Arnika
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Zitat von thegirlnextdoor:.... man fühlt sich einfach so gut, wenn man was weggearbeitet hat und alles "heller", klarer und schöner ist.
Bei mir wirkt sich das direkt aufs seelische Befinden aus.
Ich verstehe deswegen alles, was Arnika beschreibt, sehr gut.
Du weißt ja nicht, wie mein Wohnzimmer grad aussieht 🤣 Aber ja, das ist ein innerer Prozess, der auch bei mir lange dauerte. In jüngeren Jahren stieg auch noch öfters über Wäscheberge drüber. Da dachte ich dann auch noch, eine zweite Wäschetonne löst das Problem. 🙈
Weil ich einfach irgendwie nicht raffte, dass nicht die Lagerung, sondern die vielen (billigen) Fetzen das Problem sind. Ich bin weder faul, blöd noch unorganisiert, aber das checkte ich einfach nicht. Oder wollte es nicht checken, an sich hab ich ja kein Problem mit logischem Denken. Da haben mich wohl die eine Angst oder falsche ungesunde Glaubenssätze daran gehindert, das Einfachste zu erkennen, was ganz korrekt vor meiner Nase lag: Ich habe zu viele Dinge und jeder Mensch kann nur eine gewisse Anzahl von Dingen betreuen. Ab irgendeinem Punkt geht das Häferl dann über und man ertrinkt und erstickt in dem Plunder.
Das redet man sich dann noch irgendwie schön, wirft mal was weg, häuft aber weiterhin lauter Krempel an, woraufhin man in eine größere Wohnung zieht und neue Lagermöglichkeiten ersinnt - bis das Häferl wieder übergeht. In meinem Fall gerade noch nicht, noch konnte ich es verstauen. Lag aber wohl auch daran, dass ich im Lockdown ausmistete und weit weniger Spontankäufe machte.
Und irgendwann hat nach jahrelangem inneren Prozess einfach dann doch die Logik gewonnen, dass soviel Krempel zu besitzen einfach Sch… ist, jeden einzelnen Tag das Leben erschwert und alles, und zwar wirklich alles, komplizierter, zeitaufwendiger und unschöner macht.
Hat eh lang genug gedauert, bis ich das raffte. War natürlich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Aber eigentlich ist es, wie wenn man mit einem platten Reifen weiterfährt, weil man es eilig hat. Irgendwie kann man sich mit dem ewigen Holpern arrangieren, aber flüssig läuft die Karre nicht.
Und jetzt werfe ich vor allem ein Haufen Zeug weg, das andere Ausmistaktionen dann doch noch überlebt hatte. Weil ich’s seit dem immer noch nicht gebraucht habe und mich, überspitzt formuliert, damit nur in einer dumpfen erdrückenden Staubwolke sitzen lässt.
Wozu? In meinem Alter hat man schon so vieles losgelassen, Menschen, Ambitionen, Wünsche - und das oft ganz problemlos - da kommts mir auf eine alte Tasche oder ausgelatschte Schuhe echt nicht mehr an. Hat sich halt alles überdauert. Die lösen nur negative Gefühle aus und stehlen mir Zeit, Platz, Nerven, Wohlgefühl und klare saubere Luft.
Viele kommen eh zum selben Schluss, halt nicht unbedingt zeitgleich mit uns. Vielleicht erst in ein paar Jahren. Und manche halt nie. Aber das ist dann auch ok. Dann ist einem die permanente Krempel-Betreuung halt so wichtig, dass man sein ganzes Leben um den Plunder herum arrangieren will. Wem das soviel Freude macht, wieso auch nicht. Mir macht’s halt keine Freude. Gar so schön und lebenswichtig ist mein Krempel echt nicht