Und schon wieder ist eine Woche vergangen. Irgendwie eigenartig wie die Zeit rast. Sie geht ja meist sehr schnell um, aber ich hätte mir vorgestellt, dass sie in solch einer Situation eher langsamer vergeht. Irrtum,- bei mir ist jedenfalls genau das Gegenteil der Fall,- es geht alles noch schneller...
Habe diese Woche mein Vorhaben eingehalten, und war nicht ganz soviel mit anderen Menschen unterwegs. Wollte bewußt meiner "Flucht " ein Ende bereiten, mich der Wahrheit stellen, und anfangen zu lernen, nun wieder ganz alleine zu sein, und langsam wieder ein normaleres Leben zu führen. Durch meinen Beruf und den Hundesport bin ich ja eh schon sehr viel mit anderen Menschen zusammen, und so habe ich es diese Woche an einigen Abenden geschafft, wirklich mal alleine zu Hause zu bleiben. Hat eigentlich ganz gut geklappt, war gar nicht so schlimm, wie ich dachte,- Langeweile habe ich ja sowieso nie gekannt.
Nur, mir selber etwas zu kochen,- dies geht noch gar nicht. Eins weiß ich jedoch, wenn ich dies zum ersten Mal wieder fertig bringe, wird es etwas sein, von dem ich weiß, das er es absolut nicht mag.
Heute vor 3 Jahren ist unsere geliebte erste Hündin über die Regenbrücke gegangen, dies zieht mich heute natürlich zusätzlich etwas runter. Würde gerne Wissen, ob er heute auch nur ein Mal einen Gedanken an sie verschwendet hat.
Gestern war dann noch mal ein ganz besonderer, harter und sehr anstrengender Tag für mich. Ich hatte nämlich die erste Prüfung mit meiner jungen Maus in dieser Saison. Ich hatte sie schon vor Monaten gemeldet und mir an diesem Tag extra Urlaub genommen. Dies war nun gleich doppelter Stress für meine Nerven. Ich muss nämlich gestehen, dass ich bei Hundeprüfungen immer unter enormer Prüfungsangst leide. Find es einfach so schrecklich, da dabei immer so viele Leute zuschauen, und weil man ja nie weiß, was Hundchen sich nun gerade an diesm Tag für lustige Sachen einfallen lässt. Habe also auch in dieser Situation immer richtiges Herzrasen, und Beinezittern.... Find es total bescheuert, da ja nun wirklich nichts davon abhängt, und ich bin auch nicht vom Ehrgeiz zerfressen, aber es ist einfach so. Mein Körper spielt mir da einfach einen Streich, und fängt an sich so eigenartig zu verhalten. Da dies sehr viele Hundeführer haben, gibt es nun Seminare dagegen. Eigentlich wollte ich dieses Jahr eines besuchen, und mein Ziel war es diese "Angst" endlich mal los zu werden. Ich fand es schon fast peinlich, da meine Maus und ich im letzten Jahr, in unserer ersten gemeinsamen Saison, sehr schöne Erfolge erreicht haben.
Okay, soviel zur Vorgeschichte aber nun komme ich endlich zum eigentlichen Punkt. Ich wusste, er und seine Madame würden ebenfalls dort sein. So war es natürlich doppelt schlimm für mich. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, am liebsten hätte ich die Prüfung abgesagt. Aber ich bin halt ein Mensch, der sich lieber seinen Dämonen stellt, als vor ihnen davon zu laufen, weil ich gelernt habe, dass sie einen sonst eh immer wieder einholen. Also ging ich hin. Meine Vereinskollegin welche mich abholte, war total niedlich. Als wir aus dem Auto stiegen, nahm sie mich in den Arm und ging auf mit mir auf den Platz. Wir schaffen beide unser V (vorzüglich) sang sie fröhlich vor sich hin. Die Prüfungsordnung hatte sich nämlich geändert, und nun war es in unserer Klasse sehr schwer das V zu erreichen. Dies zu schaffen, war also unser Ziel.
Dann mussten wir unsere Papiere abgeben, und zwar bei ihm und seiner Neuen. Die beiden hatten dem Verein nämlich ihre Hilfe in der Meldestelle zugesagt, da es das erste Turnier des Vereins war, und es da hilfreich ist, wenn sich jemand mit dem Prüfungsprogram auskennt.
Naja, das Abgeben der Papiere habe ich cool hinter mich gebracht, sie wagte es wieder nicht mir in die Augen zu schauen. Er tat dies sehr intensiv,- aber nicht böse, eher etwas traurig.
So, nun war die erste Hürde schon mal genommen. Nun kam das schlimmste,- warten bis ich dran war, da kann sich die Angst so richtig schön hochschaukeln. Es waren sehr viele Leute von anderen Vereinen dort, die ich kenne, und es war sehr schön sie mal wieder zu sehen. Ich war erstaunt, wie sehr sich unsere Trennung schon rumgesprochen hat. Eine Sportskollegin meinte:" Na dann hat sie es ja nun endlich geschafft, nachdem sie ihn 3 Jahre lang angebaggert hat." Tja,- nicht nur ich sondern viele andere auch, haben es so kommen sehen. Ich verstehe bis heute noch nicht, warum ich seinen Lügen immer wieder geglaubt habe, und mich nicht auch ohne Beweise von ihm getrennt habe.
Wieder kriegte ich von vielen Seiten zu hören, wie viele Mitglieder sie aus unseren Verein vergrault hat, und verstehe immer noch nicht, wie er so blind sein kann. Es macht mich sehr traurig, zu erleben, wie er alle seine Ideale aufgibt, und was für eine Marionette aus ihm geworden ist.

Im stillem nenne ich die beiden immer Barbie und Ken,- so kommen sie mir irgendwie vor.
Als sie es nicht mitbekam, kam er zu mir, und fragte mich, ob ich aufgeregt wäre. Ich sagte nur:" Klar, kennst du doch, so wie immer", und ging weiter. Er wünschte mir noch viel Erfolg. Ich lenkte mich so gut es ging durch Gespräche mit anderen Leuten ab, machte meine Hund mehrfach warm, und dann ging es endlich los. Was soll ich sagen, nun geschah ein kleines Wunder. Als ich auf den Platz ging, war ich schon noch sehr angespannt, aber es kam kein Herzrasen, kein Beinezittern, keine Atmungsstörungen, all dies war wie weggeblasen. Ich glaube das Seminar, brauche ich jetzt nicht mehr, etwas angespannt zu sein ist ja normal. Ich denke fast, dass sich durch mein viel schlimmeres Problem, das geringere in Luft aufgelöst hatte. Ich konnte mich nur auf meinen Hund und unsere Übungen konzentrieren, vom Publikum und allen äußeren Einflüssen, nahm ich gar nichts mehr war. Ich habe noch nicht mal gesehen, ob die Beiden zugeschaut haben. Die Vorführung wurde klasse, bis auf eine Übung, in welcher mein Hund kurz abgelenkt war, und dadurch ein Kommando verwechselte, bekamen wir sehr hohe Punktzahlen, und erreichten dadurch trotz der einen Nullnummer noch unser V. Meine Maus und ich gingen total happy und ausgelassen vom Platz. Nach mir kam meine Vereinskollegin dran, und ich freute mich riesig, als auch die Beiden ihr V erreichten, mit einem Punkt mehr als wir.
Nach der Vorführung stand er plötzlich wieder vor mir (natürlich wieder, als sie es nicht mitbekam) und gratulierte mir, und sagte wie gut ihm unser Lauf gefallen hätte, und wie sehr wir uns noch verbessert hätten. Ich ließ mich aber auf kein längeres Gespräch ein. Wenn ich die beiden mal so aus der Ferne betrachtet habe, kam es mir so vor, als hätten sie sich nicht mehr besonders viel zu sagen. Fast wie ein altes Ehepaar, sie gingen ganz anders miteinander um, als zu den Zeiten, in denen sie noch nicht zusammen waren....
Dann kam die Siegerehrung, welcher sie fern blieb. Sie wurde dann aber von der ersten Vorsitzenden des Vereins auf den Platz gebeten, da sie ja bei in der Meldestelle geholfen hatte. Er holte sie dann, und ich musste innerlich ein wenig grinsen. Wenn das Ganze nicht so traurig wäre, hätte ich fast drüber lachen können. Wie kann man nur so feige sein.
Meine Vereinskollegin und ich erreichten als einzige in unserer Klasse das heißbegehrte V, und somit belegte unser Verein den ersten und den zweiten Platz unserer Klasse. Wir hatten wirklich allen Grund ausgelassen zu sein. Als mir die Papiere und die Urkunde überreicht wurden, gratulierte er mir nochmal, obwohl sie daneben stand.
So habe ich an diesem Tag, nicht nur einen Sieg im Hundesport errungen, sondern einen viel wichtigeren, ganz persönlichen. Ich habe mich wieder einem Dämon gestellt, und ihn besiegt.
Mein nächstes Ziel wird es sein, die Sehnsucht nach ihm, welche mich leider noch sehr oft überkommt loszuwerden, wenn ich dies geschafft habe, bin ich schon einen Riesenschritt weiter.
Ups,- wieder sehr lang geworden, - sorry.
