit seiner Sicht zu Dir zu tun - wie kann er dann sagen, dass es nichts mit Dir zu tun hätte? Aber ich glaube, so etwas sagt man, wenn man gerade sehr mit sich selbst beschäftigt ist und für eine wirkliche Auseinandersetzung gerade kein Interesse oder keinen Kopf hat. So leid mir das tut!
Wie ich reagieren würde, wenn sie in zwei Monaten sagt, dass alles ein Fehler war und sie zurück möchte? Dies als Antwort: Ich habe ihr beim Auszug noch gesagt:"Eines Tages wirst Du merken, dass ich für Dich genau der Richtige war und immer noch bin. Ich hoffe, dann ist es nicht zu spät!"
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