Zitat von The_Who:Das klingt alles sehr reflektiert, ich wünsche es dir, dass du die situation richtig einschätzen kannst und es sich so entwickelt wie du es dir vorstellst.
Danke!
Zitat von The_Who:Die Erfahrung lehrt aber, dass es oft anders kommt.
Das ist jetzt erstmal nur eine Behauptung, die nachzuweisen wäre.
Die Erfahrung lehrt nur, dass es gewissen Wahrscheinlichkeiten gibt, wie wie sich welche Konstellationen unter bestimmten Bedingungen und Prämissen entwickeln. Um zu belastbaren Prognosen für die Zukunft zu kommen, müsste man schon eine sehr große Zahl von Paaren in einer Feldstudie befragen und statistisch abgesichert auswerten. Mag sein, dass es solche Studien gibt. Sie interessieren mich aber nicht. Denn selbst wenn das Ergebnis wäre, dass nur 10 % Prozent der Paare nach der Trennung eine freundschaftliche Beziehung oder gar eine Reunion ihrer Liebe auf welcher Basis auch immer hin bekämen - so what? Es ist nur eine Zahl und sagt nichts über die je besonderen individuellen Umstände, den Stand der charakterlichen Entwicklung etc. aus, wovon ich kürzlich geschrieben habe.
Ein kleines Analogon: Wenn mir ein Freund sagen würde, dass sein Arzt ihm eine schwere Krankheit diagnostiziert hätte mit nur 20 % Heilungschance, würde ich versuchen ihn zu motivieren, dafür zu kämpfen, alles dafür zu tun, dass sich die 20 % realisieren.
Wenn man das was man will nur von Wahrscheinlichkeiten abhängig macht - dann gäbe es keine großen Erfindungen, keine große Literatur, keine Musik oder Musik von Menschen, die ihr ganzes Leben deren Entwicklung verschrieben haben.
Und wenn wir von unseren eigenen Erfahrungen ausgehen, dann neigen wir allzu leicht zu heuristischen Verzerrungen (Literaturtipp dazu: Daniel Kahneman, Psychologe, Nobelpreisträger: Schnelles Denken, langsames Denken), das bedeutet, wir postulieren allzu leicht allgemeine Wahrheiten aus unserem beschränkten Erfahrungshorizont.
Und diese Gefahr besteht für uns alle sicherlich besonders, wenn wir sehr oft in einem Forum wie diesem hier unterwegs sind. Denn wir erleben hier nur die Themen von Menschen in tiefen Krisensituationen, deren oft erschütternde Situationsberichte uns im Gedächtnis bleiben. Und es gibt in der Tat hier genug Fälle, in denen die Tatsache der Trennung noch mit einer so großen Abhängigkeit vom Partner, einer emotionalen Verschmelzung verbunden ist, dass wirklich nichts anderes zu raten bleibt, als ein möglichst vollständiger Kontaktstop, wie lange auch immer.
Ich bin sicher, dass kaum jemand schreibt, wenn es ihm oder dem Paar wieder gut geht, oder wenn, dann bleibt es uns nicht im Gedächtnis, wir haben den Anker im Forumstitel "Trennungsschmerzen" gesetzt. Und wir verabsolutieren vorschnell, dass es immer und überall so ablaufen muss wie hier in den oft erschütternden Fällen, die uns im Gedächtnis bleiben. Bestätigungsfehler oder confirmation bias nennt man so was...
Aus meiner eigenen natürlich nicht allgemeingültigen Erfahrung im "realen" Freundes- und Bekanntenkreis kann ich sagen, dass ich schon alles mögliche kennengelernt habe. Trennung und regelrechter Krieg, Sich aus dem Weg gehen, friedliche Trennung von Menschen, die sich auseinandergelebt haben und Freunde bleiben, die sogar andere Partner haben und sich in der neuen Konstellation patchworkmäßig treffen - und schließlich ein Fall eines Mannes, der nach einer zwischenzeitlichen Beziehung mit seiner Frau nach 10 Jahren Trennung wieder zusammengekommen ist.
Alles ist möglich. Liegt in einem Selbst begründet. Nicht in der Erfahrung.
Zitat von The_Who:In drei Tagen hast du richtig Gelegenheit dazu und es kommt zur ersten Prüfung. Weihnachten in so einer Konstellation ist kein Zuckerschlecken.
Uneingeschränkte Zustimmung, keine Frage. Aber ich bin dazu bereit.
Zitat von The_Who:Versuche dich da mal möglichst objektiv von Außen zu betrachten und zu bewerten, wie du in der wohl angespannten Situation handelst, mit welchen wahren Absichten du handelst und redest, wie man auf dich reagiert und wie es dir mit den Geschehnissen dabei geht.
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Ja, darin übe ich mich immer. Und aber gleichzeitig bei sich selbst bleiben und seinen eigenen Zustand reflektieren.
Wie wirkt der andere gerade jetzt auf mich und warum. Das ist meine Grundeinstellung. Aikido, das ich praktiziere, ist dafür übrigens eine ausgezeichnete Übung.