Joshu
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Ich habe die Gedanken, die sicherlich sehr finster klangen, schonungslos unbeschönigt hingeschrieben, um eben die momentane Stimmung zu beschreiben.
Zitat von e2b:Die Reflektion mit der eigenen Vergangenheit/ der beendeten Beziehung bietet aber (da bin ich mir ganz sicher) einen sehr wertvollen Mehrwert für das eigene Wohl!
Das ist das, was die Psychologen gemeinhin Trauerarbeit nennen. Und natürlich ist die - schonungslose - Aufarbeitung dessen, was gewesen ist, um ein tieferes Verständnis für das Scheitern zu erfahren wichtig für das eigenen Weiterleben. Nur neigen die Psychologen allzu leicht dazu, von eine Weiter- im Sinne von einer Höherentwicklung zu sprechen. Also - etwas überspitzt - das man nach einer langen Phase der Bewältigung so etwas wie ein vollkommenerer, zufriedenerer, besserer, gelassenener, weiserer Mensch sei. Der aus den Fehlern gelernt hat und umso mehr in der Lage ist, eine neue, reife Beziehung zu gestalten.
Das würde ich wiederum nicht unterschreiben. Das ist ein naiver Optimismus, wo der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Es entspricht auch nicht meinem Erfahrungshorizont, vor allem nicht bei Menschen, die sich getrennt haben nach langer Zeit, und die nicht mehr ganz so jung waren.
Eher scheint es mir wie ein einstmals schönes, stolzes, starkes Schiff, das auf schwerer See einen heftigen Schaden erlitten hat, kurz vor dem Sinken schien und - nachdem die Stürme abgeklungen sind und nach einer langen Zeit der mühevollen Reparatur mit Bordmitteln, weil kein Hafen in der Nähe ist - notdürftig wieder flott gemacht ist und nun seine Fahrt wenn auch halbwegs sicher mehr dümpelnd als mit großer Fahrt fortsetzen kann.
Zitat von Mctea:nach drei Monaten
ich such die immer noch, nach einem Jahr
Ja, das tut mir leid ,mctea, aber Schaffenskraft ist auch nicht das, was mir automatisch zufällt sondern ich mir jeden Tag unter oft sehr großen Mühen erarbeiten muss. Was mich derzeit am Weiterleben hält.
Und nochmal zum Thema "Zeit", das immer wieder auftaucht und sicherlich einem gewissen empirschen Erfahrungswert entspricht. Aber das reine Vertrauen auf die Zeit an sich, ohne konkrete Ziele, Hoffnungen oder Vostellungen bringt mir überhaupt nichts. Das mag in vielen Fällen so sein, in manchen nicht, dass die Zeit Wunden heilt. Und da ich all diese konkreten Verbindungen derzeit nicht habe, denke ich eben nicht weiter als sechs Wochen. Will sagen, diese Zeit von der Ihr sprecht, existiert für mich gar nicht.
Und daher ist es gut gemeint, aber der Hinweis auf die Zeit ist für mich leider eine völlig leere Aussage.
Zitat von NatSa:Das gemeine ist,dass einem das Herz jetzt vorgaukelt,dass man eine soo tolle Beziehung hatt und der verlorene Mensch ja so ein guter Mensch war.
Das tut mir alles sehr leid NatSa, was Dir passiert ist. Aber für mich kann ich auch nur sagen, dass ich mir da gar nichts vorgaukle. Mein Herz verschaukelt mich eh zur Zeit, daher hör ich besser auf meinen Verstand und kann schon ziemlich schonungslos sehen, was in unserer Beziehung gut, schön, sehr schön, schlecht und furchtbar war. Sowohl bei mir als auch bei meiner Frau und in unserem Zusammenwirken.
Und da gibt es für mich auch nichts zu Verklären. Ich sehe die sehr schönen Seiten und die schlimmen Seiten unserer Ehe und der Zeit davor. Wobei natürlich die schlimmen Zeiten in den letzten zwei Jahren dominant waren.
Sie war einfach nur meine Frau, unsere Ehe war menschlich, mit allen Stärken und Schwächen. Aber sie war die Frau, die ich heiraten wollte, die einzige, und ich hätte das jederzeit wieder getan.